Radweg: Grundbesitzer hoffen auf Flächentausch statt Enteignung

Ärger an der L 332: „Das ist Demokratur“

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Fehlt vielen Fahrradfahrern zwischen Neubruchhausen und Osterbinde: Ein ausgebauter Radweg.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Am Radweg wird nicht gespart, der kann ohne weiteres eine Million kosten, aber den Grunderwerb möchte man quasi zum Nulltarif haben. Und wer da nicht mitmacht, muss sich als unsolidarisch beschimpfen lassen. Das macht mich sauer.“ Marco Häfker würde am liebsten mit der Hand auf den Tisch hauen. Da er jedoch in der Küche von Familie Ortmann sitzt, verzichtet er darauf.

Der Ärger ist ihm anzusehen. Seine Gesichtszüge haben im Laufe des Gesprächs eine rote Färbung angenommen.

Den Landwirt aus Neubruchhausen verbindet mit Cord und Anke Ortmann aus Osterbinde eine Gemeinsamkeit: Sie besitzen entlang der L332 Flächen und weigern sich, diese zugunsten des Radwegebaus von Bassum nach Neubruchhausen abzugeben (wir berichteten).

Sie haben ihre Gründe. „Nur scheint das kaum jemanden zu interessieren“, ärgern sie sich. Häfker und Ortmanns sind nicht per se gegen den Radweg, auch wenn Häfker dessen Notwendigkeit anzweifelt. – „Es gibt eine gute Verbindung über Hallstedt und Albringhausen“, sagt er. – Die Eigentümer stören sich vielmehr an dem Vorgehen der Stadt.

Die L 332 ohne Radweg.

Ende Dezember 2013 fand Cord Ortmann in seinem Briefkasten ein Schreiben der Stadtverwaltung. Er wurde, wie Häfker und viele andere auch, zu einer Anliegerversammlung eingeladen. Angehängt war eine Bauerlaubniserklärung. Damit erklärt sich der Unterzeichner mit dem Bau des Radweges einverstanden und willigt ein, die genannten Flurstücke zu verkaufen. „Als Kaufpreis wird der Richtwert des vom Gutachterausschuss der LGLN Sulingen angenommen“, ist zu lesen. Ortmann: „Kein Wort über die Größe der tatsächlich benötigten Fläche noch zur Höhe des Richtwertes. Das würden Sie doch auch nicht unterschreiben.“

Dann kam im Januar 2014 die Anliegerversammlung. Dort sei das Vorhaben erläutert worden. „Aber nicht nur das. Da saßen etwa 50 bis 60 Leute und machten Druck“, beschreibt Häfker seinen Eindruck der Situation. Auch Ortmann fühlte sich in die Enge gedrängt. „Ich bin wütend geworden“, erinnert er sich. Er habe geschimpft, „das ist Demokratur“. Zu der Aussage steht er immer noch.

Häfker: „Uns wurde gesagt, wenn ihr nicht verkauft, dann gibt es ein Planfeststellungsverfahren, und wir bauen trotzdem, nur vier Wochen später. Das ist eine Drohung, denn das bedeutet Enteignung. Es gab nicht mal eine Diskussion, keinen Plan B.“

„Sind bereits genug gebeutelt worden“

Er betont: „Mir geht es nicht ums Geld. Ich möchte Ersatzflächen haben. Mal abgesehen davon, dass der Boden doppelt soviel wert ist, müsste ich das Geld, dass ich gar nicht haben will, auch noch versteuern.“

Die Ortmanns müssten insgesamt knapp einen Hektar abgeben. Der Richtwert liege bei 3,50 Euro pro Quadratmeter. Aktuell sei Ackerfläche sechs Euro wert.

Auch Cord Ortmann würde einen Flächentausch bevorzugen. „Grund und Boden ist die Existenz der Bauern und nicht vermehrbar“, sagt er. Der Landverbrauch in Deutschland sei seiner Meinung nach ohnehin viel zu hoch.

Lesen Sie auch: Radweg an der L332 kommt frühestens 2016

„Wir sind schon genug gebeutelt worden“, ärgert sich Anke Ortmann und erinnert daran, dass die Ortsumgehung den Hof geteilt hat. „Die Strecke führt quer über unser Land. Auch der Straßenverlauf der Landesstraße musste damals geändert werden und hat uns beschnitten. Wir haben genug abgegeben. Uns jetzt als eigennützig zu bezeichnen, finde ich frech.“

Dass der Radweg gebaut werden soll, war der Familie seit Langem bewusst. Denn als sie vor einiger Zeit die ehemalige Landwirtschaftsschule kaufte, musste sie unterschreiben, mit dem Verkauf von Flächen einverstanden zu sein. Aber da ging es nur um das Flurstück der Schule.

Ortmann würde sich wünschen, dass die Stadt mehr Geld in den ländlichen Wegebau steckt, statt einen Radweg zu bauen „und unnütz Land zu verschlingen“. „Die Wege werden vernachlässigt, gehen kaputt, würden sich aber als alternative Radstrecke anbieten.“

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