Weihnachtszirkus probt für Premiere

Putzige Ponys, steigende Hengste

Training in der Manege: Zirkusdirektor Miguel Frank lässt seine sechs Araberhengste steigen. Bei der Premiere am 23. Dezember im festlich geschmückten Zelt zeigen die Tiere, was sie gelernt haben. Zwei spanische Pferde präsentieren Figuren der hohen Reitschule.
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Training in der Manege: Zirkusdirektor Miguel Frank lässt seine sechs Araberhengste steigen. Bei der Premiere am 23. Dezember im festlich geschmückten Zelt zeigen die Tiere, was sie gelernt haben. Zwei spanische Pferde präsentieren Figuren der hohen Reitschule.

„Hooooh“ schallt die melodische Stimme von Miguel Frank durch die Manege. Es ist kalt an diesem Dezembertag in dem großen weißblauen Zelt mit den roten Ornamenten. Keinen Moment lässt der Zirkusdirektor die sechs Araberhengste aus den Augen, die im eleganten Gleichschritt durch das Rund traben. „Hooooh“. Sacht dirigiert der 43-Jährige die drei Schimmel und die drei Braunen, die willig seinen Kommandos folgen:

„Allez“. Mal traben alle sechs im gleichmäßigen Abstand in eine Richtung, dann wieder drei – getrennt nach Farben – in entgegengesetzten Gruppen oder zeigen eine Pirouette. Artig folgen die Tiere den Kommandos. „Steigt!“, ruft Miguel Frank. Sofort richten sich die Hengste zur vollen Größe auf – ein beeindruckendes Bild.

Artistische Weltreise

Tag für Tag übt der Zirkusdirektor mit seinen Tieren für die Premiere des Weihnachtszirkus Francalli, der seine Zelte erstmals auf dem Festplatz am Bahnhof in Bassum aufgeschlagen hat. Zur Premiere am 23. Dezember soll alles perfekt sein. Der Direktor verrät: Eine artistische Weltreise nach Spanien und Arabien soll das Publikum faszinieren. Saltos über Kamele, eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht, Akrobatik unter der Zirkuskuppel und die Späße des Clowns gehören dazu – genauso wie arabische Pferde, vereint mit einem sibirischen Kamel in einer Freiheitsdressur. Im zweiten Teil der Show fliegen Tomahawks und Lassos: Die Artisten entführen die Zuschauer in den Wilden Westen. Die jüngste Mitwirkende ist sieben Jahre: Lucia, die Tochter von Miguel Frank, schlüpft in die Rolle der kleinen Indianerin Jamati und ist mit ihrem Pony Kleiner Falke dabei.

Übung macht den Meister. Deshalb proben das Mädchen und ihr tierischer Partner in der Manege. Für beide scheint es ein Spiel zu sein. Mit der kleinen Peitsche dirigiert Jamati ihr Pony ohne Probleme. Leicht kitzelt sie damit das Hinterteil des gescheckten Miniponys. Sofort setzt es sich. Jamati ist zufrieden. „Sie ist pferdeverrückt“, flüstert ihr Vater.

„Ich bin damit groß geworden“

Gut möglich, das sie dieses Talent von ihm geerbt hat. „Pferde-Miguel werde ich in meiner Familie genannt“, lacht er. Wann er das erste Mal auf einem Pferd gesessen hat, daran kann sich der 43-Jährige nicht erinnern. „Aber mit fünf Jahren habe ich schon mit sechs Ponys in der Manege gestanden.“ Die Pferde, sagt er, seien seine besten Freunde: „Ich bin damit groß geworden.“

Auf dem Arabergestüt von Nils Ismer im Tierpark Ströhen habe er schon mit „Problempferden“ gearbeitet, sagt Miguel Frank – Tiere, die einen Sattel nicht ertragen konnten oder vor dem Transporter scheuten. Der 43-Jährige weiß: „Wenn ein Pferd ein Problem hat, dann liegt es nicht am Tier, sondern am Menschen und seinem Umgang damit.“

Charakter ist entscheidend

Ist er ein Pferdeflüsterer? Der Zirkusdirektor nickt. „Das lernt man nicht aus einem Buch, sondern vom Pferd selbst.“ Woran erkennt er, welches Pferd sich für die Ausbildung im Zirkus eignet und welches nicht? „Das kommt auf den Charakter an“, antwortet er. Schon an einem Fohlen lasse sich erkennen, ob es dem Menschen zugewandt sei – eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit. Miguel Frank: „Hengste haben das größte Potenzial. Sie sind selbstbewusster und sportlicher als Stuten.“

Im Stall des Zirkus Francalli stehen die Araberhengste Sheik, Elmundo, Aljustin, Massim, Fahrid und Castello. Dann gibt es die Kaltblüter Banda und Sultan, die spanischen Hengste Shavier und Almano sowie die Ponies Kleiner Falke und Cristella. Außerdem gehören vier Kamele und zwei Texas-Longhorn-Rinder zu den tierischen Artisten. Über das Spiel in der Manege finden sie in ihre Rollen. Vertrauen in die Menschen, die mit ihnen arbeiten, ist unverzichtbar.

„Die Peitsche ist ein Führungsstock, mein verlängerter Arm“, so Miguel Frank. „Davor dürfen die Tiere keine Angst haben.“ Das Pferd lerne, auf das Signal der Peitsche zu reagieren – so wie ein Hund das Apportieren. „Pferde brauchen viel Bewegung“, erklärt der Zirkusdirektor, der seinen Tieren auch viel Zeit zum Spielen in der Manege lässt – in Grüppchen, die sich verstehen. Miguel Frank kennt seine Tiere genau, belohnt sie nach dem Training mit Streicheleinheiten.

Ohne zu zögern zeigt er das Tierbestandsregister und die Prüfberichte der amtlichen Tierärzte über mehrere Jahre. „Gut bis sehr gut“ ist der Zustand der Tiere – das bescheinigen unterschiedliche Veterinäre in unterschiedlichen Jahren. Nur einer spricht von „angemessen bis gut“. Miguel Frank liegt das Wohl seiner Tiere am Herzen. Zu ihnen gehe er, verrät er, wenn er Sorgen und Probleme habe. Und die hat er in Corona-Zeiten mit ihren ständig wechselnden Schutzvorschriften durchaus.

Vorstellungen unter 2 G

Zurzeit ist alles gut: „Wir dürfen spielen! Bei uns gilt 2 G, weil wir nur 70 Prozent der Plätze nutzen“, sagt Frank. Das schmucke Zelt fasst insgesamt 600 Gäste und gehört seiner Mutter Mercedes del Val-Frank. Es stammt aus Italien, ist blitzsauber und wirkt wie neu. „Aber es ist schon acht Jahre alt“, schmunzelt der Direktor. „Alle zwei Jahre wird es vom TÜV abgenommen.“ Auch den Transportern sieht man ihr Alter nicht an. Die Zirkusfamilie hält alles sorgfältig in Schuss. Werterhaltung sei enorm wichtig.

Ein Hygienekonzept hat Miguel Frank längst erarbeitet. Die Besucher müssen FFP2-Masken tragen, werden persönlich zu ihren Plätzen geleitet und dürfen die Masken dort abnehmen.

Weitere Infos:

Der Weihnachtszirkus Francalli feiert am 23. Dezember um 18 Uhr Premiere. Die Heiligabend-Vorstellung beginnt um 14 Uhr, dann gibt es bis 6. Januar werktäglich eine Vorstellung um 17 Uhr. Samstags und sonntags starten die Shows um 15 und 18.30 Uhr. Karten gibt es unter der Ticket-Hotline 0173/6094464.

Von Anke Seidel

Lucia alias Jamati mit ihrem Pony Kleiner Falke.

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