„So viele Anfragen wie nie“

Psychologische Beratungsstelle Bassum feiert 40-jähriges Bestehen

+
Leiter Markus Melnyk bekommt auf der Feier zum 40-jährigen Bestehen zahlreiche Präsente überreicht. 

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Wer mit seinem Partner in einer harmonischen Beziehung lebt, in der er aufgefangen und verstanden wird, in der er seine Sorgen und Wünsche äußern kann, ist glücklich. Wer glücklich ist, ist resistenter gegen psychische Erkankungen und gibt diese positive Lebensweise vielleicht auch an seine Kinder weiter.

„Die Familie kann Prophylaxe gegen Burn-Out sein und ist die Keimzelle unserer Gesellschaft, die als erste Instanz die künftige Generation auf das Leben vorbereitet“, erklärte Daniela Engelhard, Leiterin des Seelsorgeamts des Bistums Osnabrück auf einer Feierstunde im Gemeindehaus der St.-Ansgar-Kirche in Bassum. Anlass war das 40-jährige Bestehen der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen vor Ort.

Da Partnerschaften und Familien von so großer Bedeutung sind, seien auch Einrichtungen wie die Beratungsstelle wichtig. Denn sie sind da, niedrigschwellig und kostenlos, wenn es in den Beziehungen kriselt und die Beteiligten das Problem nicht alleine bewältigen können – und das ist immer öfter der Fall. Die Familie sei bedroht, so Engelhard, durch mehr Arbeit, höhere Anforderungen und Zeitmagel. „Sie geraten in den Sog der kollektiven Atemlosigkeit.“

152 Neuanmeldungen 2016, Zahl 2017 bereits jetzt erreicht

Das hat Folgen. „2016 hatten wir 152 Neuanmeldungen. Diese Zahl haben wir für dieses Jahr schon erreicht, so dass wir 2017 wohl den höchsten Stand seit unserem Bestehen verzeichnen werden“, berichtete Markus Melnyk, Leiter der Beratungsstelle. 60 Prozent sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, also in der „Rush-Hour des Lebens“. Auch die zweite Niederlassung in Sulingen, die nun seit 26 Jahren für die Menschen ein offenes Ohr hat, habe gut zu tun. Die Anfragen kämen aus dem gesamten Landkreis und noch darüber hinaus. Sehr viele nehmen über das Internet Kontakt auf. „Die Leute erwarten meist eine schnelle Lösung für ihr Problem. Dann erklären wir, dass wir keine fertige Lösung geben können, aber Unterstützung auf dem Weg dorthin, Hilfe zur Selbsthilfe.“

Die Bedeutung der beiden Einrichtungen des Bistums Osnabrück im Landkreis hob auch Kreisrat Markus Pragal hervor. „Sie sind uns lieb, aber auch teuer“, fügte er mit einem Augenzwinkern vor dem Hintergrund hinzu, dass der Kreis die Beratungsstellen finanziell bezuschusst. „Aber da ist jeder Euro gut investiert, da es offenbar eine große Orientierungslosigkeit gibt.“

Trotz des ernsten Themas herrschte auf der Feier zum „40. Geburtstag“ teilweise große Heiterkeit, was zum einen an den Rednern lag, die ihre Grußworte nicht steif, sondern locker, humorvoll und charmant hielten, wie der Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya, Dr. Jörn-Michael Schröder, der der Beratungsstelle ein großes Kompliment machte: „Du bist wie eine liebreizende junge Frau, und wäre ich nicht mit der evangelischen Kirche verheiratet, würde ich glatt einen Blick auf dich werfen.“ Bassums Bürgermeister Christian Porsch bat: „Helfen Sie weiterhin den Menschen in unserer Region, mit ihren Problemen klar zu kommen.“ Er überreichte ein Päckcken mit Schokolade, mit dem Hinweis, dass er wisse, dass man mit Schokolade keine Probleme löse, aber „mit einem Apfel auch nicht.“

„Partnerschaft und seelische Gesundheit hängen zusammen“

Zum anderen sorgten Paul Kiolbassa und Roland Bauer als Zwei-Mann-Band für gute Stimmung, in dem sie bei Liedern speziell aus dem Gründungsjahr der Beratungsstelle – also 1977 – zum Mitsingen und Mitklatschen einluden. Und so kam es, dass in dem katholischen Gemeindehaus Vertreter verschiedener Institutionen fröhlich „Who the fuck is Alice?“ skandierten, während das Kruzifix an der Wand mal in blau, rot oder lila angestrahlt wurde.

Am Ende lud Dr. Stefan Renner, Chef- und Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Zentrum für seelische Gesundheit am Klinikum Bassum, die Zuhörer noch auf eine Zeitreise ein, in der er die medizinischen Entwicklungen in diesem Bereich fachspezifisch darstellte. „Partnerschaft und seelische Gesundheit hängen zusammen“, erläuterte er und wies darauf hin, dass die gestiegenen Zahlen in der Beratung nicht nur ein Zeichen dafür seien, dass immer mehr Menschen Hilfe bräuchten – sondern auch, dass die Bereitschaft wachse, sie anzunehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Altpapiercontainer gerät in Brand

Altpapiercontainer gerät in Brand

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

Meistgelesene Artikel

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Begegnung statt „Brexit“

Begegnung statt „Brexit“

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Kommentare