Empfehlung für Flurbereinigung

Wege und Neuordnung statt Mauern

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Volles Haus in Lampes Gasthaus. Olaf Stührmann referierte für etwa 70 Bürger über das Thema Flurbereinigung.

Bramstedt - Von Marc Lentvogt. Landwirtschaftlicher Wegebau ist derzeit in Bramstedt nicht möglich – es gibt weder Fördergelder noch Spielraum im Haushalt der Stadt Bassum. Es sei denn, die Grundstückseigentümer entscheiden sich für eine Flurbereinigung. Ein Verfahren, welches Bürgermeister Christian Porsch, Ortsvorsteher Helmut Zurmühlen und Olaf Stührmann, Dezernatsleiter für Flurbereinigung und Landmanagement beim Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), den Bramstedter Bürgern am Mittwochabend empfohlen haben.

Etwa 75 Prozent der rund 1,5 Millionen Euro, die bei einer 1000 Hektar umfassenden Flurbereinigung anfallen, werden von Land, Bund und EU getragen. Für den Rest müssen diejenigen aufkommen, die profitieren – Grundstücksbesitzer, vornehmlich Landwirte.

Obwohl Stührmann eine Vielzahl an Vorteilen referierte, läuft es im Verfahrenskern auf zwei Faktoren hinaus: Wegebau und Neuordnung von Flächen. Das Ziel der Flurbereinigung ist es, führte Stührmann aus, dass Landwirte weniger Zeit auf der Straße verbringen müssen, weil ihre Flächen näher beieinander und möglichst auch in Hofnähe liegen.

„Wir nehmen nichts weg, wir tauschen“

Dem Einwand, vielleicht wolle jemand ein bestimmtes Stück Land nicht abgeben, entgegnete Stührmann deutlich: „Ja, es kann passieren, dass Sie spezielle Stücke nicht behalten können. Aber wir nehmen Ihnen nichts weg. Wir tauschen, aber dabei gilt: Jeder muss Land erhalten, welches mindestens den gleichen Wert hat wie weggetauschtes Eigentum.“

In Extremfällen könne es dazu kommen, dass das Amt die Mehrheit vor der Minderheit schützt, um das bestmögliche Ergebnis für die Gesamtheit der Beteiligten zu erreichen, doch diese Gedanken, führte er weiter aus, seien in diesem Stadium der Diskussion hinderlich.

Die Informationsveranstaltung am Mittwochabend war ausdrücklich noch kein Verfahrensbeginn. Dazu kommt es frühestens Anfang des kommenden Jahres, wenn der gebildete Arbeitskreis ein Konzept vorlegt, dem die Mehrheit der Bramstedter zustimmen kann. „Bauen Sie nicht jetzt schon eine Mauer auf“, bat Stührmann in die Runde der rund 70 Anwesenden.

Sorge um finanzielle Hilfe

Bei der Flurbereinigung in Bassum habe es Probleme mit der Ko-Finanzierung gegeben, äußerte ein Bürger seine Sorge um das Ausbleiben versprochener Beteiligung der Stadt.

Von Finanzierungsausfällen aber sei nicht auszugehen, entgegnete Bauamtsleiter Martin Kreienhop darauf: Die Flurbereinigung sei in der mittelfristigen Haushaltsplanung bereits vorgemerkt.

Wer denkt, dass es bei soviel Werbung bereits einen fertigen Plan gibt, der irrt. „Wir wollen hier kein Stuttgart 21, wir haben uns in Sulingen nichts für Sie überlegt. Das sollen Sie tun“, versicherte Stührmann. Das Amt werde auf Kosten des Landes Experten zur Verfügung stellen, welche Maßnahmen ergriffen werden. Ob Bitumenstraßen, Beton-Spurbahnen oder Schotterwege angelegt werden, all das sei eine Entscheidung der Bramstedter.

Und das, so schien es in Lampes Gasthaus, könnte zunächst das größte Problem werden – die Vereinbarkeit der unterschiedlichen Interessen. Zurmühlen und Porsch präsentierten eine Liste von Personen, die sich am vorbereitenden Arbeitskreis beteiligen würden. Diese im Vorfeld geschaffenen Fakten sorgten allerdings für Unmut bei denjenigen, die sich nun chancenlos außen vor sahen. Nach der Aufnahme zwei weiterer Personen in den Arbeitskreis scheint jedoch vorerst eine Arbeitsgrundlage geschaffen.

Kommentar:

Von Marc Lentvogt. Wenn Bramstedt sich 2019 für eine Flurbereinigung entscheiden sollte, wird das Verfahren einige Grundeigentümer wohl begleiten, bis sie ihren Hof an die nächste Generation abgeben. Auch wenn die Kosten aufgrund von Subventionen überschaubar sind, ist offensichtlich, dass die Teilnahme gut überlegt sein möchte.

Sich aber den Meinungen anderer zu verschließen, weil „Umweltschutz und anderer Zinnober“ seit Jahrzehnten Einfluss auf die Betriebsführung nehmen, ist rücksichtslos gegenüber nachfolgenden Generationen.

Olaf Stührmann hat deutlich signalisiert, dass sein Amt eine Behörde für Landwirte ist. Vergleichbare Projekte lassen nicht darauf schließen, dass die Beteiligung einer Naturschutzbehörde darin ausartet, dass Eigentümer ihre Felder plötzlich vor lauter Teichen, Naherholungsgebieten und Blühstreifen nicht mehr sehen können.

Vorbehalte sind nachvollziehbar, Einwände zulässig, aber doch bitte erst, nachdem einander zugehört wurde. Wer andere Interessengruppen ausschließt, muss sich nicht wundern, wenn diese in Zukunft kein Verständnis aufbringen (können). Glücklicherweise hat der einzeln geäußerte Einwand nicht dazu geführt, dass den Vertretern von Naturschutz und Tourismus die Teilnahme verwehrt wird.

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