Mietvertrag läuft aus

Ende der Möbelhaus-Tradition: Polster Mohr muss Bassum verlassen

Polster Mohr an der Bahnhofstraße
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Weil der Mietvertrag ausläuft, muss Polster Mohr die Bahnhofstraße verlassen.

Es ist das Ende der Möbelhaus-Tradition an der Bahnhofstraße: Polster Mohr schließt seine Filiale und verlässt Bassum – aber ungern.

Bassum – Unbestätigten Informationen dieser Zeitung zufolge will sich auf den rund 1400 Quadratmeter Fläche des Hauses ein Sanitär- und Heizungsbauunternehmen ansiedeln. Fakt ist: Direkt gegenüber liegt der KB-Servicepoint. Die GmbH hatte erst im vergangenen Jahr die Traditionsfirma Haustechnik Bremer übernommen. Sie hat rund 30 Beschäftigte.

KB-Servicepoint bietet Hautechnik aus einer Hand und gehört zum Unternehmen Koop-Brinkmann in Drebber. Es hat weitere Servicepoints in Hamburg, Bremen und Ebstorf (Uelzen). Ob das Unternehmen sein Angebot in Bassum erweitern will und wenn, in welcher Form, ist unklar. Eine Anfrage dieser Zeitung blieb bisher unbeantwortet.

Zurück zu Polster Mohr: Zwölf Jahre lang hatte das Unternehmen aus Siedenburg Möbel in den unterschiedlichsten Stilrichtungen in Bassum angeboten – vom klassischen Friesensofa über Trend-Polsterprodukte bis zu orthopädischen Komfortsitzmöbeln. Ingo Mohr freut sich, im Laufe der Jahre viele Stammkunden gewonnen zu haben. „Für sie sind wir weiterhin da“, sagt der Firmeninhaber – und verweist auf die beiden anderen Möbelgeschäfte des Unternehmens in Siedenburg und in Nienburg. Die drei Mitarbeiter der Bassumer Filiale bleiben im Unternehmen, erhalten Arbeitsplätze an den anderen Standorten.

Ingo Mohr ist offen für einen anderen Standort in Bassum

Ingo Mohr ist durchaus offen dafür, an einem anderen Standort in Bassum ein Möbelgeschäft zu eröffnen. Das hänge davon ab, ob eine passende Immobilie zur Verfügung stehe: „Dafür brauchen wir schon 2000 bis 2500 Quadratmeter.“

Will heißen: Eine Fläche, die in etwa der Größe eines Baumarkts entspricht.

Im Mittelpunkt steht im Augenblick aber der Produktionsstandort von Polster Mohr in Siedenburg. Dort sind knapp 40 Mitarbeiter beschäftigt. Sie fertigen vor allem Möbel ganz nach den Wünschen anderer Möbelhäuser: „Etwa 90 Prozent der Produktion ist Kommissionsware“, erläutert Ingo Mohr. „Zehn Prozent verkaufen wir in unseren eigenen Geschäften.“ Friesensofas und die orthopädische Komfortschiene seien die Spezialität des Unternehmens.

In Bassum hatte Ingo Mohr den Standort eines alteingesessenen Möbelhauses übernommen, als Inhaber Andreas Schröder sein Geschäft vor zwölf Jahren aufgab. Von ihm hatte der Siedenburger die Immobilie gemietet. Man kannte sich bereits viele Jahre, pflegte freundschaftliche Kontakte: „Er hat bei uns Möbel gekauft,“ blickt der Produzent aus Siedenburg zurück, der viele Kunden hat.

„Wir sind die größten Polsterei Norddeutschlands“

„Wir sind die größte Polsterei Norddeutschlands“, betont der Inhaber nicht ohne Stolz – in dem Wissen, dass die Zahl der Möbelhersteller in Deutschland stark geschrumpft ist – und immer weiter schrumpft.

Gern würde der Siedenburger weitere Fachkräfte einstellen: Näherinnen und Näher, Polsterer und Polsterinnen. Denn das Möbelgeschäft läuft zurzeit gut: „Im Moment haben wir fast doppelt so viele Aufträge wie normal“, formuliert es Ingo Mohr.

Die Siedenburger Möbelhersteller erfüllen Stammkunden durchaus Sonderwünsche, wenn es möglich ist. Aber den individuellen, maßgeschneiderten Möbelbau hat Ingo Mohr bewusst zurückgefahren. Der Ohrensessel für die Oma oder riesige Wohnlandschaften für Scheichs – auch solche Aufträge gehören zur fast 60-jährigen Firmengeschichte. Für Kreuzfahrtschiffe habe man ebenso produziert, sagt Ingo Mohr.

Aber heute setzt der Produzent bewusst auf direkte, persönliche Kontakte zu seinen Firmenkunden. Und bemüht sich, die Materialien für die Möbelherstellung möglichst aus Deutschland zu beziehen.

Was nicht immer einfach ist. Denn die Möbelindustrie ist mittlerweile in andere Länder abgewandert, nach Polen oder Litauen zum Beispiel.

„Möbelstoffe bekommt man noch in Belgien“, berichtet der Inhaber von Polster Mohr. Ihm sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz besonders wichtig. Will heißen: Kurze Wege in der Möbelbranche sind deutlich klimafreundlicher als lange Anfahrtswege aus dem Ausland.

Der Räumungsverkauf hat begonnen

Die kurzen Wege zum Möbelkauf in Bassum sind ab November Geschichte. Denn Polster Mohr muss die Geschäftsräume Ende Oktober verlassen. Bis dahin finden die Kunden aber noch eine große Auswahl an Sitzmöbeln und mehr zu besonders günstigen Preisen: Der Räumungsverkauf hat begonnen.

Eines steht schon fest: Auf die zwölf Geschäftsjahre in Bassum wird Ingo Mohr zufrieden zurückblicken. „Wir danken unseren Kunden!“, betont er.

Vielleicht lässt sich das auch so deuten: Rückkehr nicht ausgeschlossen.

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