Podiumsdiskussion an der Bassumer Oberschule mit Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen

Was hat der Islam mit dem IS zu tun? – „Gar nichts!“

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Rabia Kendir (2.v.r.) von der muslimischen Gemeinde Syke zählt zu den Gästen auf dem Podium.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Manchmal glaube ich, es wäre besser, es gäbe keine Religionen.“ Mit dieser Aussage hatte der Dalai Lama in seinem Buch auf der ganzen Welt für Diskussion gesorgt. Wie steht die Jugend zu dem Thema? Das wollte der Bassumer Präventionsrat wissen und lud am Donnerstag unter dem Motto „Dein Glaube – mein Glaube, was verbindet?“ zu einer Podiumsdiskussion an die Oberschule ein. Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen standen den Schülern der zehnten Klasse Rede und Antwort.

Gäste waren Elvira Noa von der Jüdischen Gemeinde Bremen, Ines-Maria Kuschmann von der evangelischen Kirchengemeinde Bassum, Birgit Hosselmann von der katholischen Kirche Twistringen, Rabia Kendir von der muslimischen Gemeinde Syke sowie Michael Sabaß, der den Zen Buddhismus vorstellte. Moderiert wurde die Runde von Gerd Stötzel.

Der ehemalige Landrat verglich eingangs die Shell-Jugendstudien der Jahre 2000 und 2015 und kam zu dem Ergebnis, dass sich die Jugendlichen immer weiter vom Glauben distanzieren. „Die Tendenz der Entkirchlichung hält an.“

Ob das auf die Bassumer Oberschüler zutrifft, erfuhren die Podiumsteilnehmer allerdings nicht. Denn die Jugendlichen hielten sich mit Redebeiträgen zurück. Lediglich drei Fragen wurden am Ende gestellt – und diese kamen auch erst, nachdem Gerd Stötzel das Schweigen mit eigenen Fragen überbrückt hatte.

„Was hat der Islam mit dem IS zu tun?“, wollte eine Schülerin von Rabia Kendir wissen. Ihre Antwort: „Gar nichts!“ Der IS habe überhaupt nichts mit ihrer Religion zu tun. Das seien Terroristen, die die Verse des Islam völlig falsch deuten würden. Die junge Frau stellte klar: „Es gibt keinen Zwang in meinem Glauben.“ Der Islam predige Frieden. Wie sie sich nach den Terroranschlägen von Paris gefühlt habe, lautete eine zweite Frage. „Ich war traurig“, gestand Kendir. Sie war zudem in Sorge, da sie Verwandte in Paris habe. „Ich habe auch Angst vor den Terroranschlägen“, sagte sie. Und sie fürchte sich, mit den Terroristen in einen Topf geworfen zu werden. „Mein Mann hat sich jetzt seinen Bart rasiert“, damit niemand glaube, er sei einer von denen, erzählte sie.

Die dritte Frage war an Michael Sabaß gerichtet. Eine Schülerin wollte wissen, ob es im Buddhismus auch ein Leben nach dem Tod gibt. Sabaß glaubt persönlich nicht daran, informierte aber, dass viele Buddhisten die Wiedergeburtslehre übernommen hätten. Diese gehe davon aus, dass jede Tat im Leben Folgen habe und sich darauf auswirkt, als was man später auf die Welt komme.

Alle Gäste hatten die Möglichkeit, ihre Glaubensrichtung kurz vorzustellen, wobei ein Satz immer wiederkehrte: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Alle Gäste plädierten für Toleranz, Verständnis, Liebe, ein Miteinander und Frieden. Und dafür, den eigenen Glauben nicht über andere zu stellen.

Sabaß kritisierte: Der Anspruch von Religion sei, dass jemand glaube, die Wahrheit zu wissen. Zu wissen, dass es einen Gott gebe, und sogar ein Bild von Gott habe. Das trenne ihn von anderen Weltanschauungen. „Menschen haben ein Machtstreben. Wenn sich das verbindet mit Religion, beziehungsweise wenn Religion dafür benutzt wird, die eigene Macht zu stärken, dann passiert das, was wir seit Jahrhunderten erleben“, so Sabaß. Jeder Krieg in der Menschheitsgeschichte sei verbunden gewesen mit Religion, und die Religion habe oft die Legitimation dafür erteilt. – „Religion darf keine Macht ausüben“, da waren sich die Anwesenden einig.

Da die Schüler keine weiteren Fragen hatten, gab der Präventionsrat das Buffet frei, das von der Gruppe „Gib mir die Hand“ vorbereitet worden war. Plötzlich waren die Berührungsängste wie weggeblasen. Die Jugendlichen fanden dann auch schnell ihre Sprache wieder.

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