Im Mükize durch schwere Zeiten

Henrike Gerling-Jacobs erhält Ehrenamtsmedaille: „Plötzlich war ich Arbeitgeber“

Arbeiten seit Jahren gemeinsam für die Zukunft des Mütter-Kinder-Zentrums: Henrike Gerling-Jacobs (links) und Katarina Wetzel.
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Arbeiten seit Jahren gemeinsam für die Zukunft des Mütter-Kinder-Zentrums: Henrike Gerling-Jacobs (links) und Katarina Wetzel.

Bassum – Henrike Gerling-Jacobs hat Nachtschicht im Krankenhaus. So lange es ruhig ist, erledigt die Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege kleineren Papierkram für das Mütter-Kinder-Zentrum, deren Vorsitz sie 2016 übernommen hat. Doch auch an Abenden, an denen sie frei hat und Zeit mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern verbringen könnte, ist sie für den Verein unterwegs, trifft Ratsmitglieder, Vertreter der Stadt oder kämpft sich gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern des Vorstandes durch Berge von Papierkram in Beamten-Deutsch, die erstmal verstanden werden wollen.

All das ist anstrengend, zehrt an der Kraft. Es ist eine turbulente Phase, in dem die Struktur des Mükizes einmal komplett umgekrempelt wird, um es zukunftsfähig zu machen. Mehrere Jahre geht das so. „Ohne die Unterstützung meines Mannes und meiner Schwiegereltern hätte ich das nicht bewältigen können“, erzählt die Bassumerin bei der Erinnerung voller Dankbarkeit. Doch sie beißt die Zähne zusammen. Denn sie will, dass es mit dem Mükize weitergeht. „Ich wusste, die Angebote werden angenommen. Es hängt so viel daran: Struktur und Arbeitsplätze. Das darf nicht einfach aufhören.“

Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Inzwischen hat das Mükize seine turbulente Phase überstanden und Gerling-Jacobs konnte ihren Posten in die Hände von Brigitta Wortmann legen.

Doch das Engagement von ihr und ihren Mitstreitern ist nicht vergessen worden und so konnte Gerling-Jacobs vor Kurzem die Bassumer Ehrenamtsmedaille für den Verein entgegennehmen. „Es ist eine Medaille für das Mükize“, betont die Bassumerin. „Denn so wie mir ging es allen, die sich in den vergangenen 30 Jahren dort engagiert haben.“

Gerling-Jacobs’ Ehrenamt begann im Grunde mit der Gründung ihrer Familie. Als ihre Tochter 2011 geboren wurde, suchte sie mit anderen Müttern einen Ort, wo sie sich treffen konnten. So kam sie zum Mükize, wo sich schon bald ein Spielkreis bildete. „Kurz darauf wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, den zu leiten.“ Gerling-Jacobs konnte.

Irgendwann fehlte dann eine Freiwillige, die den Frühstückstisch vorbereitet, die Gäste betreut und auch wieder abräumt. Auch das übernahm Gerling-Jacobs und hörte auch nicht auf, als 2013 ihr Sohn geboren wurde. „Den hab ich mir vor den Bauch gebunden und das Café weiterbetreut“, erzählt die 40-Jährige lachend.

2014 wurde dann klar: Im Mükize muss sich was ändern. Katarina Wetzel, damals Schatzmeisterin, bekam beim Blick auf die Finanzen graue Haare und erklärte: „Wir müssen was tun. Wir haben zu wenig Ehrenamtliche und müssen deswegen die Linie zur Professionalität einschlagen.“ Denn die Zeiten, in denen Mütter nach der Geburt drei Jahre oder länger zuhause blieben, waren vorbei.

Dementsprechend standen auch kaum noch Frauen zur Verfügung. „Und so sagte ich zu Henrike: Du musst das machen“, erinnert sich Wetzel und lacht. So kam Gerling-Jacobs in den Vorstand. „Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, aber ich sagte mir, wir werden das wohl schaffen.“

Was folgte, war ein Haufen Arbeit. Das Team drehte den Verein komplett auf links, stellte Verwaltung, Organisation und Buchhaltung neu auf, traf Entscheidungen über neue Konzepte, die nicht immer jedem gefielen, aber nötig waren, damit das Mükize überleben konnte. Große Erleichterung brachte das Vermächtnis der Familie Theben, durch das Renovierungsarbeiten wie zum Beispiel am Kinderspielplatz bezahlt wurden.

2016 übernahm Gerling-Jacobs den Vorsitz. „Auf einmal hatte ich sehr viel Verantwortung, war plötzlich Arbeitgeber für die Erzieher, musste mich mit entsprechenden Verträgen beschäftigen. Das Ehrenamt war im Grunde eine halbe Stelle. 2018 sagte ich dann, dass das Team eine Nachfolgerin für mich suchen soll.“ Wetzel ergänzt: „Während Henrike den Vorsitz innehatte, ging es um das Überleben des Mükizes. Das war nun gesichert und jetzt beginnt eine neue Phase.“ Im März 2020 wollte Gerlings Jacobs das Steuer des Schiffes, das sie durch die stürmische See gelenkt hat, auf der Jahreshauptversammlung übergeben – und dann kam Corona. Gerling-Jacobs kann inzwischen darüber lachen. „Das war so der krönende Abschluss.“

Nun ist Gerling-Jacobs Pressesprecherin und Hygienebeauftragte des Mükizes. Sie genießt es, weiter im Verein dabei zu sein, ohne den Druck zu spüren und ist davon überzeugt, dass die vergangenen sechs Jahre ihr Leben sehr bereichert haben. „Ich musste mich mit ganz neuen Dingen auseinandersetzen, habe viel gelernt und neue Menschen getroffen. Das Mükize gehört zu meinem Leben dazu. Es ist einfach ein toller Verein.“

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