Anne Callaghan schreibt Kinderbuch in niederdeutscher Sprache und plant weitere Projekte

Plattsnacken lernen mit Makrele Hein

Ein dynamisches Duo für den Erhalt der plattdeutschen Sprache: Anne Callaghan notiert weitere Ideen für ihr erstes Kinderbuch. Papa Wilhelm Kappelmann freut’s.
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Ein dynamisches Duo für den Erhalt der plattdeutschen Sprache: Anne Callaghan notiert weitere Ideen für ihr erstes Kinderbuch. Papa Wilhelm Kappelmann freut’s.

Bassum – Da ist ganz schön was los in Jollensiel! Die Makrele Hein ist ein „ziemlich grooten Snacker“ und hat in Krabbe Frederik einen „babbeligen Kompagnon“. Für die Wattwürmer Sven und Erna ist das super, denn sie sind ohnehin neugierig und wollen immer alles wissen. Doch die Robben Käthe und Martha können über so viel Geschwätzigkeit nur den Kopf schütteln. Trotzdem kommen alle gut miteinander aus – auch wenns ab und an mal Knatsch gibt, ist ja klar. Aufruhr entsteht in der kleinen Gemeinschaft vor dem Deich erst, als die zwei Vögel Rupert und Lucinda auftauchen und von ihrer Heimat Amerika erzählen.

Anne Callaghan zeigt mit einem stolzen Lächeln ihr kleines Notizbuch, in dem die groben Züge ihres ersten Kinderbuches auf Plattdeutsch stehen. Jeden Tag nimmt sie den Kugelschreiber zur Hand, setzt die Erzählung aus dem fiktiven Ort Jollensiel fort oder sammelt Ideen, was dort noch so passieren könnte.

„Ich schreibe eigentlich immer drauf los und schaue hinterher, was mir gefällt“, erzählt Callaghan und lacht. Alles handschriftlich. Weil sie es liebt, das Buch in der Hand zu halten, über den Einband zu streichen und die Seiten rascheln zu hören. Am Computer wird erst getippt, wenn alles fertig ist.

Schuld daran, dass die 40-jährige Groß- und Außenhandelskauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin unter die Autoren gegangen ist, sind im Grunde zwei Männer: Söhnchen Ben und ihr Papa, Wilhelm Kappelmann.

Der passionierte Plattdeutsch-Autor hat dafür gesorgt, dass das Töchterchen mit der Sprache aufwuchs. „Für mich gehörte sie zum Alltag, war nichts Besonderes“, erzählt Callaghan. Ihre Einstellung änderte sich, als vor sechs Jahren ihr Sohn geboren wurde. Dem erzählte sie kleine Geschichten auf Plattdeutsch. „Er wächst genau wie ich damit auf – aber er kann sich außerhalb der Familie mit fast niemandem unterhalten. Von seinen Freunden versteht das keiner mehr. Da ist mir erstmal richtig bewusst geworden, dass die Sprache mit der älteren Generation auszusterben droht.“

Ihr Vater habe immer den Wunsch gehabt, die plattdeutsche Sprache zu erhalten, in dem er sie den Menschen durch seine Geschichten näherbrachte. Nun tritt Callaghan in Kappelmanns Fußstapfen. Nur ein bisschen anders, mit ihrem eigenen Stil. „Mein Vater hat viel über seine Erinnerungen geschrieben und das war für viele Erwachsene interessant und schön. Ich möchte hingegen die Kinder für das Plattdeutsche begeistern. Und das geht am besten über Geschichten, die aus ihrer Lebenswelt stammen“, erläutert Callaghan.

Als Beispiel holt die 40-Jährige zwei Bände von Harry Potter hervor – auf Plattdeutsch. „Zu solchen Geschichten haben Kinder einen Zugang und beschäftigen sich gerne damit. Als ich die Bücher mal auf Facebook erwähnte, waren viele Lehrer ganz begeistert und hätten gern welche angeschafft – aber die Exemplare sind schon alle vergriffen. Das fand ich schade. Und andere Kinderbücher auf Plattdeutsch, die ich noch aus meiner Kindheit habe, sind etwas altbacken und für die Kinder heute sicher nicht mehr so interessant.“

Darum arbeitet Callaghan nun an einer zeitgemäßen Geschichte, gewürzt mit Ironie, die von Kindern im Grundschulalter schon verstanden wird. Unterstützt wird sie dabei von ihrer besten Freundin, die die Illustrationen beisteuert. „Sie sprach vorher überhaupt kein Plattdeutsch, hat jetzt aber durch die Arbeit mit dem Buch schon viel gelernt“, erzählt Callaghan und schmunzelt. Also: Ziel erreicht!

Die Liebe zur plattdeutschen Sprache ist Callaghan deutlich anzumerken. „Sie hat einen wunderschönen, heimatverbundenen Klang. Es ist eine Herzenssprache, mit Worte für Gemütszustände, die man gar nicht ins Hochdeutsche übersetzen kann. Schöne Begriffe, die ungefiltert ausdrücken, was man fühlt“, schwärmt die Bassumerin. „Denn Plattdeutsch ist vielfältig und so viel mehr als Klamauk und Humor.“

Und Callaghan wiederum möchte so viel mehr tun als ein Kinderbuch zu schreiben, um die Sprache weiter zu verbreiten. Die Ideen sprudeln nur so aus der Bassumerin hervor: „Ich darf künftig Werke der Poetry-Slamerin Julia Engelmann übersetzen. Denn das sind ebenfalls Texte, mit denen sich auch junge Leute befassen. Außerdem habe ich mir Übungen und Rätsel für Kinder überlegt, in denen es darum geht, das richtige Wort zu finden. Dabei arbeite ich unter anderem mit bekannten Sprichwörtern wie ,Unkraut vergeht nicht’. Das können die Kinder verstehen, ohne plattdeutsch beherrschen zu müssen.“ Zudem hat sie Ideen für Spiele, wie ein Memory auf Platt, das sie zusammen mit ihrem Sohn entwickelt, und ist in zwei Facebookgruppen (Plattdeutsches Institut und Plattdeutsch Sassik Spraak) aktiv, wo sie sich mit Gleichgesinnten austauscht und auch kurze Texte und Gedichte veröffentlicht.

Papa Wilhelm Kappelmann lauscht den Ausführungen seiner Tochter und wirkt zufrieden, dass er so eine würdige Nachfolgerin für sein Herzensprojekt gefunden hat. „Ich bin froh, dass sie das macht“, sagt der Bassumer und strahlt.

Von Julia Kreykenbohm

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