Treckerenthusiasten blicken auf gut gefüllten Veranstaltungskalender

Philosophie: Ausgeprägte Patina

Die stählerne Dieselarmada ist nach dem Überwintern in einer Scheune fit gemacht worden. In den kommenden Monaten werden sie zahlreiche Kilometer zurücklegen. Fotos: Ulf Kaack

Bassum - Von Ulf Kaack. Nicht nur Pflanzen und allerlei Getier leben auf, wenn die erste Frühlingssonne das Land erwärmt. Auch die Freunde historischer Landmaschinen kommen mit blasser Haut aus ihren winterlichen Schrauberhöhlen und freuen sich auf die nun beginnende Saison für ihre Oldtimertraktoren.

Sie nennen sich die Schlüsseljungs: Eine lockere Truppe von Treckerenthusiasten aus Kastendiek, ganz im Norden Bassums an der Grenze zu Stuhr. Auf einem ehemaligen Gehöft mit professionell ausgestatteter Werkstatt haben die rund zwei Dutzend Frauen und Männer ihre Basisstation. Dort überwintert ein großer Teil ihrer Flotte: Deutz, Fendt, IHC, Fahr …

Nach Feierabend herrscht auf dem Gelände hektische Betriebsamkeit. „Mit dem Oldtimertreffen bei der Alten Ziegelei in Twistringen steht in Kürze, am 27. und 28. April, das erste und gleichzeitig größte Oldtimerevent für alte Ackerschlepper hier in der Gegend vor der Tür. Und darauf müssen wir natürlich vorbereitet sein.“

Die Schlüsseljungs von Carsten Uerkvitz (vorne rechts) sind bereit, um in alle Richtungen zu Traktortreffen auszuschwärmen.

In den Wintermonaten haben die Schlüsseljungs an ihren Treckern geschraubt. Dabei verfolgen sie konsequent ihre eigene Philosophie: Technisch müssen die Schlepper tipptopp in Ordnung sein. Optische Verschönerungen sind weitgehend tabu, denn das alte Blech soll authentisch daherkommen, das absolvierte Arbeitsleben der Maschinen reflektieren.

„Manchmal werden wir freundlich belächelt, wenn neben uns auf den Treffen die Besitzer mit hochpolierten Schleppern quasi im Neuzustand einparken, aber das sind zwei Sichtweisen, die beide ihre Daseinsberechtigung haben: Bis ins Detail restauriert oder eben wie wir mit ausgeprägter Patina“, sagt Carsten Uerkvitz, der Gründer und Käpt’n, wie man ihn nennt, der Schlüsseljungs. Auch ihre kultigen Bauwagen, hergerichtet zu mobilen Sozialräumen, haben sie in den vergangenen Tagen blitzblank gewienert und technisch noch mal durchgecheckt. Es kann also losgehen.

„Nach dem Termin in Twistringen haben wir das zehnte Oldtimertreffen mit Handwerker- und Bauernmarkt am 11. und 12. Mai in Ridderade im Kalender“, sagt Carsten Uerkvitz. „Das ist eine Nummer kleiner, aber auch immer sehr familiär und kameradschaftlich. Da muss man dabei sein, wenn man von hier kommt.“

Am Himmelfahrtstag steht den Rost- und Dieselenthusiasten ein etwas andersartiges Event ins Haus: In der Samtgemeinde Hoya findet am 30. Mai eine Vatertagstour für Oldtimertraktoren statt. Dort geht es nicht um Sehen und gesehen werden, sondern um das Essentielle des Hobbys, nämlich einfach nur Treckerfahren. Im vergangenen Jahr wurde diese Ausfahrt erstmals mit 50 Teilnehmern auf die Beine gestellt. In diesem Jahr sollen es deutlich mehr werden, wünschen sich die Veranstalter vom Dörpsverein Eitzendorf. Gestartet wird um 11 Uhr bei „De ole Schüün“ in Magelsen. Vier Stunden dauert die 30 Kilometer lange Tour durch die Landschaft der Hoyaraner.

„Für ein Treffen nehmen wir eine maximale Anfahrtsstrecke von 80 Kilometern in Kauf, alles andere ist zu stressig bei unserem Schneckentempo im Konvoi“, hat sich Carsten Uerkvitz festgelegt. „Gerade an der Kante liegt das Pfingsttreffen auf dem Backsberg bei Oyten vom 8. bis 10. Juni. Diese Veranstaltung ist Kult und findet auf 65 000 Quadratmetern Freifläche statt. Da trifft sich die gesamte norddeutsche Treckerszene.“

Ebenfalls noch in Schlagdistanz sind die Oldtimertreffen am letzten Juli-Wochenende in Severinghausen bei Neuenkirchen-Vörden, am 16. und 17. August in Vethem bei Walsrode sowie die Block-Land-Partie vom Heimatverein Blockland am 16. September im Nordwesten Bremens.

„Wer auf Motorsport steht, der sollte sich als Alternative zur Formel 1 mal Traktor-Pulling ansehen, eine richtig spannende Sache“, hat Carsten Uerkvitz noch einen Tipp auf Lager. „Die Traktoren ziehen eine Last in Form eines Bremswagens. Durch die Verlagerung des Gewichtsschwerpunkts darauf wird dem Schleppfahrzeug immer mehr Leistung abgefordert. Bis zum Zeitpunkt der Kapitulation des Motors, sprich bis er stehen bleibt. Sieger ist derjenige, der die längste Distanz hinter sich bringt.“

Zwei derartige Trecker-Treck-Events haben die Schlepper-Fans aus Kastendiek auf dem Zettel: am 30. Mai in Sudwalde vom Pullingteam Nienstedt & Umgebung sowie am 28. und 29. September in Twistringen bei Berni Diephaus auf dem Möhlenhof.

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