Viele Alternativen vorhanden

Pfandgeschirr für Außerhaus-Speisen bald Pflicht – kann das klappen?

Essen aus Plastikschüsseln soll bald der Vergangenheit angehören. Ab 2023 müssen Gastronomen ab einer bestimmten Betriebsgröße ein Mehrweg-System anbieten. Das Klima-Aktions-Bündnis unterstützt das und klärt über verschiedene Möglichkeiten auf.
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Essen aus Plastikschüsseln soll bald der Vergangenheit angehören. Ab 2023 müssen Gastronomen ab einer bestimmten Betriebsgröße ein Mehrweg-System anbieten. Das Klima-Aktions-Bündnis unterstützt das und klärt über verschiedene Möglichkeiten auf.

770 Tonnen Tag für Tag: So schwer wiegen die Einweg-Verpackungen für Essen zum Mitnehmen allein in Deutschland – Einwegschalen und -trinkbecher aus Styropor oder Kunststoff, die eine wahre Abfallflut befeuern. Genau das soll nach dem Willen des Gesetzgebers ein Ende haben: 2023 müssen Gastronomen ein Mehrweg-System als Alternative anbieten, wenn sie eine Verkaufsfläche von mehr als 80 Quadratmetern und mehr als fünf Mitarbeiter haben.

Landkreis Diepholz – Aber welche Optionen gibt es? Und welches System ist sowohl für Gastronomen als auch für Kunden optimal geeignet? Antworten will das Klima-Aktions-Bündnis Bassum-Syke-Twistringen geben – und hatte deshalb zu einem Informationsnachmittag 150 Einladungen verschickt. Doch außer vom Bassumer Bürgermeister und der Syker Bürgermeisterin hat Thomas Suermann als Sprecher des Aktionsbündnisses keine Anmeldung erhalten.

Eine große Enttäuschung, für die es aber Gründe gibt. Corona hat lange Schatten auf die Gastronomie geworfen. „Köche und Kellner gesucht“, lautet die Titel-Schlagzeile dieser Zeitung am Tag der Veranstaltung, die mangels Teilnehmern abgesagt werden musste.

Klima-Aktions-Bündnis verschickt 150 Einladungen ‒ nur zwei Bürgermeister sagen zu

Trotzdem sitzen an diesem Tag vier erfahrene Gastronominnen am Tisch im Gasthaus Zur Post in Neubruchhausen. In dem Wissen, dass die bisherigen Styropor-Verpackungen schon jetzt nicht mehr produziert werden. Nur noch Restbestände sind zu haben. „Es gibt schon Alternativen aus Zuckerrohr“, so Heike Wermke vom Gasthaus Friedrichs in Sudwalde. „Das Problem ist, dass man keine Flüssigkeiten einfüllen kann“, berichtet sie über ihren Test. Für Gerichte mit Soßen oder für Suppen sind diese Behältnisse also nicht geeignet. Außerdem seien solche Verpackungen aus kompostierbarem Material „dreimal so teuer“ wie die herkömmlichen.

Da muss auch McDonald‘s mitmachen.

Anne Meyer, Gasthaus Zur Post

Essen außer Haus – das hat sich in Corona-Zeiten etabliert. „Schnitzel, Burger und Currywurst sind sehr beliebt“, berichtet Erika Gehrken vom Twistringer Hotel Zur Börse. In Corona-Zeiten hätten sich die Menschen daran gewöhnt, Essen zu holen. Damit ist zwangsläufig ein gestiegener Verbrauch an Verpackungen verbunden.

Mehrweggeschirr muss stapelbar, stabil und gut zu reinigen sein

„Ein Pfandsystem wäre sinnvoll“, sagt Imke Riedemann von Gasthaus Ellinghausen in Wedehorn, „wenn viele Betriebe mitmachen“. Will heißen: Wenn die Kunden ihr Geschirr an vielen Stellen wieder eintauschen könnten. „Da muss auch McDonald’s mitmachen“, betont Anne Meyer als Chefin des Gasthauses Zur Post. Das Pfandsystem ist für sie nicht neu: Bei Konzerten zum Beispiel werden wiederverwendbare Plastikbecher gegen ein Pfand von 50 Cent ausgegeben – die Rückgabe funktioniert ohne Probleme.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Welche Ansprüche muss das neue Mehrweggeschirr nach den Erfahrungen der Gastronominnen erfüllen? Es müsse stabil sein und gut stapelbar, sagen die Fachfrauen – und es müsse in verschiedenen Ausformungen für verschiedene Gerichte zur Verfügung stehen. Außerdem müsse das Pfandgeld angemessen sein und die Frage der Hygiene eindeutig geklärt werden.

Zweifel an digitaler Lösung: Hoher Anteil älterer Menschen beim Außerhaus-Verkauf

Andree Meyer, Chef des Gasthauses Zur Post und Vorsitzender des Kreisverbands Grafschaft Hoya im Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, verweist auf die zuständigen Behörden. Er favorisiert eine ganz praktische Lösung: nach der Rückgabe noch einmal Reinigung im Geschirrspüler des gastronomischen Betriebes. Vom Vorschlag, das Rückgabe-System via App zu steuern, hält er nicht viel: „Etwa 80 Prozent derer, die sich das Mittagessen für Zuhause holen, sind ältere Menschen.“ Praxisreif sei das Ganze ohnehin noch lange nicht: „Da sind noch zu viele Unsicherheiten drin.“ Wenn die grundsätzlichen Bedingungen geklärt seien, „könnte ich mir probeweise ein regionales System im Dehoga-Verband vorstellen“, überlegt Andree Meyer.

Thomas Suermann vom Klima-Aktions-Bündnis hat sich intensiv mit dem Mehrweg-System beschäftigt und kann bereits mehrere Anbieter vorstellen. Zum Beispiel das System Faircup, das über Mitgliedsbeiträge mit Vertragslaufzeiten funktioniert – inklusive Rückgabe-Automaten. Oder das System Rebowl, bei dem sich die Kunden den Rückgabepfand via App aufs Handy laden und damit künftig neue Behälter „kaufen“ können. Ein System mit Rückgabeautomaten und App bietet auch Re-Circle an. In Bremen, so zeigt eine Karte, arbeiten schon mehrere Betriebe mit diesem System.

Dehoga thematisiert Mehrweg-Verpackungen auf Jahreshauptversammlung

Die Alternative Tiffin-Loop wirbt damit, dass ihr Nutzungsentgelt unter dem Preis für eine Einweg-Verpackung liegt. Relevo wiederum wirbt mit individuellen Produktfarben oder Aufdrucken, Vytal dagegen mit einer kostenlosen Ausgabe.

Die Gastronomen wollen das Thema auf die Tagesordnung ihrer Jahreshauptversammlung setzen, sich im September (Dehoga Grafschaft Diepholz) und November (Dehoga Grafschaft Hoya) mit Mehrweg befassen.

Aber schon jetzt bietet Thomas Suermann allen Interessierten Informationen über die einzelnen Systeme per E-Mail an: info@klima-aktions-buendnis.de

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