Verabschiedung am 29. Mai

Pastor verlässt Nordwohlde „mit schwerem Herzen“

Pastor Gerd Florian Beckert

Nordwohlde / Syke - Gerd Florian Beckert wird seine Pfarrstelle in Nordwohlde und Bassum verlassen und zum 1. Juni eine neue Stelle in einem anderen Kirchenkreis übernehmen. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung von Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder und Pastor Gerd Florian Beckert hervor.

„Ich gehe mit schwerem Herzen, weil ich mich in der Region und in den beiden Gemeinden sehr wohlgefühlt habe“, erklärt der 30-Jährige darin. „Aber angesichts der Geschehnisse in den vergangenen Wochen wäre eine unbeschwerte und erfolgreiche Weiterarbeit als Pastor in Nordwohlde und Bassum nicht mehr möglich. Es sind Wunden entstanden, die einen Neubeginn erfordern – sowohl bei Mitgliedern der Gemeinden als auch bei mir.“ Im Einvernehmen mit dem Landeskirchenamt habe er daher entschieden, seinen Probedienst auf einer neuen Stelle fortzuführen.

Die Kirchenleitung hatte Beckert vorübergehend beurlaubt, um gegen ihn erhobene Vorwürfe zu prüfen.

„Pastor Beckert hat Fehler gemacht. Die Überprüfung hat aber zu dem Ergebnis geführt, dass das beanstandete Verhalten keine dienstrechtliche oder strafrechtliche Dimension hatte“, äußert sich Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder in der gemeinsamen Erklärung. „Ich bin froh, dass Pastor Beckert seinen Probedienst nun fortsetzen kann, zumal die vielen positiven Rückmeldungen aus den Gemeinden deutlich machen, dass seine Arbeit hier von vielen sehr geschätzt wurde“, ergänzt der Superintendent.

„Dass Menschen mein Verhalten anders verstanden haben, als ich es gemeint habe, nehme ich ernst und es tut mir leid. Auch, dass in den Gemeinden nun Unmut entstanden ist, war und ist nicht in meinem Interesse.“ Daher sei er zwar dankbar für den großen Zuspruch und die Unterstützung aus den Gemeinden, wünsche sich aber nun, dass alle Beteiligten die Gelegenheit bekämen, wieder zur Ruhe zu kommen.

„Natürlich haben die Menschen in der Region ein großes Interesse und fragen nach. Aber ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich in dieser Sache nicht weiter öffentlich äußern werde“, erklärt Gerd Florian Beckert. „Um eine erfolgreiche Gemeindearbeit fortzuführen, bedarf es nun Verständnis und Verzeihung. Daher wünsche ich mir, dass die persönlichen Gefühle aller Beteiligten respektiert werden, um einen friedvollen Neuanfang zu ermöglichen.“

Am Sonntag, 29. Mai, um 9.30 Uhr wurde Pastor Beckert durch Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder im Rahmen eines offiziellen Abschiedsgottesdienstes in der Nordwohlder Kircheverabschiedet.

sdl

Die Vorgeschichte:

Vorwürfe gegen 30-jährigen Geistlichen: Nordwohlder Pastor beurlaubt

Lothar Dreyer übernimmt Vertretung

Nordwohlder sammeln Unterschriften: Beckert soll bleiben

700 Unterschriften für Pastor Beckert

Finale einer unseligen Geschichte

Ein Kommentar von Anke Seidel 

Bitteres Finale einer unseligen Geschichte: Pastor Gerd Florian Beckert verlässt seine Kirchengemeinden, obwohl mindestens 700 Bürger mit ihrer Unterschrift hinter ihm und seiner Arbeit stehen. Aber die Folgen einer „Unbedachtheit“, wie es im offenen Brief des Kirchenchores Nordwohlde heißt, haben am Ende ein vertrauensvolles, wertvolles Miteinander zwischen Pastor und Gemeinde zerstört. Sie haben einen Keil zwischen Menschen getrieben, die eines gemeinsam haben: Ihren christlichen Glauben und den Wunsch, das Bestmögliche zu erreichen. Aber ist das im elektronischen Kommunikationszeitalter überhaupt noch möglich, wenn sich Verdächtigungen schneller als der Schall verbreiten und Menschen im Schutz der Anonymität zu gnadenlosen Richtern werden? Wir leben in einem Rechtsstaat. Nach dessen Maßstäben steht zweifelsfrei fest: Pastor Beckert hat weder dienstrechtliche noch strafrechtliche Verfehlungen begangen. Wir leben leider auch in einer Klage- und Regress-Gesellschaft, in der zunächst immer das schlechteste Szenario – das Misstrauen – zählt, um rechtlich auf der sicheren Seite zu bleiben. Das beschädigt Menschen und setzt Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie es Pastor und Superintendent nun einmal sind, unter enormen Druck. Wen wundert es also, dass immer weniger Menschen Verantwortung übernehmen wollen? Der Kirchenchor hat das glücklicherweise getan und mit seiner Unterschriftenaktion bewiesen, worauf es wirklich ankommt: Ein klares Zeichen gegen Vorverurteilung zu setzen und einem geschätzten Pastor den Rücken zu stärken.

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