Schützen Hallstedt werden 100 Jahre alt

Partystimmung per Video: Vorstand schickt Grußpaket an Mitglieder und Hallstedter

1926: Hallstedter Schützen feiern ihr Schützenfest, sogar hoch zu Ross
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1926: Hallstedter Schützen feiern ihr Schützenfest, sogar hoch zu Ross. Dieses Foto ist das älteste, was sich im Besitz des Vereins befindet. Sie haben es auch für ihre Grußkarte verwendet.

Der Schützenverein Hallstedt wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Eine Feier gibt es coronabedingt nicht. Doch die Schützen lassen sich ihre gute Laune nicht verderben. Der Vorstand hat an alle ein Paket verschickt und ein Video hochgeladen.

Hallstedt – Neugierig stöbert Jens Dannemann in den Statuten seines Schützenvereins, die am 19. März 1921 bei der Gründung festgehalten wurden. „Paragraph eins: Der Zweck dieses Vereins ist ein geselliges Zusammensein und zum Zielschießen.“ Der Erste Vorsitzende schmunzelt. „Das trifft ja heute noch zu.“

Was allerdings nicht mehr so streng gehandhabt wird, ist der Strafkatalog, den die Hallstedter vor 100 Jahren aufstellten: „Fehlt ein Schütze ohne Entschuldigung beim Ausmarsch, bezahlt er fünf Mark. Wer seinen Posten unabgelöst verlässt oder denselben nicht zur rechten Zeit antritt, zahlt zehn Mark.“ Dannemann schaut zum zweiten Vorsitzenden, Arne Engelke-Denker, und scherzt: „Vielleicht könnte man über die Wiederaufnahme der Strafen noch mal reden?“

Hallstedter wollten auch das Kreisschützenfest ausrichten

Man merkt, die Hallstedter Schützen haben ihre gute Laune nicht verloren. Dabei hätten sie allen Grund dazu. Denn nicht nur, dass der Verein seinen 100. Geburtstag nicht feiern kann. Es wäre auch das Jahr gewesen, in dem Hallstedt das Kreisschützenfest ausgerichtet hätte. „Das ist für so einen kleinen Ort schon ein großes Brett“, beschreibt es Engelke-Denker. „Wir waren das letzte Mal 1986 Gastgeber.“

Aber die Schützen haben sich trotzdem etwas einfallen lassen, um etwas Feierstimmung zu verbreiten. Sie haben ein Video erstellt und auf Youtube hochgeladen. Außerdem bekamen Mitglieder und Hallstedter ein Jubiläumspaket. Darin lagen eine Grußkarte, eine Wimpelkette und ein Eichensetzling zum Auspflanzen. Mit den bunten Wimpeln sollen die Häuser fröhlich geschmückt werden. Und für den optimistischen Blick in die Zukunft, Ausdauer, Kraft und Stärke soll die Eiche stehen.

„Wir wollten damit auch ein Lebenszeichen absetzen, daran erinnern, dass es uns noch gibt“, betont Dannemann. Immerhin mache Corona seit über einem Jahr ein richtiges Vereinsleben unmöglich.

Diese Aktion kam bei allen super an. „Am nächsten Tag stand das Handy nicht mehr still“, freut sich Dannemann über das viele positive Feedback. Auch in Albringhausen und Neubruchhausen wehen ein paar der bunten Wimpel, weil nicht alle Mitglieder in Hallstedt wohnen. „Das hat uns gefreut, weil es auch ein Zeichen von Solidarität ist“, findet Engelke-Denker.

124 Mitglieder haben die Hallstedter Schützen heute. Als sie sich gründeten, waren es 19.

„Vier Jahre nach der Gründung haben sie die Fahne für 500 Rentenmark angeschafft“, weiß Dannemann. Sie befindet sich noch immer im Besitz des Vereins. Die wertvolle Königskette konnte hingegen über die Kriegswirren nicht gerettet werden.

Der Schießstand befand sich bis 1926 in Reinken’s Busch. Es wurde unter freiem Himmel geschossen. 1927 richteten die Schützen den Schießstand beim Gasthaus Harries in der Schweineweide ein. Und sie sind ziemlich standorttreu, denn das Vereinsheim befindet sich noch immer dort. 1999 wurde es lediglich vergrößert und mit dem Feuerwehrhaus verbunden.

Wenn 1927 eine Schießveranstaltung abgehalten wurde, musste der Feldweg, der bei Roshop in Richtung Tegges Scheune verläuft, durch ein Schild gesperrt werden: „Vorsicht, hier wird geschossen!“ Die Patronen, die zum Schießen benötigt wurden, stopfte der Schütze Heinrich Roshop – und hatte alle Hände voll zu tun, um die verschossenen Hülsen wieder mit Pulver zu versehen.

2021: Hallstedter Schützen feiern ihr Schützenfest – nur anders. Der Vorstand beim Ausliefern der Jubiläumspakete.

1963 kamen die Jungschützen hinzu, 1975 folgte die Damenabteilung. 2018/19 kaufte der Verein eine vollelektronische Schießanlage. „Damit sind wir technisch auf dem neuesten Stand“, so Dannemann.

„Wir sind ein Traditionsverein“, fasst Engelke-Denker zusammen. „Unsere Mitglieder sind rege, aktiv und Teil der Dorfgemeinschaft, die aus 200 Anwohnern besteht. Das haben wir daran gemerkt, dass uns auch viele Nichtmitglieder zum Jubiläum gratuliert haben.“

Das Besondere ist der Zusammenhalt

Das Besondere an den Hallstedter Schützen ist für Dannemann und Engelke-Denker der Zusammenhalt. „Man muss nur einmal die Buschtrommel aktivieren, schon kommen die Helfer, beispielsweise für das Schützenfest. Wir machen das seit zehn Jahren ohne einen Gastwirt. Der Zeltbauer, der uns das Zelt bringt, liefert uns nur die Teile, aufbauen tun wir selber. Er hat mal gesagt: ,Das klappt nur bei euch!’“. Aber auch der Vorstand, der im Durchschnitt Mitte 30 ist, sei etwas Besonderes.

Und welche Wünsche haben die Schützen für die nächsten 100 Jahre? „Dass wir unsere Jugendförderung bald wieder aufnehmen können, die vor Corona sehr gut angenommen wurde, auch von Bewohnern anderer Orte. Und natürlich hoffen wir, unser Vereinsleben wieder aufleben zu lassen und bald wieder ein Schützenfest feiern zu können, bei dem wir am liebsten ganz Hallstedt begrüßen würden. Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Dannemann und Engelke-Denker fügt hinzu: „Und natürlich freuen wir uns immer über neue Mitglieder, auch, wenn sie nur passiv dabei sein möchten.“

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