Urenkel planen seit zwei Jahren

Anni Tebelmann wird 100 Jahre - doch ihre Party muss ausfallen

Anni Tebelmann empfängt Gratulanten dieses Jahr nur an der Haustür.
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Anni Tebelmann empfängt Gratulanten dieses Jahr nur an der Haustür.

Stühren – Wie wird man 100 Jahre alt? „Viel frische Luft“, lautet Anni Tebelmanns Antwort auf diese Frage. Die rüstige Frau aus Stühren muss es wissen, denn sie geht jeden Tag an der frischen Luft spazieren und darf am Freitag ihren 100. Geburtstag erleben. Gern hätte sie diesen besonderen Tag mit ihrer Familie und den Freunden gefeiert, aber die Geburtstagsparty musste wegen der derzeitigen Coronalage abgesagt werden. Und auch die offiziellen Gratulanten können gute Wünsche und Präsente nur an der Haustür abgeben.

Dabei hatten sich alle schon lange auf diesen Tag gefreut, besonders die älteren fünf Urenkel haben ihm entgegengefiebert. Neele, Lea, Ben, Lotta und Henri planen seit etwa zwei Jahren eine Party mit der Uroma. Sie hatten vor, ihre Eltern zeitig nach Hause zu schicken. Der Plan war: „Irgendwann, wenn die Alten nach Hause wollen, feiern wir mit Oma Anni weiter bis in die Nacht.“

„Die Uroma ist sehr beliebt bei den Kindern“, berichtet Schwiegertochter Marlies Tebelmann. „Wenn unsere Enkelkinder bei uns sind, gehen sie immer zu Oma Anni rüber. Bei Oma Anni dürfen sie alles.“ So wurde die Uroma schon mal mit Verbandszeug eingewickelt oder ihre Küche beim „Backen spielen“ ordentlich eingemehlt. Wohlgemerkt: kein Problem für Anni Tebelmann.

Schon die fünf Enkelkinder Matthias, Arne, Verena, Tom und Laura durften die Großzügigkeit ihrer Oma erleben, nun genießen es die sieben Urenkelkinder, zu denen noch die beiden Kleinsten, Henry und Leonard, gehören. Leonard, gerade vier Wochen alt, ist fast 100 Jahre nach seiner Uroma geboren.

Diese erblickte am 18. Dezember 1920 als Anni Ohrdes in Stührens Ortsteil Strühe das Licht der Welt. Hier hat sie, abgesehen von einem Lehrjahr in Henstedt bei Syke, ihr ganzes Leben verbracht. Sie wohnt noch immer „op‘n Strühe“, wie man hier sagt, unter einem Dach mit ihrem Sohn Johann und Schwiegertochter Marlies.

Ihre Jugend, die Zeit vor dem Krieg, hat Anni Tebelmann positiv in Erinnerung. Als ältestes von drei Kindern durfte sie eine unbeschwerte Kindheit verleben. Sie, der Bruder und ihre Schwester gingen in Stühren in die Volksschule. Anni Tebelmann weiß noch, wie sie als Jugendliche mit ihren Freunden zum Tivoli gegangen ist. „Man durfte ja erst mit 18 Jahren in eine Wirtschaft gehen. Das Tivoli war eine alkoholfreie Wirtschaft, da durften wir rein und da gab es auch Tischfußball“, erzählt die Seniorin.

Der Zweite Weltkrieg beendete die sorglose Zeit. „Mein Bruder fiel kurz vor seinem 21. Geburtstag“, bedauert Anni Tebelmann. So kam es, dass sie später den elterlichen Hof übernehmen sollte.

Nach der Hochzeit mit Johann Tebelmann aus Groß Henstedt im Jahr 1947, führte das Ehepaar den Betrieb ihrer Eltern Friedrich und Anna Ohrdes weiter. Im Jahr 1955 wurde auf dem Hof ein neues Wohnhaus gebaut. 1947 kam Sohn Johann und 1956 Tochter Waltraud zur Welt.

Der Hof hatte alles, was damals zu einem Bauernhof gehörte: Kühe, Schweine, Hühner und Ackerland. Anni Tebelmann war für das Melken verantwortlich und kümmerte sich um den großen Gemüsegarten. Erbsen, Bohnen, Möhren – alles wurde selbst angebaut und eingekocht.

„Meine Mutter hat immer viel gearbeitet“, blickt Sohn Johann zurück. „Sie war nur einmal richtig krank. 1985 lag sie vier Wochen im Krankenhaus. Als sie wieder nach Hause kam, hat sie ihre Schürze vorgebunden und nie wieder abgemacht“, ergänzt Johann Tebelmann.

Noch heute schält und kocht die Hundertjährige jeden Tag Kartoffeln in ihrer eigenen kleinen Küche, die sie auch jeden Morgen ausfegt. Und auch die Zeitung lese sie mithilfe einer Lupe noch jeden Tag.

Ihrem Hobby, dem Handarbeiten, kann sie wegen der nachlassenden Kräfte aber nicht mehr nachgehen. Sie habe früher gern gestickt, gestrickt und gehäkelt, erzählt sie. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir Leinen gewebt haben, wir hatten einen Webstuhl mit Schnellschuss“, ergänzt die Seniorin. Ihre Mutter habe sogar noch gesponnen.

Ein paar Tage vor Weihnachten Geburtstag zu haben, sei immer doof gewesen, findet die Jubilarin. Aber nun sei es nicht mehr so wichtig. Sie habe alles und wünsche sich nichts.

Bleibt, ihr zu wünschen, dass sie ihre Geburtstagsfeier mit der Familie in einem Jahr zum 101. Wiegenfest nachholen darf.

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