Bürgerinitiative kritisiert Pläne der Firma M+S

Paralleler Sandabbau in Stühren in der Anfangszeit durchaus möglich

Aktuelles Abbaugebiet in Fesenfeld

Kätingen - Von Frauke Albrecht. „Von oben muss das Gebiet rund um Kätingen, Kastendiek, Gräfinghausen und Stühren aussehen wie ein Schweizer Käse. Ich würde sehr gerne mal eine Luftaufnahme sehen.“ Kirsten Janssen-Frauen, Anwohnerin und Mitglied der Bürgerinitiative Landschafts- und Umweltschutz Fahrenhorst-Nordwohlde, ist viel in der Natur unterwegs und beobachtet seit Jahren die Veränderungen vor ihrer Haustür mit zunehmender Sorge. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich die Firma M+S Transportgesellschaft, die dort in großem Umfang Sand abbaut.

Nun plant das Unternehmen erneut, einen riesigen Krater in den Boden zu reißen. „Dabei sind die anderen Löcher in der Umgebung noch nicht wieder hergerichtet. Warum bringt man nicht mal eine Sache zu Ende, und zwar richtig, bevor man eine weitere Baustelle eröffnet?“, fragt auch der Vorsitzende der BI Jürgen Schierholz. Die BI hat viele Fragen – eine ganze Liste aufgestellt.

Diese können sie in Kürze loswerden. Der Landkreis Diepholz lädt zu einem Erörterungstermin ein. Hintergrund ist die aktuelle Planung von M+S, in Stühren auf einer 34,5 Hektar großen Fläche Sand abzubauen (wir berichteten). Die Nettoabbaufläche beträgt etwa 29 Hektar, es entsteht eine Wasserfläche von 19 Hektar bei einer Tiefe von 22 Metern. Über einen Zeitraum von 20 Jahren sollen dort rund 4,9 Millionen Kubikmeter Sand abgebaut werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Hügelgrab.

Die Planunterlagen können noch bis zum 7. November bei der Stadt Bassum und beim Landkreis eingesehen werden. Einwendungen sind noch bis zum 22. November möglich. „Wir werden die Angaben sichten und dann zu einem Erörterungstermin einladen. Einen konkreten Termin kann ich aber noch nicht nennen“, erklärt Stephan Maas, Fachbereichsleiter Bauaufsicht und Städtebau beim Landkreis Diepholz.

Baugrube gegenüber der GAR in Kätingen

Die Sorgen kann er der BI nicht nehmen, wohl aber einige Antworten geben. Unter anderem darauf, ob es einen Parallelbetrieb geben wird. „Ja, das ist durchaus möglich“, so Maas.

Seit Jahren baut M+S in Fesenfeld Sand ab – ebenfalls im Nassabbau. Es ist bereits ein riesiger See entstanden. Maas: „Die Genehmigung für Fesenfeld I ist befristet bis zum 30. Juni 2027.“ In den Planunterlagen zu Stühren, die derzeit im Internet einzusehen sind, stehen auf Seite 17 konkrete Aussagen zu einem Parallelbetrieb. 

Dieser sei in der Anfangszeit durchaus möglich, heißt es. Denn so könne in Fesenfeld im Nassabbau und in Stühren im Trockenbau Sand abgebaut werden. Beide Sandarten unterscheiden sich, beide würden benötigt. Sandgewinnung an zwei Standorten bedeutet eine erhöhte Verkehrsbelastung durch Lastwagen, räumt Maas ein. Wann könnte es frühestens losgehen? „Der Antragsteller geht davon aus, 2020 in Stühren anzufangen.“

Fesenfeld I soll nach dem Abbau rekultiviert werden

Für das Gebiet Fesenfeld I gibt es nach dem Abbau Pläne für eine Rekultivierung. Dafür sei der Betrieb verpflichtet. Maas: „Wir werden die Einhaltung kontrollieren.“ Details dazu seien im Planfeststellungsverfahren von 2012 geregelt. Auch diese können beim Landkreis eingesehen werden.

Zwei weitere Gruben befinden sich in unmittelbarer Nähe: Fesenfeld II (auf der gegenüberliegenden Seite der Zufahrtsstraße) wird derzeit verfüllt. Die BI fürchtet, dass dort Material eingefahren wird, was da nicht hingehört. Maas: „Auch den Eintrag kontrollieren wir regelmäßig. Wir lassen uns die Analytik zeigen. Es darf nur unbelastetes Material verfüllt werden.“

Die Verfüllung könne noch einige Jahre in Anspruch nehmen: Fesenfeld III sei zu einem Drittel verfüllt, Fesenfeld II zur Hälfte.

Was dann passiert, steht ebenfalls im Planfeststellungsverfahren. Für die Grube Fesenfeld II seien Magerrasen und Gehölzbepflanzung an den Rändern vorgesehen, für Fesenfeld III Sukzessionsflächen und Eichen-Mischwald. Die Befürchtung der BI, dass sich später in großem Umfang der giftige Riesenbärenklau ansiedelt, wie bereits in der ehemaligen Köster-Grube in Kätingen kann Maas nicht zerstreuen: „Bis zur Rekultivierung wird es aber noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin haben wir eventuell neue Erkenntnisse, was die Bekämpfung angeht.“

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