Facebook-Gruppe „Bassum früher“ erinnert sich

Als Panzer durch Bassums Innenstadt rollten

Anfang der 1970er-Jahre in Bassum: Ein US-Panzer – vermutlich ein M 60 – biegt von der Sulinger Straße in die Bremer Straße ein. - Foto: Michael Hammer

Bassum - Von Ute Schiermeyer. Bassums Vergangenheit stößt auf reges Interesse. Die Facebook-Gruppe „Bassum früher“ zählt mittlerweile mehr als 1.000 Mitglieder. Diese durchstöbern ihre alten Fotoalben und posten regelmäßig historische Fotos, die für mehr oder weniger Diskussionen sorgen.

Derzeit erinnert sich die Community an die 1970er- und 1980er-Jahre, in denen in Niedersachsen regelmäßig große Manöver der britischen sowie der niederländischen Streitkräfte und der Bundeswehr abgehalten wurden.Diese militärischen Großübungen wurden auch regelmäßig im Bassumer Umland durchgeführt.

Riesige Militärkolonnen mit Lkw, Kleintransportern und Panzern bewegten sich auf Bundes- und Landstraßen. Diese Konvois fuhren oft nachts, wenn nicht so viele Zivilfahrzeuge unterwegs waren. Zu übersehen waren sie dennoch nicht, schon gar nicht zu überhören. Besonders für Kinder war das sehr spannend. „Wenn die Panzer an der Bahnhofstraße vor der geschlossenen Schranke standen, dann hat mein Bett immer gewackelt“, erinnert sich beispielweise Rita Justawitz. Sandra Jessica Merdon weiß: „Bei uns in der Küche war ein Riss in der Wand, der mit jedem Mal, wenn Panzer vorbeifuhren, immer länger wurde.“

Michael Hammer hat ein leicht verblasstes Foto beigesteuert: Es zeigt einen Panzer, der aus der Sulinger Straße kommend auf die Bremer Straße in Bassum einbiegt. Auf der damals stark befahren Ampelkreuzung, an der einst die Bundesstraßen 51 und 61 aufeinander trafen, steht ein Feldjäger und regelt den Verkehr.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Foto stamme aus Kriegstagen, aber das Auto, das direkt hinter dem Panzer fährt, weist auf die siebziger Jahre hin. Auch die Schaufensterfronten und die Kinder links im Bild bezeugen diese Zeit.

Hammer selbst schreibt: „Wir sind in der Nacht aufgestanden, um diese endlosen Panzerkonvois zu sehen.“ Andere Kinder der 70er- und 80er-Jahre, vor allem diejenigen, die etwas außerhalb wohnten, erinnern sich noch an die großen Camps der Soldaten.

Peter Voß hatte 1971 zwei britische Panzerbesatzungen nebst Panzern vor seinem Elternhaus stehen. Er weiß noch genau, dass er als Kind in das Innere eines Panzers einsteigen und sich die Bordmunition angucken durfte. „Das war der Hammer!“

Kinder tauschten Eier gegen Manöverration

Auch Manfred Scharf, Begründer von „Bassum früher“, hat Erinnerungen an diese Übungen vor seiner Haustür in Pestinghausen. Nachts wurde er von Militärkolonnen aus dem Schlaf gerissen, auf dem Weg zur Schule dann „traute ich meinen Augen nicht. Überall im Wald standen britische Fahrzeuge und Panzer, gut getarnt unter Tarnnetzen. Auch auf den Bauernhöfen. Überall liefen Stromaggregate, um den Funkverkehr aufrecht zu erhalten und die Feldküche mit Strom zu versorgen. Mann war das alles spannend!“

Einmal hätten ihm britische Soldaten olivgrüne Dosen mit Manöverrationen geschenkt. Drinnen befanden sich zwei dicke Tafeln Blockschokolade, Streichholzschachteln, die er damals sammelte, und Bonbons.

Diese kamen bei den Kindern so gut an, dass sie mehr davon haben wollten. „Am nächsten Tag sind wir wieder hin. Meine Mutter hatte mir Eier von unseren Hühnern mitgegeben, um sie bei den Briten gegen diese begehrte grüne Dose einzutauschen! Und es klappte auch“, berichtet Scharf.

Die Briten waren schnell wieder verschwunden. Zurück blieben Manöverschäden auf den Landstraßen und den Bauernhöfen, die die schweren Fahrzeuge verursacht hatten, für die die Gemeinden und Landwirte aber entschädigt wurden.

Heute gehören die großen Herbstmanöver mit vielen tausend Soldaten der Vergangenheit an. Seit dem Ende des Kalten Krieges sind die Truppen stark reduziert worden und Manöver finden heute überwiegend auf Truppenübungsplätzen statt.

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