Bassumer Bürgermeister-Kandidat im Interview

Oliver Launer spricht über Zeit in der Schill-Partei

„Ich stehe zu meiner Vergangenheit“: Oliver Launer ist offen für Nachfragen.
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„Ich stehe zu meiner Vergangenheit“: Oliver Launer ist offen für Nachfragen.

Auf Facebook wird Bassums Bürgermeister-Kandidat Oliver Launer auf seine Zeit in der Schill-Partei angesprochen. Im Interview mit der Kreiszeitung erklärt er, wieso er ein- und schon bald darauf wieder austrat.

Bassum – Oliver Launer möchte im September Bassums neuer Bürgermeister werden. Die erforderlichen 150 Unterschriften, die er für seine Kandidatur benötigt, hat er gesammelt und sich dafür auf Facebook bei seinen Unterstützern bedankt. Daraufhin erhielt er folgenden Kommentar: „(...) Und ich erwarte einfach auch Antworten, was aus Deiner Zeit als Kreisvorstand in der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, oft kurz Schill-Partei genannt, noch an Gesinnung da ist. Ich will ein neues Rathaus aber kein Braunes. (...) Wer so etwas Elementares wie die Mitgliedschaft und sogar den Vorsitz in einer rechtspopulistischen Partei verschweigt, ist mir zumindest suspekt.“ Was hat es damit auf sich? In einem Interview nimmt Launer dazu Stellung.

Herr Launer, ist es richtig, dass Sie Mitglied der Schill-Partei waren?

Ja, das ist richtig. Das ist meine Vergangenheit und zu der stehe ich. Die, die mich kennen, wissen davon. Ich habe es auch all denjenigen erzählt, die mir ihre Unterschriften gegeben und damit meine Kandidatur möglich gemacht haben. Außerdem muss man ja nur meinen Namen bei Google eingeben und bekommt schon entsprechende Ergebnisse.

Nun waren Sie nicht nur einfaches Mitglied, sondern sogar Kreisvorsitzender. Wie kam es dazu?

Die Schill-Partei feierte damals einen Wahlerfolg in Hamburg und wollte anschließend auch in Bremen etwas aufbauen. Ein Koordinator aus Hamburg lud zu einer Informationsveranstaltung ein und ich ging hin.

Warum?

Was mich reizte, war, dass es eine ganz neue Partei war, noch ohne Struktur und Programm. Ich arbeitete 2002 für die politischen Gremien des Wirtschaftssenators und wollte mich schon lange politisch engagieren, aber die etablierten Parteien holten mich irgendwie nicht ab. Bei der Schill-Partei hatte ich den Eindruck, mich dort voll entfalten und mitgestalten zu können. Ihr einziges Thema, das sie damals hatten, war die öffentliche Sicherheit. Doch das interessiere mich gar nicht so sehr. Ich wollte mich in Bereichen wie Wirtschaft und Bildung einbringen.

Nun ist die Schill-Partei als rechtspopulistische Partei bekannt geworden. Auf Wikipedia findet sich ein Beitrag, der sagt, dass die Partei die multikulturelle Gesellschaft ablehnte, ebenso den geplanten EU-Beitritt der Türkei.

2002 standen diese Themen noch nicht auf der Agenda. Die Schill-Partei sprach sich damals nur für schärferes Polizeirecht aus und härtere Urteile gegenüber Straftätern. So wie sie ihr Namensgeber, Richter Roland Schill, fällte. Das traf wohl bei vielen Leuten einen Nerv, daher der Erfolg der Partei. Mir ging es hingegen um etwas anderes, nämlich den Gestaltungsspielraum, den mir eine gänzliche neue Partei bot.

Wie ging es dann weiter?

Ich ging auch zu einem zweiten und dritten Treffen. Da hieß es dann, wir müssen nun einen Verband gründen. Damals waren wir rund 20 Mitglieder. Und weil ich Verwaltungserfahrung hatte, wurde ich vorgeschlagen und habe angenommen. Mein Arbeitgeber war darüber auch informiert und hat es akzeptiert. In Bremen wurde man dann schnell auf uns aufmerksam und immer mehr Mitglieder kamen hinzu. Der Spitzenwert lag bei 120. Doch leider wurde der Verband dann ganz schnell zu einem Sammelbecken für gescheiterte politische Existenzen. Sehr konservative, ältere Menschen kamen zu uns und brachten einen Rechtsruck rein, der nicht das war, was ich wollte. Ich vergleiche das mal mit der AfD. Als Bernd Lucke die Partei gründete, fuhr diese einen europakritischen Kurs. Was nun daraus geworden ist, ist etwas völlig anderes. Wenn man hört, dass jemand Mitglied in einer Partei war, sollte man vielleicht erstmal fragen, wann das war.

Wann sind Sie ausgetreten?

Etwa nach einem halben Jahr. Noch vor der Bürgerschaftswahl. Aber die Zeit dort hat mich geprägt. So stand für mich fest, dass ich nie wieder in eine Partei eintreten werde, weil man nie weiß, mit was für Menschen man da zusammenkommt. Und man weiß nie, wie die wirklich denken.

Als wir damals über Ihre Kandidatur sprachen und die Frage gestellt wurde, ob Sie schon mal in einer Partei aktiv waren, haben Sie mit Nein geantwortet.

Ich hatte das offengestanden nur auf die Bassumer Politik bezogen.

Nun kam das Ganze im Internet zur Sprache.

Was mich daran ärgert, ist, dass nicht das Gespräch mit mir gesucht wurde. Das hat mich getroffen. In dem Post wird mir unterstellt, ich hätte eine braune Gesinnung gehabt – und hätte sie vielleicht heute immer noch. Dagegen wehre mich, das war nie meine Gesinnung. Da ich keine öffentliche Diskussion im Internet wollte, habe ich versucht, den Schreiber zu kontaktieren, doch er hat mich überall geblockt. Ich stehe mit guten Gewissen zu meiner Vergangenheit und kann inzwischen sogar mit Humor darüber sprechen.

Auf Facebook wird Ihnen ja vorgeworfen, Sie hätten Ihre Mitgliedschaft verschwiegen. Diese wurde schon einmal im Netz thematisiert. Warum haben Sie sich dafür entschieden, dazu bisher kein öffentliches Statement abzugeben?

Weil ich es grundsätzlich vermeiden wollte, auf Facebook eine Diskussion anzufangen. Die werden schnell hässlich. In jedem Fall hätte ich diese Angelegenheit im Wahlkampf, der ja nun erst beginnt, zur Sprache gebracht und klar gestellt. Am liebsten in persönlichen Gesprächen. Da will ich den Leuten sagen, wer ich bin und wo ich herkomme.

Kommentar

Schon kurz nachdem Oliver Launer bekannt gab, er wolle als Bürgermeister kandidieren, kursierten Meldungen über seine Mitgliedschaft bei der Schill-Partei auf Facebook. Dass er sich auf dieser Plattform nicht dazu äußern wollte, ist nachvollziehbar. Wer schon einmal Diskussionen – vor allem politische – dort verfolgt hat, weiß, dass sie gern mal aus dem Ruder laufen. Launer hat aber seinerzeit auch kein anderes Medium gewählt, um Stellung zu beziehen.

Nun war er damals noch nicht offiziell Bürgermeisterkandidat, weil er noch gar nicht die erforderlichen Unterschriften beisammen hatte. Auch der Wahlkampf lag noch in weiter Ferne. Hätte er trotzdem sofort Stellung nehmen müssen? Nein. Wäre es besser und transparenter gewesen? Ja! Zumal er bei der Verkündigung seiner Kandidatur in der Kreiszeitung sagte, er sei nie Mitglied in einer Partei gewesen. Mit einer zeitnahen Reaktion hätte er den Menschen, die ihm nun vorwerfen, er habe etwas verschweigen wollen, gleich den Wind aus den Segeln genommen.

Von Julia Kreykenbohm

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