Team fährt dreimal am Tag die Ortschaften an – auch in den Ferien

Bürgerbus: „Ohne uns wären einige aufgeschmissen“

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Bürger fahren für Bürger. Hinter diesem Konzept stehen (v.l.) Dietmar Hübner, Thorsten Runge, Walter Israel und Wilfried Cornau.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Der Bürgerbus als Kontaktbörse? „Schon vorgekommen“, schmunzelt Thorsten Runge, erster Vorsitzender des Vereins. Er kennt zwei Ehepaare, die sich im Bürgerbus kennengelernt haben und seitdem miteinander befreundet sind. „Es kommt auch vor, dass uns jemand sein Herz ausschüttet. Vor allem die Älteren freuen sich über einen Plausch mit den Fahrern“, berichtet Wilfried Cornau.

Er steuert an diesem Morgen den Bürgerbus. Es regnet Bindfäden – viele Haltestellen sind verwaist. Normalerweise hat die Linie Bassum-Neubruchhausen die meisten Fahrgäste. „Aber nun ist Urlaubszeit“, so Cornau. Der Bürgerbus fährt trotzdem.

Vorstandsmitglied Dietmar Hübner führt Buch: „Im Monat haben wir rund 1100 Fahrgäste. – Was die Resonanz angeht, gehörten wir mal zu den zehn besten Bürgerbussen in ganz Niedersachsen.“ Ob das immer noch so sei, wisse er allerdings nicht.

Walter Israel, der ebenfalls zum Fahrerteam gehört, ist überzeugt: „Es gibt einige, die ohne uns aufgeschmissen wären.“ Wie aufs Stichwort steht an der nächsten Haltestelle, Feuerwehrhaus Eschenhausen, eine junge Frau mit zwei Kindern und Kinderwagen. „Ich müsste sonst zu Fuß laufen, um nach Bassum zu kommen. Ich habe kein eigenes Auto“, sagt sie. Das Rad falle als Transportmittel aus – „mit Kinderwagen ist das schlecht“.

Zu den Fahrgästen des Bürgerbusses zählen Schüler, Pendler, die zum Bahnhof wollen, viele Ältere, aber auch Umweltbewusste, die das Auto einfach mal stehen lassen. Israel: „Von 9 bis 90 ist alles dabei. Mütter bringen ihre Kinder an die Haltestelle und tragen uns Fahrern auf, wo die Kleinen aussteigen sollen. Auch viele Flüchtlingsfamilien, die in den Ortschaften wohnen, nutzen uns regelmäßig.“ Die Mitnahme von Kinderwagen und auch Fahrrad sei möglich.

„Das Streckennetz ist gut ausgeklügelt, wir decken fast alle Ortschaften ab“, erzählt Runge. Er ist seit der Vereinsgründung im Jahre 2008 durch den Grünen-Ratsherren Rainer Dambroth mit dabei, früher als Fahrer, heute als Vorsitzender. Zu Beginn war Ringmar noch im Streckennetz. Die Tour wurde aufgrund von Fahrgastmangel gestrichen. „Es macht keinen Sinn, ständig leer zu fahren“, so Runge.

1100 Fahrgäste im Monat

Der Bürgerbus startet um 7.45 Uhr vom Bahnhof und führt nach Bramstedt. Die zweite Strecke deckt Osterbinde, Eschenhausen, Albringhausen, Hallstedt und Neubruchhausen ab. Die dritte führt nach Nordwohlde, die vierte nach Helldiek. „Wir fahren die vier Routen drei Mal am Tag – morgens mittags und abends“, so Hübner.

Auf jeder Tour haben die Fahrer Gelegenheit, eine Toilette aufzusuchen. In Neubruchhausen ist das zum Beispiel an der Alten Oberförsterei möglich.

Erst zweimal hatte der Bus eine Panne. „Ansonsten fahren wir das ganze Jahr, sogar im Winter.“ Da kommen Kilometer zusammen – 1500 pro Woche.

Der Bus, mittlerweile der zweite, ist fünf Jahre alt und hat mehr als 370.000 Kilometer gelaufen. Im März wird er gegen ein neues Fahrzeug ausgetauscht. „Es hat unten an den Türen Glas, damit wir den Bordstein sehen können“, erzählt Israel.

Das wird auch nötig sein, denn der ZVBN plant, am Bahnhof Bassum die Haltestelle mit Hochborden auszurüsten, wir berichteten. Diese garantieren den Fahrgästen von Niederflurbussen zwar einen barrierefreien Einstieg, die Türen des Bürgerbusses aber stoßen beim Öffnen dagegen. Also halten die Fahrer Abstand, was wiederum dazu führt, dass die Fahrgäste eine Stolperfalle überwinden müssen. Verzwickt. Noch ist keine Lösung in Sicht.

Neuer Bus kostet 100.000 Euro

Was mit dem alten Fahrzeug passiert, steht noch nicht fest. „Wir überlegen, den Bus als Ersatz zu behalten. Die Achimer machen das und haben gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Runge.

Der neue Bus kostet 100.000 Euro. Die Landesnahverkehrsgesellschaft steuert 65 000 Euro bei. Den Rest teilen sich die Stadt Bassum, der ZVBN und der Verein. Früher habe auch der Landkreis das Projekt mit 10.000 Euro unterstützt. Mittlerweile sei die Förderung aufgehoben worden. „Schade“, bedauern Runge und Hübner.

Sehr zufrieden ist der Vorstand mit der Unterstützung durch die Stadt. Etwas mehr Solidarität würde sich Runge von den Bassumern wünschen. Der Verein zählt 30 Mitglieder. Das Konzept: Bürger fahren für Bürger hätte durchaus mehr Unterstützung verdient. 20 Fahrer sorgen dafür, dass die Bassumer an fünf Tagen in der Woche morgens, mittags und abends in die Innenstadt kommen.

Gerne dürfen es mehr werden. Weitere Fahrer sind dringend notwendig, um das Angebot langfristig aufrecht zu erhalten. Er oder sie sollte gerne Auto fahren und teamfähig sein. „Zur Belohnung gibt es viel frische Luft, nette Kollegen, viele Gespräche und zweimal im Jahr ein Grillfest – dann mit Fleisch satt“, grinst Hübner. Wer Interesse hat, kann sich an Thorsten Runge wenden unter Telefon 04241/5591.

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