Frauen aus Europa berichten über ihr Leben und Erfahrungen: Besonderes Frühstück mit Abgeordneter Gesine Meißner

„Ohne starke Verbindung geht gar nichts“

Moderatorin Kathrin Stern (Gleichstellungsbeauftragte Syke) mit Nicola Koß, Katrin Moser, Julja Liutikiene und Mette-Marij van der Wal (v.l.) bei der angeregten Diskussion.
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Moderatorin Kathrin Stern (Gleichstellungsbeauftragte Syke) mit Nicola Koß, Katrin Moser, Julja Liutikiene und Mette-Marij van der Wal (v.l.) bei der angeregten Diskussion.

Neubruchhausen - Von Dagmar Voss. Frauenfrühstück – Veranstaltungen dieser Art widmen sich in der Regel allgemeinen Lebensthemen und der Religion. Aber das war am Sonnabend im Gasthaus „Zur Post“ in Neubruchhausen ganz anders. Es ging nämlich um Politik, einerseits um die große in Brüssel und andererseits auch um die, die im alltäglichen Leben europäische Dimensionen hat.

Die Kreisverbände der Landfrauen (Grafschaften Hoya und Diepholz) sowie die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis hatten zu diesem Frühstück eingeladen mit dem Thema „Europa ist eine Frau“ – und gut 130 Interessierte waren gekommen. Zu dem frauenpolitischen Anteil Europas referierte zunächst – nach dem traditionellen Frühstück – die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner. Ihr sei die Lebensverbesserung des ländlichen Raums wichtig und dazu suche sie im Europaparlament immer wieder Mehrheiten. „Wenn man sich nicht stark verbindet, geht nichts“, so das Mitglied im Ausschuss für Transport und Tourismus. Beispielhaft schilderte sie, wie sehr sie um die strukturelle Versorgung des ländlichen Raumes kämpfe, auch wenn sie im Thema Tourismus stecke. Da sei der ländliche Raum genauso wichtig. „Je mehr wir uns zusammen tun, umso mehr können wir auch schaffen – denn schließlich sind wir die Mehrheit der Bevölkerung, kommen aber leider politisch nicht mehrheitlich vor.“

In der anschließenden Diskussion berichteten vier Frauen aus dem Landkreis, aber unterschiedlicher Herkunft, über ihren Alltag. Neben der Sykerin Katrin Moser, die über die Probleme als Alleinerziehende mit kommunalpolitischen Ambitionen berichtete, diskutierten Nicola Koß aus England, Julja Liutikiene aus Litauen und Mette-Marij van der Wal aus Holland.

Unterschiedlich sind die aktuelle Lebenssituation der vier Frauen und damit die Wünsche und Hoffnungen in Bezug auf Europa und ganz konkret das Leben vor Ort. Von besonders schrägen Erlebnissen erzählte die Niederländerin van der Wal. Da sie immer zwischen Utrecht und Drentwede pendelt, zwischen zwei Wohnsitzen und zwei Praxen, war sie mit dem unsäglichen Behördenverfahren in Berührung gekommen. Schließlich habe sie einen Brief vom Landkreis erhalten, der in einer äußerst unfreundlichen Formulierung quasi die Aufforderung zum Verschwinden enthielt. „Das ist in Holland ganz anders, da wird man freundlich und mit Respekt behandelt von der Verwaltung – es ist eine ganz andere Art des Umgangs.“ Das konnte die junge Litauerin bestätigen, die man aufgefordert hatte, sich innerhalb dreier Monate eine Arbeit zu suchen, sonst müsste sie zurück nach Litauen.

Bezahlbarer Wohnraum, einfache Umgangsformen für einfache Menschen, mehr Geld für die Kinderbetreuung und fachärztliche Versorgung vor Ort – so lauteten Wünsche für die Zukunft im Landkreis. Alle vier Frauen wollen aber trotz verschiedener Schwierigkeiten hier bleiben und erleben die dörflichen Gemeinschaften als positiv. „Man muss sich Netzwerke schaffen“, sagen sie.

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