So schön wie unter Corona nur möglich

Oberschule hat die Prüfungsphase hinter sich und verabschiedet Schüler

Das strenge Hygienekonzept an der OBS hat sich bewährt. 
Foto: Anne-Katrin Schwarze
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Das strenge Hygienekonzept an der OBS hat sich bewährt. Foto: Anne-Katrin Schwarze
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Samtgemeinde – Die wochenlange Sorge, ob und wie die Abschlussprüfungen geschrieben werden können. Unterricht zu Hause vorm Computer statt in der Klasse, angeleitet von einem Lehrer aus Fleisch und Blut. Keine Mottotage, an denen sich die Abgangsschüler verkleidet von ihren Mitschülern und der Zeit an der Oberschule (OBS) verabschieden. Kein Ball in feiner Garderobe – dieses Schuljahr geht an der OBS anders zu Ende als alle anderen zuvor. Ihre Zeugnisse erhalten die Neunt- und Zehntklässler jedoch während einer Feierstunde. „Uns ist es wichtig, unseren Schülern damit einen schönen Abschluss zu ermöglichen“, sagt Schulleiterin Natascha Rogge.

Blumen werden am Freitag das Forum schmücken, wenn die OBS 73 Zehntklässler und 15 Neuntklässler ins Leben schickt. Auf andere schöne Aspekte der an sich großen Zeremonie muss dieser Jahrgang allerdings verzichten. Es wird keine Musik- oder Tanzdarbietungen von Mitschülern geben, Gäste aus Politik, Verwaltung und Kirche sind nicht geladen, jeder Abgänger darf höchstens zwei Begleiter, in vielen Fällen die Eltern, mitbringen. So besonders der Anlass auch ist, Natascha Rogge hält an ihrem strikten und strengen Hygiene- und Abstandskonzept fest, das die Corona-Pandemie einfordert. Freitag wird es vier Abschlussveranstaltungen geben, damit sich jeweils nur die kleinstmögliche Anzahl von Menschen versammelt.

Die Entscheidung, die Schüler in dieser Form zu verabschieden, trage die gesamte Schulleitung sowie das Kollegium mit, betont Natascha Rogge. Gerade erst zwei Wochen ist es her, dass zwei Schüler der OBS positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren (wir berichteten). „Seitdem hat es keine weiteren Fälle gegeben“, erklärt die Schulleiterin auf Anfrage. Sie sehe ihr Konzept in dieser Ausnahmesituation bestätigt.

Seitdem der sogenannte Präsenzunterricht wieder stattfinden darf, sind die insgesamt 483 Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt. Jeweils nur eine halbe Klasse trifft sich im Gebäude, die anderen bekommen Aufgaben über ein spezielles Programm auf den heimischen Computer. In den Fluren herrscht Maskenpflicht, auf dem Pausenhof halten sich die Kinder- und Jugendlichen in vorgegeben Bereichen auf, wer das Gebäude betritt, desinfiziert sich unter Aufsicht die Hände. Verkehrshütchen erinnern zudem an den Abstand, den man zu einander halten soll. Und das seit dem Tag im Mai, an dem das Betreten der Schule wieder erlaubt war.

Um den Abschlussschülern die Sorge rund um das wichtige Abschlusszeugnis so weit wie möglich nehmen zu können, habe für sie der Unterricht drei Wochen lang nur noch in den Prüfungsfächern Deutsch, Englisch und Mathe stattgefunden. „Die Vorbereitung war dadurch vielleicht intensiver als in anderen Jahren“, sagt Natascha Rogge. Auch während der schriftlichen Prüfungen sei es bei den eingeteilten Lerngruppen geblieben. Nicht mehr als zwölf Jugendliche hätten gemeinsam in einem Raum gesessen, einige Gruppen seien nicht größer als vier Schüler gewesen. Drei Schüler, die zur Risikogruppe gehören, konnten ihre Prüfungen unter besonderen Schutzbedingungen jeweils allein unter Aufsicht ablegen. Mitte Juni führte die Schule die mündlichen Prüfungen in einem Hauptfach durch. Schüler konnten zudem freiwillig an einer mündlichen Prüfung in einem Nebenfach teilnehmen, um ihre Note zu verbessern. „Das haben einige genutzt.“

Um genügend Aufsichtskräfte für dieses aufwendige Modell zu haben, fiel an den Prüfungstagen der Unterricht für die Jahrgänge sieben bis neun aus.

„Einige Kollegen, die durchaus zur Risikogruppe zählen würden, kommen in dieser Zeit bewusst in die Schule, damit hier alles klappt. Dafür bin ich den Kollegen sehr dankbar“, lobt die Schulleiterin ihr Kollegium. Vier Mitglieder des Lehrkörpers stehen coronabedingt nicht zur Verfügung, auf die vier abgeordneten Kollegen von Gymnasium und Grundschule verzichte sie, „damit möglichste keine Durchmischung passiert.“ Damit arbeiten derzeit acht von 40 Kollegen nicht an der OBS.

Wie sich die Situation nach den Sommerferien ab Ende August darstellt, sei völlig offen. „Wir hoffen, dass der Pflichtunterricht dann wieder im Klassenverband stattfinden kann. Mit Abstrichen im Nachmittagsangebot könnte man leben“, meint sie. Nicht nur Eltern wünschten sich dringend einen geregelten Tagesablauf zurück, „auch Lehrer und Schüler vermissen eine gewisse Normalität“.

Obwohl sie sich nach all dem Hin und Her der vergangenen Wochen für ihre Kollegen und auch sich persönlich eine Pause mit Erholungswert wünsche, verzichte sie im Sommer auf einen Urlaub und werde für das Kultusministerium erreichbar sein. „Wir werden einen ,normalen‘ Stundenplan erstellen, sind aber vorbereitet, coronabedingte Vorgaben der Schulbehörde umzusetzen.“

Die Eltern seien darüber informiert, dass sie auf der Homepage der Schule mit den jeweils neuesten Informationen versorgt würden. Die Familien der kommenden Fünftklässler halte sie per Post auf dem Laufenden, ob und wie eine Einschulungsfeier geplant werde. „Manches werden wir erst kurzfristig entscheiden können und müssen flexibel sein. Aber das hat bisher ganz gut funktioniert.“ Der Schulelternrat habe ihr eine positive Rückmeldung zum Verlauf der vergangenen Wochen gegeben.

Jetzt aber stünden erst einmal die Schulabgänger im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Freitag wird Natascha Rogge sie von der OBS verabschieden. So schön, wie das in diesen Zeiten möglich sein wird.

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