„Unhaltbare“ Situation

Sozialarbeiter-Stelle an der Oberschule seit Monaten unbesetzt

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Schulleiter Cord Mysegaes spricht von Mehrbelastung, die ihn und seine Kollegen an die Grenzen bringt.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Als „unhaltbar“ bezeichnet Schulleiter Cord Mysegaes die derzeitige Situation an der Oberschule Bassum. Seit Monaten ist die Schulsozialarbeiterstelle vakant. „Die Kollegen versuchen, aufzufangen, was geht. Aber sie kommen an ihre Grenzen.“

Mittlerweile läuft das dritte Ausschreibungsverfahren. Es gibt mehrere Bewerber. Mysegaes hofft, endlich die Lücke schließen zu können, die Erika Stötzel hinterlassen hat.

Die beliebte Fachkraft ging vergangenes Jahr nicht ganz freiwillig – Mysegaes hätte sie gern behalten. Das war aber nicht möglich.

2016 traf das Land Niedersachsen die Entscheidung, die Kosten für sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen allein zu übernehmen. Damit sollten die Kommunen finanziell entlastet werden.

Das Problem war: Erika Stötzel ist bei der Stadt angestellt. Das Land hatte vor Jahren über das Hauptschulprofilierungsprogramm Schulsozialarbeit gefördert. Der Landkreis stellte die Bewerber aber nicht ein, das tat die Stadt. Die Verwaltung holte sich das Geld vom Landkreis zurück. Darüber hinaus stockte die Stadt die Stelle später auf (Niko-Projekt).

„Ich lasse doch keinen gehen, bevor ich nicht Ersatz habe“

Erika Stötzel wollte den Arbeitgeber nicht wechseln, auch aus finanziellen Gründen. Seit Januar widmet sie sich der Sozialarbeit an den städtischen Grundschulen. Der Landkreis als Schulträger der Oberschule schrieb die Stelle aus. Seitdem ist sie unbesetzt.

Mysegaes kritisiert, dass sich die Verantwortlichen nicht um einen besseren Übergang gekümmert haben. „Ich lasse doch keinen gehen, bevor ich nicht Ersatz habe.“

Warum die Position noch nicht wiederbesetzt ist? „Viele wünschen sich eine Vollzeitstelle“, weiß er aus Gesprächen. Als freiwillige Ganztagsschule steht der Oberschule nur eine Dreiviertelstelle zu.

Die Fachkraft fehlt an allen Enden und Ecken. „Täglich kommt es zu Unterbrechungen des Unterrichts“, erzählt Mysegaes. Von 45 Minuten Unterricht sei er 15 Minuten mit erzieherischen Maßnahmen beschäftigt. Das beeinträchtigt den Lehrplan und schürt Unzufriedenheit bei allen Beteiligten.

Die Aufgaben der Schulsozialarbeit an der Oberschule sind vielfältig. Einige Jugendliche hätten ein ordentliches Päckchen zu tragen. Manche leben in Wohngruppen, kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen. Es gibt zudem immer mehr Jugendliche mit Förderbedarf. Hinzu kommen die Kinder, die aus den Sprachlernklassen in die Regelklassen wechseln. Spannungen sind programmiert.

Auch keine pädagogische Mitarbeiterin

„Die Lehrkräfte tun, was sie können. Einige leisten erhebliche Kraftanstrengungen“, weiß Mysegaes. „Diese Mehrbelastung erreicht den Grenzbereich.“

Zusätzlich fehle Fachpersonal. Die Unterrichtsversorgung sei nicht ausreichend. „Stellen sind unbesetzt – vor allem in Naturwissenschaften, Mathe und Technik.“ Auch im Bereich Inklusion fehle Personal. „Wir haben aktuell 16 Förderschullehrerstunden, wir bräuchten das Vierfache“, sagt Mysegaes.

Als wäre der Mangel nicht schon groß genug: Im vergangenen Jahr gab es neben Erika Stötzel eine pädagogische Mitarbeiterin. Diese ist in Elternzeit gegangen. „Wir haben uns um eine Vertretung bemüht, genehmigt wurde aber nur eine Kraft im Nachmittagsbereich“, erzählt der Schulleiter. Wieviel Sinn es macht, wenn sich die Mitarbeiterin nicht mit den Lehrern vom Vormittag austauschen kann, bleibe dahingestellt. – Die Stelle ist ebenfalls noch nicht besetzt.

Der Schulleiter will aber nicht nur klagen: „Wir bekommen schon den Großteil unserer Stundentafel abgedeckt. – Und wir haben tolle Angebote am Nachmittag.“ Mysegaes nennt unter anderem die Mofa-AG, Robotik-AG, Tanz-AG, Spanisch, Sport, eine Zeitung-AG und musische Angebote. „Unser Ganztagsbetrieb funktioniert großartig. Auch die Berufsorientierung ist gut aufgestellt.“

Wesentlicher Pfeiler der Oberschule sei die Kompetenzfeststellung. „Wir bieten verschiedene Schulabschlüsse an. Es gibt zudem einen gymnasialen Zweig.“ Cord Mysegaes ist vom Konzept der Schule überzeugt: „Unser Kurssystem fördert die individuellen Talente.“ Vorausgesetzt, der Unterricht kann ganz normal stattfinden.

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