Nutzung noch offen

Her mit den Schnapsideen! Familie Gillner hat die alte Bassumer Kornbrennerei gekauft

Familie Gillner vor der Bassumer Kornbrennerei
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Familie Gillner vor ihrem neuen Projekt

Die Bassumer sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen, was aus der ehemaligen Kornbrennerei zu Füßen der Stiftskirche werden soll. Familie Gillner hat das Objekt gekauft und möchte es für die Stadt erhalten. Nun werden „Schnapsideen“ gesucht. Auf einer Facebookseite können Vorschläge gepostet werden.

Bassum – Gastronomie, Museum oder gar Wohnen? Die Bassumer sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen, was aus der ehemaligen Kornbrennerei zu Füßen der Stiftskirche werden soll. Das Gebäude ist verkauft und soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Familie Gillner hat das Objekt erworben und ruft nun zu einer Art Ideenwettbewerb auf: „Bassumer Schnapsideen“ sind gefragt. Auch die Geschichte von „Schnapsi“, wie Michael Gillner das Projekt spaßeshalber nennt, möchte die Familie aufarbeiten.

Die Kornbrennerei ist nie ganz leer geräumt worden.

Viel ist nicht bekannt. Das Fabrikationsgebäude mit Kesselhaus und Schornstein wurde vermutlich nach 1865 für die Branntwein-Herstellung erbaut. 1902 hat die Familie Christian Runge die Brennerei übernommen und bis zur Aufgabe des Betriebes 1987 fortgeführt.

Die Brennerei war immer in Familienbesitz. Der Letzte, der dort feinsten Trinkbranntwein, Doppel-Kümmel und Rumverschnitt gebrannt hat, war Herbert Czyganowski. Morgens wurde gebrannt, am Nachmittag fuhr er die Flaschen selbst aus, erinnern sich Zeitzeugen. Abnehmer waren Gaststätten in der Region, sogar in Bremen und Delmenhorst.

Seither ist es ruhig geworden um den Rotstein-Bau. Unterhaltsmaßnahmen sind seit der Betriebsaufgabe unterblieben. Und so dämmert das historische Gebäude seit Jahrzehnten vor sich hin – regelmäßig besucht von Tauben und einigen ungebetenen Gästen.

Michael Gillner hat schon lange ein Auge auf das Gebäude geworfen. „Ich fand es so schade, dass keiner es haben wollte“, sagt er. Als es vor knapp zehn Jahren zur Versteigerung stand, hatte er gehofft, dass es in gute Hände kommt. Vor allem aber in Bassumer Hände. „Dann hörte ich, dass Hartmut Pfeiffer das Haus gekauft hat“, erzählt Gillner. Er freute sich, denn er kennt Pfeiffer gut. Der Unternehmer wollte dort eine Oldtimergarage errichten. Doch er ist in den vergangenen Jahren nicht dazu gekommen, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Und so rankelte der Efeu weiter durch die Fenster.

Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz

„Wir haben uns oft über die Kornbrennerei unterhalten, und ich habe immer zu ihm gesagt: Wenn du das Gebäude nicht mehr haben willst, melde dich“, erzählt Gillner. Er war dann aber doch überrascht, als ihn Pfeiffer im vergangenen Jahr darauf ansprach. Er wolle das Grundstück samt Haus verkaufen. „Es gab auch Investoren aus Hamburg“, berichtet Gillner. Die hätten das kleine Schmuckstück abgerissen. Davon ist er überzeugt. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Lukrativ sei lediglich das Grundstück – zentral an der Kirchstraße gelegen.

Gillner sprach mit seiner Familie, denn ohne deren Zustimmung hätte er das Projekt nicht begonnen. Ehefrau Marion, Sohn Marvin und dessen Verlobte Alina waren sich schnell einig: Wir wollen das Haus erhalten, wir wollen es für Bassum erhalten.

Keine leichte Aufgabe, denn schon nach dem ersten Besuch war klar: Das wird Schweiß und Geld kosten.

Die Kornbrennerei hat die Familie aber bereits nach der ersten Besichtigung in den Bann gezogen. „Das ist wie eine Zeitreise“, beschreibt Marvin Gillner seine Gefühle. Zwar hängen die Spinnweben der vergangenen 35 Jahre von der Decke und der Taubendreck liegt in den oberen Etagen zentimeterdick auf dem Fußboden.

Die Brennerei ist nie ganz leer geräumt worden

Andererseits sind einige der alten Maschinen noch vorhanden, unter anderem der Brenner, Teile der Destillation, die Tanks sowie die Abfüllanlage mit alten Fässern und Flaschen. Auf einem Tisch liegt altes Werkzeug, in einem Pult finden sich verstaubte Auftragsbücher, und in den Regalen stapeln sich haufenweise noch die alten Etiketten „Bassumer Korn“ – feine Marke. „Wie der wohl geschmeckt hat?“, fragt sich Gillner.

„Das kann man doch nicht einfach wegschmeißen!“ Sogar der Kittel und der Hut des alten Brennmeisters Czyganowski hängen noch am Haken. Es scheint, als hätte er bloß die Maschinen abgeschaltet, seinen Kittel ausgezogen, den Hut an den Kleiderhaken gehangen und Feierabend gemacht.

„Tatsächlich war es auch so“, ist aus Familienkreisen zu hören. Die Brennerei ist nie komplett ausgeräumt worden. Was aber tun mit dem alten Inventar?

Bereits 2010 hatten sich Vertreter des Kirchenvorstands, der Stadt Bassum und sogar der VHS das Gebäude angesehen – auf Initiative von Äbtissin Isabell von Kameke. Sie hatte den damaligen Bürgermeister Wilhelm Bäker um Hilfe gebeten, Fördertöpfe ausfindig zu machen, um Mittel für das Projekt „Kornbrennerei für Bassum“ einwerben zu können. Entsprechende Nachforschungen verliefen allerdings im Sand.

Wer hat Nutzungsideen und Infos zur Geschichte?

Im Inneren ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist.
Rückansicht der alten Kornbrennerei an der Kirchstraße.
Blick in die obere Etage.
Erinnerungen an süffige Zeiten

Familie Gillner hat zwar schon vage Vorstellungen, ist aber noch offen für weitere Ideen. Deshalb hat Marvin eine Facebookseite erstellt. Jeder, der mag, darf und soll dort Einträge posten hinsichtlich der künftigen Nutzung, aber auch Infos zur Geschichte.

Kontakt

schnapsidee@gillner.eu

Facebook: Gruppe Bassumer Schnapsidee

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