Norbert und Ruth Tilger in Katenkamp betreiben Arche für bedrohte Tierarten

„Unser Hof ist unser Urlaub“

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Katenkamp - Von Maik Hanke. Kennen Sie den Bergischen Schlotterkamm? Wenn ja, gehören Sie zu den Letzten in Deutschland. In wenigen Jahren wird diese robuste alte Haushuhnrasse vielleicht niemand mehr kennen. Sie ist vom Aussterben bedroht. Es gibt nur noch ein paar Hundert Tiere in der Bundesrepublik. Fünf davon leben in Katenkamp bei Bassum auf dem Hof von Norbert und Ruth Tilger. Das tiervernarrte Ehepaar betreibt eine von bundesweit rund 250 Nutztier-Archen.

Seit Anfang des Jahres betreiben die Tilgers die Nutztier-Arche am Klosterbach, einen Zuchthof für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen. Ohne das Freizeit-Engagement von Menschen wie den Tilgers hätten viele Tierarten keine Zukunft.

„Alle zwei Wochen geht eine Nutztierrasse für immer verloren“, erklärt Norbert Tilger. Es sei ein „schönes Gefühl“, Tierrassen erhalten zu können. Tilger beklagt, dass es keine Lobby für die alten Rassen gebe, mit denen sich vermeintlich schlecht wirtschaften und wenig Geld verdienen lasse.

Die Tilgers haben sich auf alte Geflügelrassen aus Deutschland spezialisiert: Neben den Bergischen Schlotterkämmen haben sie noch die Ostfriesische Möwe, Lakenfelder, die Deutsche Pekingente und Cröllwitzer Puten. Außerdem hat Hobby-Imker Norbert Tilger seine Bienenzucht auf die Dunkle Biene umgestellt. Schweine-Liebhaberin Ruth Tilger freut sich über fünf – nicht bedrohte – Hängebauchschweine auf dem Hof, und einen Hund hat das Ehepaar auch noch.

Die Tilgers halten sich einen gewissen Stamm an Tieren. Alles, was darüber hinausgeht, müssen sie abgeben – am liebsten im Tausch an andere Zuchthöfe. Manchmal schlachten sie auch selber. „Sonst würd‘s nicht funktionieren“, sagt Norbert Tilger. Inzucht soll verhindert werden. Deswegen ist frisches Blut ab und an notwendig.

Viele Tiere werden aber bis ans Lebensende auf dem Hof bleiben. Dort ist genug Platz. Es geht den Tilgers schließlich nicht um die Wirtschaftlichkeit der Tiere. „Wegschlachten, weil sie nix mehr bringen – sowas machen wir nicht.“

Wenn es um Wirtschaftlichkeit ginge, könnten die Tilgers gleich dicht machen. Geld lässt sich mit der Arche eher nicht verdienen. Vielmehr muss das Ehepaar gucken, wie es seine Kosten deckt.

Tiere haben Hunger, und Hunger ist teuer. 450 Euro investieren die Tilgers im Monat in Futter. Das können sie sich leisten, weil beide berufstätig sind – er ist Instandhaltungsmeister bei einem Erdgasförderer, sie ist Betreuungskraft für Demenzkranke – und weil auch ein bisschen Geld durch den Honig-Verkauf hereinkommt. Unterstützung gibt es durch Lebensmittelspenden, etwa vom örtlichen Bäcker.

Regulärer Job plus Imkerei plus Arche – jede Menge Arbeit für die Tilgers. Aber ihren Einsatz auf dem Hof sehen die Tierfreunde eher als Ausgleich. „Wir brauchen keinen Urlaub. Unser Hof ist unser Urlaub“, sagt Ruth Tilger. „Wenn ich nach Hause komme und das Quaken, das Grunzen und das Bellen höre – einfach schön.“

Die Tilgers sind Mitglied in vielen Naturschutzvereinen wie BUND, Nabu und Peta. Bei Versammlungen werden sie regelmäßig mit der Roten Liste der bedrohten Tierarten konfrontiert. Und da sie sich sowieso Hühner anschaffen wollten, haben sie zu Beginn des Jahres angefangen, sich um gefährdete Rassen zu kümmern. Der Bergische Schlotterkamm gehörte zu ihren ersten Tieren.

Der Anfang war nicht ganz einfach. Im Frühjahr hat ein Fuchs im Blutrausch 20 Jungtiere getötet. „Es ist schlimm, wenn man morgens hinkommt, und die ganze Fläche ist voll von toten Tieren.“ Mittlerweile haben die Tilgers ihr Gelände besser gesichert – mit einem Elektrozaun und einem Netz. Nachts werden die Tiere eingesperrt.

Aber grundsätzlich können sich die Tiere auf dem Hof die meiste Zeit frei bewegen. Die Freifläche ist 2000 Quadratmeter groß. Und im kommenden Jahr wollen die Tilgers ihr Gelände noch ausweiten. Platz für ein paar weitere Tiere.

Ein paar Lakefelder sollen es noch werden. „Und dann mal gucken, was noch zu haben ist“, sagt Norbert Tilger. „Da wird garantiert noch etwas dazukommen.“ Damit diese Tiere auch in Zukunft nicht in Vergessenheit geraten.

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