Zahlreiche Angebote

Seniorenberatungsstelle: „Niemand muss in Bassum allein bleiben“

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Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum fühlt sich in Deutschland jeder Fünfte über 85 einsam.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Anna K. hat sich jahrelang um ihren pflegebedürftigen Mann gekümmert. Zeit, Hobbys oder Freundschaften zu pflegen, hatte die Seniorin nicht. Nun ist der Mann gestorben und sie steht alleine da. Da sie kein Mensch ist, der von sich aus auf andere zugeht, verbringt sie ihre Tage vor dem Fernseher, obwohl sie eigentlich gern mal wieder unter Leute möchte.

Menschen wie Anna K., die wie in diesem erdachten Beispiel in Einsamkeit leben, gibt es immer öfter. So viele, dass CDU und SPD auf Bundesebene fordern, im Gesundheitsministerium eine Stelle zu schaffen, die sich des Themas annimmt, wie es in Großbritannien bereits passiert ist.

Würde Anna K. in Bassum leben, hätte sie viele Möglichkeiten, aus ihrer Isolation herauszukommen, denn in der Gemeinde ist die Palette an Angeboten groß, dank Stadt, Kirche und Vereinen, weiß Ursel Born von der Seniorenberatungsstelle. Sie hat gerade die Tische in der ehemaligen Apotheke an der Alten Poststraße abgeräumt, an denen eben noch gefrühstückt worden ist. Nur eines der vielen Angebote, die die Beratungsstelle macht. 

Kostenlose Anbegote

„Wir haben unter anderem eine Mal-, Englisch-, Gehirnjogging-, Stuhlgymnastik- und Doppelkopfgruppe“, zählt Born auf. Die Teilnehmer sind zwischen 50 und 95 Jahren alt. Und da die Beratungsstelle von der Stadt finanziert wird, ist alles kostenlos. Ein wichtiger Aspekt, denn eine niedrige Rente begünstigt oft die Einsamkeit, weil sie Teilhabe unmöglich macht.

Ursel Born 

Und obwohl die Angebote viel Zulauf haben, nimmt die Zahl der einsamen Menschen zu, glaubt Born. Meist, nachdem der Partner gestorben und die Kinder weggezogen sind. „Die Großfamilien gibt es nicht mehr und die Menschen kümmern sich häufig nur noch um sich selbst.“ Wer erst mal in die Einsamkeitsfalle geraten sei, komme nur schwer von selbst wieder raus. 

Ein Grund könne Scham sein. Wer gibt schon gern zu, dass er einsam ist? Ein anderer sei die Angst davor, zum ersten Mal alleine ein Angebot zu besuchen. So sitzen viele lieber vor dem Fernseher oder dem Laptop, aber: „die sprechen auch nicht mit mir“, so Born. Auf diese Weise verlernten die Menschen den Umgang miteinander, kämpften mit Problemen, über die sie lieber sprechen sollten.

Schon ein kurzes Gespräch kann helfen

Die einzige Hilfe sei oft ein aufmerksames Umfeld. Was können Außenstehende tun? „Bei einem Nachbarn kann schon ein kleines Gespräch viel bewirken“, sagt Born. Ein „Hallo, wie geht es Ihnen? Was haben Sie heute so gemacht?“ könne ein Anfang sein. Äußert der Gefragte Probleme, vielleicht beim Einkaufen, könne man Hilfe anbieten. „Die meisten freuen sich darüber und sind sehr dankbar.“ Viele Leute trauten sich nicht, Hilfe anzubieten, weil sie Angst hätten, dann ständig vereinnahmt zu werden. „Aber da muss man klare Grenzen setzen.“

Um einen Menschen dabei zu unterstützen, den Weg in ein Angebot zu finden, ist es oft hilfreich, die ersten Male mit ihm dort hinzugehen, bis er erste Kontakte geknüpft hat. Meist gehen die Leute danach allein. „Manchmal entstehen dort Freundschaften, mit denen die Leute außerhalb der Gruppe etwas unternehmen“, so Born.

Einfach mal Klönen und Kaffee trinken

Wer noch gar nicht weiß, was ihm Spaß machen könnte oder einfach nur klönen will, ist in der Seniorenberatungsstelle richtig. „Die Leute müssen kein konkretes Anliegen haben“, sagt Born. „Meine Kollegin und ich haben immer ein offenes Ohr. Die Gäste können ohne Anmeldung vorbeikommen, dann trinken wir einen Kaffee, und manchmal kommt bei dem Gespräch heraus, was sie brauchen. Der eine erzählt vielleicht, dass er gern Karten spielt. Dem schlage ich die Doppelkopfrunde vor. Die andere berichtet vom Verlust ihres Mannes und ich frage sie, ob sie mal zum Trauercafé kommen möchte.“

Wer nicht mobil ist, kann anrufen, denn Born macht auch Hausbesuche oder organisiert einen Fahrdienst. „Niemand muss in Bassum allein bleiben“, sagt sie. „Die Leute müssen sich nur trauen, sich zu melden. Dann erfahren sie, dass es vielen genauso geht wie ihnen.“

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