Nick Flechtner aus Bassum plant ein Soziales Netzwerk/Alternative zu Facebook

Vertrauen und Transparenz statt des Daten-Kraken

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Mit Computern kennt sich Nick Flechtner aus.

Bassum - Von Jan Schmidt. Facebook – das größte Soziale Netzwerk mit mehr als 1,4 Milliarden Nutzern –, nichts weiter als ein Auslaufmodell? Das zumindest behauptet Nick Flechtner aus Bassum. Der 20-jährige auszubildende IT-Systemelektroniker kritisiert die „zahlreichen Verstöße“ des Unternehmens gegen das deutsche Datenschutzrecht. Er möchte den Nutzern eine echte Alternative zum amerikanischen Giganten bieten.

„Meine Version soll Spaß machen, kommunikativ sein und vor allem durch Transparenz überzeugen“, erklärt der aufstrebende Programmierer. Ehrlichkeit und Vertrauen stünden für ihn an erster Stelle – bei Facebook sei es genau andersherum. „Man könnte sagen, dass der größte Vorteil von Facebook auch gleichzeitig der größte Nachteil ist“, so Flechtner. Das Soziale Netzwerk wolle cool sein. Dies gelinge in erster Linie durch die kostenlose Nutzung – allerdings nur, solange sich die Verbraucher nicht allzu sehr mit dem Geschäftsmodell hinter dem Portal befassten.

Die Plattform finanziere sich unterschwellig über personalisierte Werbung. Viele Nutzer wüssten darüber mittlerweile Bescheid. „Geht es um persönliche Daten, sind die Menschen sehr sensibel.“ Darüber hinaus hätten Skandale wie die Snowden-Enthüllungen zu immer größerer Ablehnung gegen das Soziale Netzwerk geführt.

„Facebook kooperiert nicht nur mit zahlreichen Werbepartnern weltweit. Die Daten werden auch an verschiedene Organisationen, unter anderem die NSA, weitergegeben“, so Flechtner. Für besonders bedenklich hält er jedoch die nicht vorhandene Verschlüsselung. Da auch Suchmaschinen wie Google auf die Facebook-Daten zugreifen, sei es quasi nicht möglich, ein Foto, das einmal hochgeladen wurde, wieder aus dem Netz zu entfernen.

Alle enttäuschten Facebook-Nutzer sieht er als potenzielle Interessenten für seine Alternative. Für diese gibt es bereits konkrete Pläne: „Ich würde auf jeden Fall ein 256-Bit-SSl-Verschlüsselungssystem nutzen“, verrät Flechtner. Die Herausgabe privater Daten wolle er auf ein Minimum beschränken. Allerdings müssten sich die Nutzer mit Vor- und Nachnamen sowie mit einer verifizierten E-Mail-Adresse anmelden. „Das liegt einfach daran, dass kriminelle Handlungen zugeordnet und zurückverfolgt werden müssen.“

Mit der Polizei und anderen Strafverfolgungsbehörden wolle er gerne zusammenarbeiten, wenn nötig werde er auch die kompletten Datensätze zur Verfügung stellen. Abgesehen davon, dürften keine weiteren Institutionen, Behörden oder Firmen auf die Daten zugreifen, versichert Flechtner.

Ähnlich wie beim unliebsamen Marktführer Facebook, wünscht sich der 20-Jährige eine News-Rubrik für die Startseite seines Netzwerkes. Geplant sind weitere Standard-Funktionen wie ein Nachrichtendienst, ein Online-Kalender oder die Foto-Galerie. Letztere werde auf das Plugin für Google-Analytics verzichten. „Das bedeutet, dass Suchmaschinen nicht an die hochgeladenen Bilder herankommen.“ Diese befänden sich dann ausschließlich auf Flechtners Server.

Er freue sich über jeden, der ihm Vertrauen schenke, sagt er. „Die Nutzer können sich sicher sein, dass ich immer ehrlich bin.“ Bedeutet: Sollte es tatsächlich einmal zu Sicherheitslücken kommen – beispielsweise durch einen Hacker-Angriff auf die Daten –, setzt Flechtner auf totale Transparenz. „Natürlich wird es am Anfang noch die einen oder anderen Probleme geben – hoffentlich keine großen“, sagt er.

Nachdem es für den jungen Bassumer in der Vergangenheit private Schwierigkeiten gegeben hatte, soll es nun mit dem Projekt vorangehen. In einigen Monaten könnte die erste Version des Netzwerkes online gehen. Einen Namen hat Flechtner bislang dafür noch nicht.

Ebenfalls wird er sich noch mit der Frage der Finanzierung auseinander setzen müssen: „Qualität hat ihren Preis, das ist mir durchaus bewusst“, sagt der 20-Jährige. Sowohl eine Crowdfunding-Kampagne als auch der Aufruf zu Spenden hätten bisher nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Dabei bräuchte es für den Start kein allzu großes Budget: Etwa 9000 Euro würden schon ausreichen, damit ein kleiner Rack-Server online gehen könne, schätzt der junge Mann. Im Hinterkopf plant er weitere Kosten für Hardware, Software, Betriebssystem-Programme, Lizenzen und Zertifikate.

Wer das Projekt unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, Nick Flechtner privat eine E-Mail zu schreiben:

nick.flechtner@aol.de

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