Dank an Ärzte und Pfleger

Jürgen Wedekind: „Nicht ein Schimpfwort ist über ihre Lippen gekommen“

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Jürgen Wedekind ist den Mitarbeitern der Krankenhäsuer dankbar.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Jürgen Wedekind will gerade den Esstisch abräumen, als es passiert: Von einer Sekunde auf die andere hat er kein Gefühl mehr im linken Bein. „Als wäre es gar nicht mehr da“, erinnert sich der Bassumer an den Vorfall, der nun drei Jahre zurückliegt.

Er stürzt und schlägt mit dem Hinterkopf auf die Tischkante. Unter wahnsinnigen Schmerzen robbt der 68-Jährige zum Sofa, will hinaufklettern und sich hinlegen. Keine Chance. Seine Frau Ute ruft den Rettungsdienst. Wedekind liegt da und hat Angst. Vor 13 Jahren hat er eine neue Hüfte im Bremer Klinikum Links der Weser bekommen und fürchtet, sie könnte rausgerutscht sein.

Sieben Minuten später ist der Rettungsdienst da. Es sind vor allem die Worte der Nothelfer, die ihm in dieser Situation guttun: „Es ist bald wieder besser, wir kriegen das hin.“ Die Sanitäter nehmen ihn mit. Was Wedekind nicht wissen kann: Es ist der Beginn eines Leidensweges, der bis heute andauert. Doch darum geht es dem Bassumer gar nicht.

Seit mehr als drei Jahren in Behandlung

Der 71-Jährige sitzt am Tisch, vor sich ein paar beschriebene Seiten. Er hat sich vorbereitet. Man merkt, wie wichtig ihm sein Anliegen ist. Seit über drei Jahren ist der Kassenpatient in ärztlicher Behandlung, musste viele Operationen über sich ergehen lassen. 

Zuvor hat er 2010 schon mal eine Lungenembolie überstanden. Verbittert ist er deswegen nicht. Stattdessen möchte er all den Menschen Danke sagen, die ihm in den wohl dunkelsten Stunden seines Lebens beigestanden haben: den Ärzten, Rettungskräften, Pflegern und Schwestern in den zwei Kliniken des Landkreises Diepholz, Bassum und Sulingen. 

„Ich lese und höre viel Geschimpfe über unfreundliche Ärzte oder überfordertes Pflegepersonal. Ich habe in all den Jahren bis auf zwei Ausnahmen durchweg freundliche und engagierte Menschen erlebt, die einen tollen Job machen. Und ich finde, das muss auch mal gesagt werden“, so Wedekind.

Siebenstündige Operation

Als er nach seinem Sturz nach Sulingen gebracht wird, stellen die Ärzte fest, dass ein massives Eisenrohr seiner Hüftprothese gebrochen ist. „Der Arzt sagte zu mir, wenn ich in den USA leben würde, wäre ich jetzt ein reicher Mann“, erinnert sich Wedekind schmunzelnd.

Als er nach siebenstündiger OP wieder zu sich kommt, fällt er ins Delirium. „Ich sah mich in einer Garage und glaubte, die Pfleger wollten mir meine Organe entnehmen. Dazu sprangen Teufel herum“, erzählt Wedekind. Was lustig klinge, sei die schlimmste Erfahrung seines Lebens gewesen, die bis heute nachklingt.

Was er in dem Zustand alles getan und gesagt hat, weiß er nicht – doch dafür, dass die Pfleger sich toll verhalten hätten. „Nicht ein Schimpfwort ist über ihre Lippen gekommen, obwohl ich mir alle Kabel herunterriss und das Blut aus dem einen Schlauch nur so spritzte.“

Nach zwei weiteren Eingriffen und einer Reha darf er nach Hause, bis 2016 wieder Symptome auftreten. 2017 wird er erneut operiert.

Schwerer Bandscheibenvorfall

Als er einige Zeit später wieder starke Schmerzen bekommt, ruft seine Frau den Notarzt: „Der Mann in der Leitstelle war so klasse“, schwärmt Wedekind: „Er hat meine Frau toll beruhigt. Ich bewundere, was die Leitstelle so alles stemmen muss. Ich kann gar nicht verstehen, dass sich Leute darüber beschweren, und denke, ich darf mir dieses Urteil erlauben, weil ich die 112 schon mehrmals in Anspruch nehmen musste.“

Wedekind wird ein schwerer Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Eine OP ist unumgänglich, da sonst der Rollstuhl droht. Die Ärzte und das Pflegepersonal hätten ihm vor dem Eingriff viel Mut gemacht. Auch nach dem Eingriff sei er zuvorkommend betreut und umsorgt worden. „Ich hatte Hunger, durfte aber eigentlich noch nichts essen. Die Schwester schlug mir eine Scheibe Weißbrot mit Marmelade vor. Als ich scherzte, dass ich gern zwei hätte, lächelte sie und brachte mir dann tatsächlich zwei mit verschiedenen Sorten Marmelade.“

Hoffentlich zum letzten Mal operiert

Wedekind hat in dieser Zeit auch viel mit den Pflegekräften gesprochen. Auch über Gewalt in Krankenhäusern. „Ist Ihnen so etwas schon mal passiert?“, fragte er eine Schwester. „Schon drei mal“, antwortete sie. „Es hat mich erschüttert“, sagt Wedekind. Ebenso, wenn er beobachtete, wie andere Patienten sich teilweise gegenüber dem Personal aufführen. „Ein Mitte Achtzigjähriger war mit überhaupt nichts zufrieden und beschimpfte die Schwestern. Das tat mir leid.“

Vor rund zwei Wochen ist Wedekind zum letzten Mal operiert worden. „Mir geht es jetzt gut, aber lange kann ich noch immer nicht laufen“, sagt der 71-Jährige, der ein stützendes Korsett trägt. Die Ärzte vermuten, dass es noch zwei Jahre dauern wird, bis alles wieder in Ordnung ist.

Doch statt sich deswegen zu grämen, ist er dankbar für all die Menschen, die da waren, als es ihm schlecht ging. „Klar hat jeder mal einen schlechten Tag, aber alles in allem machen sie eine großartige Arbeit“, findet Wedekind.

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