Fahrradsicherheitstraining für Flüchtlinge

Nicht ohne meinen Helm

Vor dem Start in die Übungsstrecke gibt Thomas Gissing letzte Anweisungen. - Foto: Büntemeyer

Bassum - Von Heiner Büntemeyer. Das Fahrrad-Sicherheitstraining für Bassumer Flüchtlinge war am Mittwoch für alle Beteiligten eine angenehme, ungezwungene Abwechslung. Etwa 20 Erwachsene und ebenso viele Kinder waren zum Fahrrad-Übungsplatz an der Grundschule Petermoor gekommen, die meisten mit Fahrrädern oder Rollern, die wenigsten allerdings mit einem Fahrradhelm.

Glücklicherweise hatte die Kreisverkehrswacht einige Helme mitgebracht, denn in einem Punkt war Thomas Gissing unerbittlich: „Wer keinen Helm trägt, fährt auch nicht!“

Mehrere Gruppen hatten dieses Training gemeinsam organisiert: Der ADFC, die Fahrradwerkstatt, die Kreisverkehrswacht und „Willkommen in Bassum – (WiR)“. Sie hatten auch mit Erfolg die Polizei um Teilnahme gebeten und zusammen den Parcours aufgebaut.

Wie Ulrich Tatje und Stefan Seltmann berichteten, war ein Unfall mit glücklichem Ausgang der Auslöser für diese Aktion. Ende vorigen Jahres war ein Flüchtlingskind aus dem Kindergarten direkt auf die Straße gefahren, wo es von einem Auto erfasst wurde. Das Kind blieb unverletzt, der Sachschaden war minimal. „Aber es hätte auch anders ausgehen können“, erklärt Ulrich Tatje.

Viele Flüchtlinge haben inzwischen gelernt, Fahrrad zu fahren, aber der Unfall zeigte ihm, dass zum Rad fahren auch das Beherrschen des Fahrrades gehört.

Um das zu lernen, bot der Parcours beste Möglichkeiten. Die Teilnehmer fuhren Kreise und Achten, überquerten ein Holperbrett, mussten in einer schmalen Gasse geradeaus Kurs halten und kurvten durch eine Slalomstrecke. Die anfängliche Unsicherheit wich allmählich, und es begann ihnen Spaß zu machen. Immer wieder tauschten sie die wenigen Helme und schwangen sich in den Sattel, immer sicherer legten sie die Strecke zurück.

Die 27-jährige Sarah hatte ebenso wie Hisnah und Homdia aus dem Irak das Rad fahren erst kürzlich in Bassum gelernt. Jetzt ist es ihre Lieblingsbeschäftigung geworden. Den Hinweis auf diese Veranstaltung hatten sie im Begegnungscafé erhalten. Andere Teilnehmer erfuhren davon über die Familienbetreuung oder durch Faltblätter, die in Schulen und Kindergärten auslagen.

Abdelwahab lacht und zeigt auf Knie und Fahrrad: „Nein kaputt !“ Aber auf der langen Geraden kommt er vom Weg ab und überfährt die ausgelegten Begrenzungsmale. Er nimmt das ebenso gelassen hin wie die Kommentare, die er sich dafür von seinen Freunden anhören muss.

Für die beiden Polizisten Thomas Gissing und Wolfgang Rehling war der Übungsnachmittag in dieser Form auch eine Premiere: „Wir sind ohne festes Programm gekommen und wollten einfach mal abwarten, wie es läuft – und es läuft“, erklärt Rehling.

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