Upcycling-Projekt

Bassumer Jugendhaus Fönix startet Kunstaktion: Neuer Look, neue Idee

Ein Mann hält zwei kleine Kunst-Projekte in die Kamera.
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So können die Beiträge aussehen: Marcus Libbertz zeigt zwei Beispiele.

Bassum – Der Lockdown treibt mitunter spannende Blüten. So macht er zum Beispiel aus zwei engagierten Jugendhausmitarbeitern kreative Möbeldesigner, deren Schmuckstücke alle das Qualitätssiegel „Nachhaltigkeit“ tragen. Ob Fußbänke aus alten Skateboards, ein Sofa aus Ölfass und Holz, eine Bank aus alten Paletten – im Fönix gibt es jetzt jede Menge zu entdecken.

Sichtlich stolz geben Marcus Libbertz und Andreas Storn eine kleine Führung und zeigen, woran sie gerade arbeiten.

„Wir wollen aus einer Kabeltrommel einen Sessel machen“, erklärt Storn, der zum Baumeister avanciert ist, während Libbertz hauptsächlich den kreativen Input gibt. So hat er unter anderem die Anregung zu dem riesigen Fischskelett aus Metall gegeben, das nun die Wand des Computerraums ziert. „Das wiegt an die 250 Kilogramm.“ Andere Möbel sollen einen rustikaleren Look bekommen.

Man merkt deutlich: Die beiden sind mit Freude und Herzblut bei der Sache. Sie wollen die Zeit, in der die Jugendlichen nicht ins Fönix kommen dürfen, nutzen, um es noch wohnlicher zu machen – und nebenbei ihren Schützlingen zeigen, was man aus vermeintlichem „Abfall“ noch alles machen kann. Mit Erfolg.

Vom Sozialarbeiter zum Möbeldesigner: Andreas Storn zeigt das neue Sofa.

Trotz des gemütlichen Ambientes kommt eine gewisse Bedrückung auf, wenn der Blick auf die verwaiste Sitzecke fällt. Der Kicker lädt zu einer Partie ein, die nicht beginnt und die schwarze Tafel begrüßt den Besucher mit einem „Hallo“, das niemand liest. Der typische Lockdown-Blues klingt durch den Raum.

Und dass der ihren Jugendlichen zusetzt, wissen Storn und Libbertz nur zu gut. Um ihn zu vertreiben, haben sie vergangenes Jahr einen Foto-Wettbewerb organisiert (wir berichteten). Nun folgt der zweite Streich.

„Wir wollen den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich mit der derzeitigen Situation kreativ auseinanderzusetzen – und um auch mal von den Bildschirmen wegzukommen“, erklärt Libbertz.

Aus alt mach neu: So wird ein Skateboard zur Fußbank.

Was also haben die beiden vor? Libbertz zeigt kleine Leinwände, die 14 mal 16 Zentimeter groß sind. „Jeder zwischen acht und 27 Jahren, der an der Kunstaktion teilnehmen möchte, kann zwei von ihnen bekommen. Danach hat er bis zum Ende des Lockdowns Zeit, sie zu gestalten.

Auf der einen Leinwand schreibt er auf einer Seite, was man mit einem Mundschutz gut machen kann. Zum Beispiel jemanden die Zunge rausstrecken, ohne das er es merkt“, so Libbertz und schmunzelt. „Auf der anderen Seite gestaltet er ein dazu passendes Gesicht. Er kann es malen, zeichnen, Materialien verwenden – ganz egal!“

Auf der zweiten Leinwand läuft es ähnlich, nur dass es hier darum geht, was man mit dem Mundschutz nur schlecht machen kann – wie vielleicht küssen.

Wer sich angemeldet hat, bekommt die zwei Leinwände von Storn und Libbertz nach Hause geliefert. Sie holen auch die fertigen Kunstwerke wieder ab. Wer nicht aus Bassum kommt, aber mitmachen möchte, müsste sich die Leinwände allerdings selber im Fönix abholen und sie zurückbringen.

Anschließend kriegen die gestalteten Gesichter einen Mundschutz übergezogen und werden im Fönix aufgehängt. „Wir machen ein Foto davon, das wir im Internet veröffentlichen. Wenn der Lockdown vorbei ist, ziehen wir die Mundschutze herunter und machen erneut ein Bild.“

Die Anregung haben Storn und Libbertz durch einen Grafitti-Künstler auf Instagram bekommen. „Bei ihm heißt es ,Corona Faces’. Unsere Aktion läuft unter ,Corona-Gesichter’. Die Maske steht hier im Mittelpunkt, weil sie unseren Alltag so stark prägt.“

Echter Hingucker: das neue Fischskelett im Computer-Raum.

Eigentlich wollten die beiden die Aktion machen, wenn sie wieder einen offenen Treff anbieten dürfen. Aber da niemand weiß, wann das wieder möglich ist, bringen sie sie jetzt auf den Weg. „Die Jugendlichen sollen wissen, dass wir immer noch für sie da sind. Sie erreichen uns per WhatsApp, Telefon, Mail, Facebook oder Instagram“, zählt Libbertz auf. Egal ob jemand ein Problem hat, Hilfe bei seiner Bewerbung braucht – oder auch einfach Langeweile hat und quatschen will: Libbertz und Storn freuen sich auf Nachricht von ihren Schützlingen.

„Wir wissen, wie schwer diese Zeit für sie ist. Ihre ganze Freizeitgestaltung fällt ja weg und sie dürfen ihre Freunde nicht treffen, die in dem Alter sehr wichtig für sie sind. Stattdessen sitzen sie nur zuhause. Das führt auch zu Konflikten in der Familie. Manche halten sich deswegen den ganzen Tag draußen auf. Manchmal sehen wir sie ums Fönix herumschleichen, sogar im Regen. Dann gehen wir zu ihnen und fragen, wie es ihnen geht.“ Und welche Antworten bekommen Libbertz und Storn? „Langweilig“ und „Scheiße“.

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