18 neue Seniorenbegleiter beginnen ihr Ehrenamt im Landkreis Diepolz

Etwas Zeit schenken

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Die Teilnehmer des Seniorenbegleiter-Kurses mit ihren Dozenten.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Sie bekommen nichts und geben etwas, das inzwischen zu einem kostbaren, weil seltenem Gut geworden ist: Zeit. Die Seniorenbegleiter übernehmen keine Aufgaben in der Pflege. Das dürfen sie auch gar nicht. Aber sie tun etwas, das nicht weniger wichtig ist. Sie hören zu. Sie fragen nach. Sie vertreiben die Eintönigkeit mit Spielen und Unterhaltungen. Sie begleiten die älteren Menschen zum Einkauf, Friseur, auf einen Spaziergang. Und manchmal sogar bis zum Tod.

Seit rund zehn Jahren bieten die Senioren- und Pflegestützpunkte des Landkreises mit der Volkshochschule des Landkreises Diepholz und verschiedenen Kooperationspartnern Kurse an, um Seniorenbegleiter auszubilden. Nun haben sie einen neuen Partner gefunden, der künftig die Kosten übernimmt: Das Land Niedersachsen. Der erste Kurs, der nach der neuen Gesetzlage gefördert wird, ist kürzlich zuende gegangen.

18 neue Seniorenbegleiter aus dem gesamten Kreis stehen nun bereit, um älteren Menschen mit verschiedenen Lebensläufen etwas Zeit zu schenken. In den Räumen der ehemaligen Löwenapotheke in Bassum kamen sie noch einmal zusammen, um über das, was sie in 50 Stunden Theorie und den 20 Stunden Hospitation gelernt haben, zu reflektieren.

„Die Senioren, die unsere Begleiter demnächst treffen werden, haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse“, erklärt Kirsten Wegner-Drefs vom Seniorenservicebüro Bruchhausen-Vilsen. „Manche sind dement, andere haben körperliche Beeinträchtigungen. Wieder andere sind völlig gesund, nur einsam. Die Servicebüros suchen für jeden von ihnen, der danach fragt, einen Begleiter aus.“

Dafür fahren Mitarbeiter des Büros zunächst zu den Senioren nach Hause, lernen sie und ihre Lebensumstände näher kennen, um dann einen möglichst passenden Begleiter zu finden. Dann kommen die Ehrenamtlichen das erste Mal zu Besuch und am Ende entscheidet der ältere Herr oder die ältere Dame, ob er wiederkommen soll.

Voraussetzungen, die Seniorenbegleiter mitbringen sollten, sind unter anderem soziale Kompetenzen, Empathie, Ideen und vor allem eine positive Haltung gegenüber kranken, behinderten und alten Menschen.

Die 15 Frauen und drei Männer, die in der Löwenapotheke zusammengekommen sind, besitzen diese Eigenschaften und freuen sich schon sehr auf ihre künftige Aufgabe. „Ich bin gern mit Menschen zusammen und beschere ihnen eine schöne Zeit“, sagt Gabriela Niedzwiedz aus Barrien. „In dem Kurs habe ich eine Menge gelernt und während der Hospitation tolle Rückmeldungen bekommen.“

Heinrich Immoor aus Bruchhausen-Vilsen hält seit 15 Jahren Andachten in Altenheimen und hat gute Erfahrungen gemacht. „Man bekommt immer sehr viel zurück.“ Dennoch hat er in dem Kurs auch viel Neues lernen können. „Vor allem die Informationen über die verschiedenen Krankheiten und wie sie das Wesen eines Menschen verändern können, waren interessant. Ich fühle mich nun sehr gut vorbereitet.“

Ähnlich geht es Cornelia Schulz aus Weyhe. Die gelernte Krankenschwester hat bereits viel Erfahrung im Umgang mit der Pflege älterer Leute, aber: „Der Mensch blieb aufgrund des Zeitmangels immer auf der Strecke“, bedauert sie. „Die Zeit, die ich damals nicht aufbringen konnte, möchte ich jetzt spenden.“ In dem Kurs habe auch sie noch einiges lernen können. „Nun weiß ich, dass die Tablettenausgabe bei Demenzkranken länger dauert und wie ich darauf reagieren muss.“

Beeindruckt habe sie die Professionalität, mit der sie und ihre Mitstreiter ausgebildet wurden. „Man merkte, wie ernst die Dozenten das Ganze nehmen. Sie haben uns klar vermittelt, dass wir eine wichtige, verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen werden.“

Denn es ist nicht damit getan, sich einfach „hinzusetzen und Karten zu spielen“. Viele Dinge müssen beachtet werden, wie Körperkontakt oder Kommunikation. Wann darf ich einen Menschen berühren? Wie rede ich mit einem Demenzkranken? Bei allem, was man tue, sei es wichtig, genau zu beobachten, wann dem Gegenüber etwas unangehm wird.

Dass die Teilnehmer des Kurses diese Haltung verinnerlicht haben, daran lassen sie keinen Zweifel, als sie – als Abschlussarbeit ihrer Ausbildung – eine kleine Präsentation zu verschiedenen Aspekten der Seniorenbegleitung halten. „Kommunikation ist das A und O“, betont Cornelia Schulz, als sie an der Reihe ist. „Es ist wichtig, das eigene Ich, die eigenen Sorgen und Gedanken zurückzustellen und dem Gesprächspartner zu zeigen: Ich bin wegen dir hier und ich freue mich, Zeit mit dir zu verbringen.“

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