Professor hält Vortrag über mögliche Projekte

Neue Dörfer sollen Klima retten

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Ramito Cavazos (links) und Anja Cavazos begrüßen Ralf Otterpohl. 

„Humus ist Grundlage für alles“ – Diese Aussage von Ralf Otterpohl stand wie ein Credo über seinem Vortrag, den er am Freitagabend in der Musikschule im Bahnhof Bassum hielt. Eingeladen hatte ihn Anja Cavazos Peralta, die inzwischen ihr Studium in der Energie- und Umwelttechnik an der Technischen Universität Hamburg abgeschlossen hat. Otterpohl ist ihr ehemaliger Professor.

Bassum - Als Mitglieder der Arbeitsgruppe des Klima-Aktions-Bündnisses Bassum-Syke-Twistringen stellten Anja und Ramiro Cavazos Peralta den Referenten gut 30 Gästen vor. Sie erhofften sich von ihm Anregungen für die zukünftige Arbeit der Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Ernährung und seien gespannt darauf, was sich davon umsetzen lasse.

Zerstörte Böden seien historisch nachweisbar das Todesurteil für ganze Kulturen gewesen, erläuterte Otterpohl. Der von Menschen gemachte Teil am Klimawandel sei überwiegend durch eine Bodenzerstörung hervorgerufen.

Sonne und Wasserdampf bestimmen Klima

Den Wasserdampf bezeichnete er als „Hauptklimagas“. Die daraus resultierende Wolkenbildung sei schwer berechen- und vorhersagbar. Aber Sonne und Wasserdampf bestimmen in starkem Maße das Klima. Damit sich Wasserdampf bildet, müsse Wasser vorhanden sein. Humusreiche Böden halten Wasser und regenerieren das Grundwasser, so Otterpohl. Humus wirke wie ein Schwamm und verhindere Extreme wie Trockenheit oder Überflutungen. Ein Humusanteil von sechs bis sieben Prozent am Boden halte das biologische Bodensystem stabil, erklärte Otterpohl, der in eindrucksvollem Vergleich zeigte, wie eine erodierte Löss-Landschaft durch sinnvolle Nutzung von Wasser wieder regeneriert werden konnte.

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In sehr vereinfachter Form stellte er dar, wie Fungizide Humusbausteine zerstören und Pflanzen daran hindern, Spurenelemente zu bilden, die beim Verzehr vor Krebs schützen. Agro-Chemie sei daher sinnlos aber profitabel. Um die „Heilung der Erde“ zu unterstützen sei der Kauf von Bio-Lebensmitteln und -Kleidung sowie die Anlage von Bio-Gärten erforderlich.

Gesunde Lebensmittel aus Minifarmen

Otterpohl plädierte für „Das neue Dorf“, wie der Titel eines seiner Bücher lautet. Dabei geht es um neu zu gründende Dörfer auf großen Ackerschlägen. In diesen Dörfern werden in Bio-Gärten und Minifarmen gesunde Lebensmittel erzeugt, mit denen die nahe gelegenen Städte versorgt werden. „Bauernhöfe zu Gärtnerdörfern mit bis zu 300 Einwohnern und einer sozialen Struktur mit Kitas, Schulen und Altenpflege, müssen um die Städte herum entstehen“, lautet seine Forderung. Würden diese Maßnahmen umgesetzt, dann würden das Leben auf dem Land wieder attraktiver und die Landflucht nicht nur gestoppt, sondern sogar umgekehrt werden. Diese „Solidarische Landwirtschaft (SOLAWI)“ würde mit seinen lokalen Kleinproduktionsformen auch die globale Kontrolle beispielsweise durch multinationale Saatguterzeuger verhindern.

Als weitere Möglichkeit Böden zu schützen, propagierte er Agro-Forst-Systeme, in denen auf großen Flächen Baumreihen aus Obst-, Nuss- oder Esskastanienbäumen angelegt werden.

Otterpohl empfahl den Besuch im Syker Hansa-Kino, wo am kommenden Mittwoch, 25. September, um 19.30 Uhr der Film „Humus – die vergessene Klima-Chance“ gezeigt wird.

Schon gelesen? Auch in der Region sind Menschen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gegangen.

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