Sechs Apotheken im Landkreis stellen „Medizinschränke“ auf

Neue Container für alte Pillen

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Kai-Uwe Jobst und Hund Luke mit einem „Medizinschrank“. Ein Container steht schon im Landkreis, weitere folgen.

Landkreis Diepholz - Von Katharina Schmidt. Viele Medikamente laufen ab, bevor die Packung leer ist. Oft landen Pillen, Pülverchen und Salben dann im Restmüll. Im Landkreis Diepholz ist das laut der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) ökologisch keineswegs sinnvoll. Für eine schadlose Vernichtung sei es am besten, die Arzneien direkt zu verbrennen – Haushaltsreste aus dem Kreisgebiet wandern jedoch zunächst durch eine spezielle Anlage, um anschließend zerkleinert und verrottet auf einer Deponie zu lagern. Neue „Medizinschränke“ sollen künftig helfen, alte Medikamente gesondert zu sammeln.

Ein solcher Container steht bereits in Bassum an der Lindenmarkt-Apotheke. Fünf weitere sollen ihren Platz in den kommenden zwei Wochen in Stuhr, Syke, Bassum, Diepholz und Barnstorf finden. Apotheken können die Sammelbehälter kaufen oder für knapp sieben Euro im Monat mieten. Verpflichtet, Medikamente zurückzunehmen, sind sie nicht – der Container dient als Service für Kunden. Diese sehen dank der Behälter sofort, wo sie ihre Medizinreste loswerden. Lästige Fragerei entfällt.

Vermieter und Hersteller der „Medizinschränke“ ist Jo-Ba, eine Bremer Firma mit Bassumer Wurzeln. Keine Frage, Geschäftsführer Kai-Uwe Jobst will die Container verkaufen. Er will aber darüber hinaus dafür sensibilisieren, dass es sich bei Medikamenten um gefährliche Stoffe handeln kann. Tabletten und Co. haben im Restmüll ihm zufolge nichts zu suchen. „Das ist vor allem mit Blick auf Kinder gefährlich, die sich die Mittel aus dem Abfalleimer fischen könnten“, warnt er. Außerdem könnten Spuren der Stoffe bei falscher Entsorgung in die Umwelt gelangen.

Rückstände landen kontinuierlich in Gewässern

Untersuchungen des Bundesumweltamtes bestätigen, dass Rückstände von Arzneimitteln kontinuierlich in Gewässer gelangen. Als eine Ursache nennen sie falsche Entsorgung. Außerdem scheide der menschliche Körper viele Stoffe unverändert aus.

Wer abgelaufene Medikamente loswerden will, kann sie kostenlos in einen „Medikamentenschrank“ werfen. Nicht hinein dürfen Spritzen und Verpackungen. Ein spezielles Schloss und eine Schräge unter dem Einwurfschlitz verhindern, dass Unbefugte das Innere durchforsten. Ergänzend zu den Containern bietet Jo-Ba ein Rücknahmesystem an. Kooperationspartner der Firma holen die gesammelten Medikamente von den Apotheken ab und bringen sie zur AWG.

„Jedes Medikament im Restmüll eines zu viel“

Die Abfallwirtschaftsgesellschaft nimmt bereits auf ihren Wertstoffhöfen Pillen und Säfte an. Trotzdem unterstützt der Betrieb die neuen Container. „Jedes Medikament im Restmüll ist eines zu viel“, meint Logistikleiter Wilhelm Lütke-Stockdiek.

Die Erfindung der Firma Jo-Ba ist derzeit nicht nur im Landkreis Diepholz zu finden, sondern auch in Bremen. Außerdem führt Jobst Gespräche mit Interessenten aus den Landkreisen Nienburg und Osnabrück.

Jo-Ba wurde 1972 gegründet und ist europäischer Marktführer in der Herstellung von Altkleider-Containern. Bis 1998 war das Unternehmen in Bassum angesiedelt. Während Apotheken die ersten „Medizinschränke“ aufstellen, arbeitet Jo-Ba bereits an der Verwirklichung einer weiteren Idee: ein Brillenschrank. In dem könnten Optiker und deren Kunden gebrauchte Sehhilfen sammeln, um sie kurz- oder weitsichtige Kinder in armen Ländern zur Verfügung zu stellen. Kai-Uwe Jobst: „Auch wenn wir eine Wegwerfgesellschaft werden – wir haben so viele Werte, die anderen noch zugutekommen können.“

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