Die Naturheilpraxis Stein in Bassum schließt ihre Türen

Gesucht: Nachfolger mit Zeit für Gespräche

Haben schweren Herzens ihre Praxis geschlossen: Heike und Peter Stein.
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Haben schweren Herzens ihre Praxis geschlossen: Heike und Peter Stein.

Die Naturheilpraxis Stein in Bassum ist seit drei Generationen in Familienhand. Nun musste sie schließen. Doch Heike und Peter Stein hoffen auf einen Nachfolger.

  • Naturheilpraxis Stein musste schließen.
  • Über 40 Jahre hat das Ehepaar Stein sie gemeinsam betrieben.
  • Nun wird ein Nachfolger gesucht.

Bassum – Es tut Heike und Peter Stein in der Seele weh. Das spürt man deutlich, wenn man mit den beiden durch die Räume ihrer Naturheilpraxis an der Parkstraße in Bassum geht. Das freundlich eingerichtete Wartezimmer ist verwaist, ebenso die Behandlungsräume. Und das werden sie auch bleiben. Am 16. März hat die Praxis ihre Tore geschlossen. Ob sie sich wieder öffnen werden, ist ungewiss, Und wenn, dann nur mit einem neuen Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin.

Denn das Ehepaar Stein musste seine Arbeit aufgeben.

Nach über 40 Jahren ein harter Schnitt für die beiden, die am liebsten noch einige Jahre länger für ihre Patienten da gewesen wären. Aber es geht nicht. Eine Erkrankung von Peter Stein zwingt sie dazu. Für den 69-Jährigen war es immer eine Berufung, Menschen zu helfen. Das liegt in der Familie.

Wie der Vater so der Sohn

Sein Opa, August Stein, stammte aus Aschaffenburg und gründete die Praxis in Bassum. Zunächst hatte er eine in Fiestel bei Lübbecke mit einem kleinen Sanatorium betrieben. Doch als immer mehr Patienten aus dem Bassumer Raum zu ihm strömten, verlegte er die Praxis dorthin, zunächst 1929 an den Mühlenweg, dann 1935 an die Lange Straße und schließlich 1949 an die Parkstraße.

Der Opa sei ein echter Autodidakt und Heilpraktiker mit Leib und Seele gewesen, erinnert sich Peter Stein. Er machte auch Hausbesuche, mal auf dem Rad, mal auf dem Roller, über steinige und matschige Wege hin zu den Bauernhöfen, wo ganze Familien auf ihn warteten. Er habe eine recht direkte Art gehabt, jeden geduzt und so ziemlich alles behandelt: von der Migräne bis zur Blasenentzündung.

Und seine Patienten wussten ihn zu schätzen. Zu seiner Praxis kamen ganze Busse mit Menschen aus Oldenburg, Hannover, dem Hamburger Raum, Verden oder Nienburg angerollt. „Deren Nachkommen haben wir teilweise noch betreut“, sagt Heike Stein.

Heilpraktiker als Traumberuf

Während August seinen Patienten viel Zeit widmete, kümmerte sich seine Frau um die Kinder. Sohn Josef stieg 1945 in die Praxis mit ein und führte sie ab 1971 allein. Doch das sollte nicht lange so bleiben. Denn auch Josefs Sohn Peter wusste schon sehr früh, dass er in Opas und Papas Fußstapfen treten möchte. Wie die beiden über ihre Patienten und Erfolge bei den Behandlungen sprachen – das faszinierte ihn. Menschen helfen wollen: den Wunsch fanden seine Eltern zwar gut. Aber sie träumten von einem Medizinstudium für ihren Sohn.

Doch dagegen wehrte sich der Junior. Heilpraktiker wollte er sein, und weil man dafür mindestens 25 Jahre alt sein musste, absolvierte er nach dem Abitur eine Pflegeausbildung und arbeite im Bassumer Krankenhaus.

Danach machte er eine Ausbildung an der Heilpraktiker Fachschule in München. 1977 stieg er in die Praxis mit ein und verwirklichte damit seinen Traum. Und obwohl er bereits auf viel Wissen von Opa und Vater zurückgreifen konnte, wollte Stein sich immer weiter bilden und lernte bei anderen Heilpraktikern unter anderem in Hannover und Aurich. Ab 1980 war er dann allein für die Behandlung der Patienten verantwortlich.

Patienten haben sich verändert

Aber allein arbeiten musste er nicht. Denn seine Frau Heike war schon 1977 mit eingestiegen und übernahm hauptsächlich organisatorische Aufgaben. „Ich war die, die sich immer alle Geschichten der Patienten merken konnte“, sagt die 67-Jährige und lächelt. Und davon gab es im Laufe der Jahrzehnte sehr viele. „Wir haben eine Familie aus Brinkum, von der ich fünf Generationen kennengelernt habe. Die Patienten kamen immer ohne Voranmeldung zu uns.“

Im Laufe der Zeit habe sich viel verändert, sowohl die Patienten als auch ihre Leiden. „Früher kam selten jemand mit einer Allergie. Dafür viele mit offenen Beinen. Es wurde weniger geredet, die Leute nahmen die Empfehlung zur Behandlung einfach entgegen. Heute sind sie durch das Internet schon informiert und fragen viel mehr nach, sodass man mehr Zeit für Gespräche einplanen muss“, berichtet Heike Stein. Eine Zeit lang begannen ihre Tage um 7.15 und endeten um 20.30 Uhr. „Außerdem ist die Zahl der Allergien sehr gestiegen, und der Darmhaushalt ist bei vielen Menschen aus dem Gleichgewicht geraten.“

Die Arbeit in der Praxis und der Kontakt zu den Patienten hat dem Ehepaar immer sehr viel bedeutet. Eine schwerkranke Patientin habe sich regelmäßig mit lieben Briefen und Blumen für die Hilfe bedankt.

Der große Wunsch: Ein Nachfolger

Nun ist dieser Abschnitt ihres Lebens vorbei und die beiden kämpfen noch immer damit. Aber auch viele ihrer Patienten reagieren bestürzt. „Eine Mutter kam mit ihrer Tochter zu uns und brachte Pralinen, um sich zu bedanken“, erzählt Heike Stein sichtlich bewegt.

Der größte Wunsch des Ehepaares wäre nun ein Nachfolger. „Es wäre schön, wenn er die Iris-Diagnostik beherrscht, aber es ist kein Muss. Wir wünschen uns, dass er die Praxis in unserem Sinne weiterführt – und das heißt, dass er sich Zeit für persönliche Gespräche mit den Patienten nimmt. Wir danken all unseren Patienten für ihre Treue und wünschen ihnen alles Gute.“

Interessenten, die die Praxis gern übernehmen möchten, können sich bei Schäfer-Immobilien in Bassum melden.

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