Nächtliche Exkursion mit Henning Greve

Fledermäusen auf der Spur

+
Henning Greve (r.) zu Beginn der Exkursion.

Albringhausen/Menninghausen - Von Frauke Albrecht. Die Ausbeute war eher mickrig: zwei Fransenfledermäuse, ein Abendsegler und eine Rauhhautfledermaus zeigten sich am Freitagabend den Teilnehmern der Fledermausexkursion im Bereich Albringhausen, Hallstedt und Menninghausen.

Dabei hatte der Fledermausexperte Henning Greve vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) mit wesentlich mehr Exemplaren gerechnet und zur Begrüßung noch Appetit gemacht: „Die Bedingungen heute Abend sind nahezu perfekt. Wir werden viele Fledermäuse sehen und hören können.“

Dass es dann doch nur wenige waren, lag vielleicht auch daran, dass die 15 Exkursions-Teilnehmer recht lautstark durchs Gehölz streiften. So laut, dass Greve und auch Anni Wöhler-Pajenkamp vom Naturschutzbund manches Mal die mitgebrachten BAT-Detektoren nahe ans Ohr halten mussten, um die Laute zu verifizieren. Diese Geräte setzen die Ultraschalllaute der Fledermäuse in für Menschen hörbare Töne um. Die Deutung der Laute gelingt allerdings nur geübten Ohren. Der Laie hört ein Knarzen, Greve einen Abendsegler. „Da, das ist doch auch eine“, meinte kurz darauf eine Teilnehmerin zu hören. „Nein, das sind die Grillen“, so Greve.

Eingeladen zu dem nächtlichen Ausflug hatte die Bürgerinitiative Pustekuchen, die sich im Juli gegründet hat, und zwar als Reaktion auf eine Anhörung, zu der die Stadt Bassum eingeladen hatte. Im Hotel zur Post in Neubruchhausen waren die Pläne der Firma Westwind vorgestellt worden. Man möchte den Windpark in Albringhausen erweitern.

Die Anwohner von Menninghausen fürchten, dass die 200 Meter hohen Anlagen zu dicht an ihren Wohnhäusern aufgestellt werden. „Ich habe den Eindruck, dass die Planer nur die Grenze von Bassum gesehen und nicht berücksichtigt haben, dass dahinter auch Menschen leben“, erläutert Reinhard Müller seine Befürchtung.

Außerdem sehen die Anwohner den Eingriff kritisch im Hinblick auf die Lebensräume der Fledermäuse, Vögel und anderer Tiere. Aus diesem Grund haben sie Kontakt zu Greve und Anni Wöhler-Pajenkamp gesucht. Erste Aktion war die Exkursion, weitere sollen folgen.

Zu Beginn der Nachtwanderung verteilte Greve eine Broschüre mit Infos zu den Nachtschwärmern und erzählte dann kurz etwas über deren Wohnquartiere, Lebensweise und Nahrungssuche. So fliegen Fledermäuse auch weit hinaus auf die freien Felder, um zu jagen. Dabei laufen sie Gefahr, mit den Rotoren der Windräder zu kollidieren. „Nur ganz selten werden Tot-Funde gemeldet. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Opfer gibt“, ist Greve überzeugt und nennt eine niedersächsische Studie, die „von 200000 bis 500000 getöteten Tieren im Jahr“ ausgeht.

Wenn jemand einen toten Vogel oder eine tote Fledermaus in der Nähe der Windkraftanlagen findet, sollte er die Funde melden, so der Bund-Vertreter. Die Tiere würden eingeschickt und untersucht. Durch Abschaltzeiten der Anlagen können die Konflikte vermindert werden, erzählte er. Die Naturschutzverbände wollen Einfluss auf die Planung nehmen. „Wenn keiner was sagt, geht das so durch“, fürchtet Greve. Die Menninghauser wollen auf jeden Fall etwas sagen. Nächster Schritt: „Wir wollen die avifaunistischen (die Vogelwelt betreffend) Gutachten einsehen“, so Müller. Bisher sei ihnen das verwehrt worden.

Mehr zum Thema:

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

Meistgelesene Artikel

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

Torsten Eggelmann scheidet überraschend aus Kreistag aus

Torsten Eggelmann scheidet überraschend aus Kreistag aus

Frage zum Frühlingserwachen: „Wer braucht schon Moore?“

Frage zum Frühlingserwachen: „Wer braucht schon Moore?“

Polizei ermittelt gegen Bassumer Jugendtrainer

Polizei ermittelt gegen Bassumer Jugendtrainer

Kommentare