Release hat neue Räume im Bassumer Bahnhof bezogen

Nächstes Ziel: Ein Fest mit den Nachbarn

Zu Besuch bei Release: Georg Vogt (von rechts) und Wilhelm Bäker vom Lions Club Bassum Klosterbach-Delme ließen sich von Alexandre Peruzzo, Gaby Helmstedt (vorne links) und Kerstin Töller unter anderem das Café zeigen.
+
Zu Besuch bei Release: Georg Vogt (von rechts) und Wilhelm Bäker vom Lions Club Bassum Klosterbach-Delme ließen sich von Alexandre Peruzzo, Gaby Helmstedt (vorne links) und Kerstin Töller unter anderem das Café zeigen.

Die Suchtberatungsstelle Release ist in das Gebäude des Bassumer Bahnhofs gezogen und fühlt sich dort sehr wohl. Nun wollen sie so bald wie möglich das Café öffnen und ihre Nachbarn einladen.

Bassum – Die Möbel sind aus hellem Holz. Bunte Blumen auf den Tischen und Dekorationen auf den Fensterbänken sorgen für Farbtupfer. Da und dort finden sich Grünpflanzen. In zwei Schränken warten Bücher auf Leser. Gaby Helmstedt und Kerstin Töller haben sich viel Mühe gegeben, dem großen Raum mit der hohen Decke eine gemütliche Note zu geben, damit sich die künftigen Gäste des Café Release wohlfühlen.

Mit Erfolg!

„Einige Klienten hatten Zweifel, ob wir die Atmosphäre, die wir in unserem Haus an der Meierkampstraße hatten, mit in das Gebäude am Bahnhof hinübernehmen können“, schildert Helmstedt mit einem Lächeln. „Aber jetzt sind sie begeistert.“ Und diese Gemütlichkeit beschränkt sich nicht nur auf das Café, sondern setzt sich auf dem Flur und in den Büros der beiden Frauen und ihrem Kollegen fort. Mit Bildern, Wandmalereien und Dekorationen sind die Zimmer liebevoll gestaltet, laden ein zum Hinsetzen, Durchatmen und Reden. Auch wenn hier und da noch etwas fehlt, kann man sagen: Release ist an seinem neuen Standort angekommen.

Sponsoren unterstützen die Beratungsstelle

Aber, dass die Mitarbeiter sich und ihren Klienten eine angenehme Atmosphäre schaffen konnten, verdanken sie auch Sponsoren. So haben viele aus Töllers und Helmstedts Familien- und Bekanntenkreis Einrichtungsgegenstände spendiert. Weitere Möbel hat eine großzügige Spende in Höhe von 1 000 Euro vom Lions Club Bassum Klosterbach-Delme möglich gemacht. „Wir haben davon auch eine große Kaffeemaschine und ein Waffeleisen angeschafft“, erklärt Helmstedt. Beides soll zum Einsatz kommen, wenn das Café endlich öffnen darf.

Auf den Tag freuen sich die Mitarbeiter von Release schon sehr, weil das wiederum bedeutet, dass auch ihre Beratungsstelle sich mehr für die Allgemeinheit öffnen kann. „Wir möchten unsere Nachbarn und alle übrigen Anwohner einladen, zu uns zu kommen, uns kennenzulernen und selber zu sehen, was hier so passiert“, beschreibt Helmstedt. Ein richtig kleines Nachbarschaftsfest wäre ihr Wunsch, zu dem dann auch ein neuer Grill angeworfen wird.

Das baue Ängste und vielleicht Vorurteile ab, die der eine oder andere gegenüber einer Suchtberatungsstelle habe. „Eltern, die glauben, dass ihr Kind ein Suchtproblem hat, sollen keine Sorgen haben, es zu uns zu schicken, weil sie womöglich denken, dass es hier erst recht in die falschen Kreise kommt. Sie sollen wissen, dass es hier in guten Händen ist und wir aufpassen.“

Privatmann spendet

Dass die Arbeit von Release durchaus geschätzt wird, hat Kerstin Töller durch die Spende eines Privatmannes erfahren, der der Beratungsstelle 1950 Euro zukommen ließ. „Ich war so berührt, mir fehlten die Worte“, schildert Töller. Von dem Geld möchte sie – sobald Corona es zulässt – mit ihren Klienten einen mehrtägigen Ausflug an die Nordsee unternehmen – ein Novum, denn in den vergangenen Jahren hat Release nur Tagesausflüge angeboten.

Was die für ihre Klienten bedeuteten, beschreibt Töller so: „Sie gehen richtig darin auf. Die meisten sitzen isoliert und allein zuhause, haben nicht mal ein Handy. Manche waren noch nie im Urlaub. Solche Ausflüge stärken ihr Selbstbewusstsein, helfen ihnen, sich sozial zu integrieren und sie lernen, sich auf andere zu konzentrieren.“ Helmstedt ergänzt: „Manche zehren noch Jahre davon.“

Aber auch Release-Vorsitzender Alexandre Peruzzo hat gute Neuigkeiten für den Standort Bassum im Gepäck: Die bürokratischen Hürden für eine Tagesförderstätte sind so gut wie genommen, sodass es – zumindest theoretisch – möglich wäre, ab dem 1. Juli ein Angebot für zehn Klienten zu machen. Ab dem 1. Oktober könnten dann 20 kommen – was der Anzahl entspricht, die die Tagesförderstätte anbieten möchte. Dann werden auch neue Mitarbeiter eingestellt.

Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden

Aber vorher müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die angrenzenden Räume müssen noch entsprechend saniert werden, es fehlen eine Küche, diverse Anschlüsse, die Werkstätten und und und. Erst wenn das alles vorhanden ist, kann das Angebot starten. Doch es soll noch in diesem Jahr passieren. Kerstin Töller, die zurzeit im ambulanten betreuten Wohnen tätig ist, wird dann den Hut aufhaben.

„Das Konzept ist durch das ambulante betreute Wohnen auch erst entstanden“, erklärt Töller. Sie hat gemerkt, wie viele Ressourcen in ihren Klienten schlummern. Sie müssen nur geweckt und gestärkt werden. „Anerkennung und Struktur sind da sehr wichtig.“ Beides können ihre Klienten durch eine Tagesförderstätte erfahren – und so womöglich einen stationären Aufenthalt verhindern. „Wir würden auch gern einen Garten pachten, den die Klienten betreuen können“, so Töller.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen
Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio
Hinweise und Bedenken zur Zentralklinik

Hinweise und Bedenken zur Zentralklinik

Hinweise und Bedenken zur Zentralklinik

Kommentare