Freidorfer im Gespräch mit Forstamt

Nachhaltige Nutzung oder Kahlschlag?

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Symbolbild

Neubruchhausen - Von Heiner Büntemeyer. Wie wichtig es ist, ein Problem gemeinsam zu besprechen, zeigte sich in Neubruchhausen, wo das niedersächsische Forstamt nach Meinung von Margret und Rolf Niemann auf einer Waldfläche im Forstort Freidorf „Kahlschlag“ betrieben hat.

Der Leiter des Forstamtes Nienburg, Henning Schmidtke, hatte einen Gesprächstermin vereinbart, an dem auch Revierleiter Uwe Niedergesäss teilnahm.

Zu sehen sind Lichtungen statt eines aufgeforsteten Waldes

Im Hause der Familie Niemann stellte Rolf Niemann bei einer Tasse Kaffee zunächst klar, dass sich die Klagen nicht persönlich gegen den Revierleiter richteten, der ihnen netterweise schon vor einem Jahr die Hintergründe der Waldbewirtschaftung des Forstamtes erläutert hatte. „Es trifft mich schon, wenn mir jemand Raubbau vorwirft“, entgegnete Niedergesäss, und Schmidtke wollte wissen, wo das Problem liegt.

Von der vor drei Jahren versprochenen Aufforstung sei nichts zu sehen, meinte Niemann, außerdem hätten die schweren Holzerntemaschinen den Waldboden verfestigt. Es seien Lichtungen entstanden.

Dies sei eine subjektive, emotionale Einschätzung, entgegnete Niedergesäss. Der Wald habe „eine gewisse Dynamik“, aber er habe sich insgesamt nicht zu seinem Nachteil verändert.

Forstamtsleiter: „Unser Konzept ist nachhaltig“

Das Land wolle mit seinen Forsten Geld verdienen, der Einschlag sei nicht gerechtfertigt, beharrte Niemann. Das bestritt Schmidtke, der zwar bestätigte, dass die Forstämter einen Gewinn erwirtschaften müssten, dass der rechtliche Rahmen jedoch eine nachhaltige, naturnahe Waldbewirtschaftung verlange.

„Unser Konzept ist nachhaltig“, so Schmidtke. Er fügte hinzu, dass im Forstort Freidorf ganz im Sinne des Försters Erdmann durch die Wiederaufforstung ein Mischwald entsteht. Die Holzernte erfolge nach einem ökologischen Bewirtschaftungskonzept. Die Erntegeräte dürften nur in genau festgelegten Rückewegen fahren und hätten sehr breite Reifen. Trotzdem sei ein gewisser Bodendruck nicht zu vermeiden.

Einsatz von Pferden weder wirtschaftlich noch sinnvoll

Der Einsatz von Rückepferden sei nicht wirtschaftlich und es sei auch nicht im Sinne des Tierschutzes, „wenn ein Pferd einen vier Kubikmeter großen Buchenstamm bergen soll“.

Der Holzzuwachs im Raum Neubruchhausen betrage auf einen Hektar innerhalb von zehn Jahren etwa 100 Kubikmeter. Davon würden in dieser Zeit zwischen 60 und 80 Kubikmeter eingeschlagen, berichtete der Forstamtsleiter. Alle zehn Jahre würde die Forst durch Taxameter kontrolliert, die gemeinsam mit dem Revierförster die Einschlagmenge festlegen, die dann auf die jährliche Entnahme heruntergebrochen werde.

Wald entwickelt sich langsam

„Natürlich ist der Wald hier gegenwärtig offen, aber in wenigen Jahren sieht das schon ganz anders aus“, zeigte Niedergesäss Verständnis für die Klage. Dies sei allerdings kein Kahlschlag, das Forstamt habe nach dem noch von der rot-grünen Regierung mit Umweltministerin Monika Griefahn und Ministerpräsident Gerhard Schröder festgelegten „Löwe“-Konzept (Langfristige ökologisch Wald-Entwicklung) gearbeitet.

Anschließend wurde das Gespräch vor Ort fortgesetzt, genau dort, wo Margret Niemanns Kritik ansetzte. Beide Förster erklärten die Maßnahmen und zeigten, dass in dem aufgerissenen Boden unter den stehen gebliebenen „Habitatbäumen“ schon neue Lärchen gesetzt wurden und zahlreiche Buchen keimen.

Waldentwicklung werde nicht innerhalb eines Jahres sichtbar

Nebenan konnten sie Flächen zeigen, die in der Vergangenheit auf gleiche Weise beerntet wurden und auf denen inzwischen wieder Wald in unterschiedlichen Entwicklungsstadien herangewachsen ist.

Sie erklärten die gute „Durchmischung“ aus Buchen, Fichten, Douglasien, Lärchen und Eiben und gaben Margret Niemann den Tipp, die fragliche Waldfläche einmal in jedem Jahr am gleichen Tag vom gleichen Standort aus zu fotografieren, um dann die Fortschritte zu erkennen. „Die Waldentwicklung erfolgt in anderen Zeiträumen als menschliche Lebensspannen“, meinte Schmidtke.

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