Julian Zurmühlen ist der neue Ortsvorsteher von Bramstedt

„Muss meinen eigenen Weg gehen“

Bramstedt ist Heimat: Julian Zurmühlen möchte gern viel für seinen Ort tun – als Ortsvorsteher und ab September auch gern im Stadtrat.
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Bramstedt ist Heimat: Julian Zurmühlen möchte gern viel für seinen Ort tun – als Ortsvorsteher und ab September auch gern im Stadtrat.

Julian Zurmühlen hat das Amt des Ortsvorstehers von Bramstedt übernommen. Erstmal bis September. Doch er würde gerne noch länger für seinen Heimatort da sein - und auch den Sprung in den Stadtrat schaffen.

Bramstedt – Hinter dem Rücken über andere reden, Menschen gegeneinander ausspielen, Unehrlichkeit. Das sind Dinge, die für Julian Zurmühlen gar nicht gehen. Er mag es ehrlich, offen und direkt. Anderen, aber auch sich selbst gegenüber. „Ich stehe zu meinem Wort – aber auch zu meinen Fehlern“, betont der 33-Jährige.

Er befindet sich vor dem Glockenturm in Bramstedt. Den hat er sich als Hintergrundmotiv für sein erstes Pressefoto als neuer Ortsvorsteher ausgesucht, weil der Turm eine Bramstedter Besonderheit sei. „Wir haben ja sogar einen Glöckner, das finde ich toll“, sagt Zurmühlen und bringt damit seine Achtung für das Traditionelle zum Ausdruck. Das möchte er erhalten, wo es möglich ist. Gleichzeitig will er sich Neuerungen gegenüber nicht verschließen. Schließlich passiert in Bramstedt gerade eine ganze Menge: Flurbereinigung, Neubaugebiete, neues Feuerwehrhaus, neue Krippe und vielleicht sogar in der Zukunft eine Erweiterung der Grundschule.

„Ich möchte mitgestalten“

„Ich möchte mitgestalten“, erklärt Zurmühlen. Das mache für ihn den Reiz an der Kommunalpolitik aus. „Man kann zuhause sitzen und meckern – oder man kann mit anpacken.“ Diese Einstellung hat er von Großvater Heinz Zurmühlen und seinem kürzlich verstorbenen Vater, Helmut Zurmühlen, geerbt. Kommunalpolitik und die Liebe zu Bramstedt liegen ihm also im Blut. Deswegen hat er nach dem Tod seines Vaters auch dessen Amt erst mal bis September übernommen.

„Natürlich habe ich von klein auf viel mitbekommen. Politik spielte immer eine große Rolle in meiner Familie“, sagt Zurmühlen. „Aber das heißt nicht, dass ich alles gleich kann. Ich möchte niemanden kopieren und muss meinen eigenen Weg gehen.“ Das Wichtigste ist für ihn, für die Menschen da zu sein und ein offenes Ohr für ihre Probleme und Ideen zu haben. „Sie sollen keine Scheu haben, mich anzusprechen, wenn ich mit dem Hund im Ort unterwegs bin, oder mich anzurufen.“

Aufgewachsen in Bramstedt

Der Vater einer kleinen Tochter ist ein echter Bramstedter Jung, im Ort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und er hat dort schon das eine oder andere Amt übernommen. „Ich war Dorfjugendsprecher und Jungschützensprecher. Es ist eine tolle Erfahrung, zu erleben, was man mit anderen auf die Beine stellen kann, und es macht Spaß, als Ansprechpartner Lösungen für Probleme zu finden.“

Nach dem Realschulabschluss machte Zurmühlen eine Ausbildung zum Maurer und ging dann zur Bundeswehr. Heute arbeitet er beim Zoll am Bremer Flughafen und ist verheiratet. Vor Corona hat er in seiner Freizeit gern mit Freunden Fußball gespielt, und findet ansonsten im und am Haus immer etwas, was gemacht werden möchte. 2018 ist er in die CDU eingetreten. Vergleichsweise spät, wenn man bedenkt, dass er „schon in der Schule einen kleinen CDU-Anstecker am Mäppchen hatte“, verrät Zurmühlen und lacht. „Aber mein Vater hat mich nie dort hineingedrängt.“

Wegziehen aus Bramstedt sei für ihn nie Thema gewesen. Während seiner Zeit beim Bund sei er viel herumgekommen, aber „Bramstedt ist meine Heimat, die mir sehr, sehr wichtig ist, ebenso wie meine Familie“.

Und für die will etwas tun. Beispielsweise Brücken zwischen alten und neuen Bürgern bauen, um die Dorfgemeinschaft zu stärken. „Der Verein ,Unser Bramstedt’ ist da eine tolle Möglichkeit. Dort können auch diejenigen eintreten, die vielleicht keinen Bezug zu Traditionellem wie dem Schützenwesen haben.“

Die Natur im Blick

Aber auch die Natur hat Zurmühlen im Blick. Sein Vater als Jäger habe schon früh versucht, ihm die Augen für deren Schönheit zu öffnen – eine Lehre, die ihm nun als junger Mann richtig bewusst werde. „Wir könnten noch mehr Blühwiesen anlegen“, überlegt Zurmühlen. „Man kann in Bramstedt viel machen, weil die Leute bereit dazu sind. Das hat mir unter anderem der Bau des Göpels gezeigt.“

Doch um Projekte umsetzen zu können, müsste Zurmühlen länger im Amt bleiben als nur bis September. Darauf hofft er sehr. Ebenso, dass er bei der Wahl den Sprung in den Stadtrat schafft, für den er erstmalig kandidiert. „Das hat nichts mit dem Tod meines Vaters zu tun. Das hatte ich ohnehin vorgehabt“, verrät er.

Dass er die Arbeit seines Vaters und Großvaters miterleben durfte, hat ihm einen abgeklärten Blick auf die Kommunalpolitik verschafft. „Man muss ein breites Kreuz mitbringen und sich darüber im Klaren sein, es nie allen recht machen zu können. Ebenso, dass die Dinge ihre Zeit brauchen und nichts von heute auf morgen geschieht. Man kann über alles reden, aber nichts erzwingen. Wenn man mit einem Vorhaben scheitert, sollte man nicht gleich aufgeben. Man muss nicht immer einer Meinung sein – aber man sollte sich nach jeder Debatte noch in die Augen schauen können.“

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