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Fingerzeig auf zahlreiche Defizite

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Von: Anika Seebacher

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Sichere Wege für Kinder haben laut Bassums Verkehrsentwicklungsplan hohe Priorität.
Sichere Wege für Kinder haben laut Bassums Verkehrsentwicklungsplan hohe Priorität. © Rolf Vennenbernd/dpa

Wie soll sich die Mobilität in Bassum bis 2035 entwickeln? Antworten auf diese Frage gibt der Verkehrsentwicklungsplan. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Förderung des Radverkehrs. Aber es geht auch darum, das Tempo in der Stadt zu reduzieren.

Bassum – Der Verkehrsentwicklungsplan 2035 (VEP) ist mit zahlreichen Anregungen und Ideen zur Weiterentwicklung der Mobilität sehr umfangreich. Das Dokument zeigt, dass die Förderung des Radverkehrs oberste Priorität hat, gefolgt von einer Verbesserung der Verkehrssicherheit im Umfeld der Bassumer Schulen und Kitas. Den VEP stellten am Donnerstagabend Iris Pollesch und Michelle Ries vom Ingenieurbüro Sweco dem Ausschuss für Stadtentwicklung vor.

Rund 18 Monate habe die Ausarbeitung gedauert, erinnerte sich Projektleiterin Pollesch. „Coronabedingt mussten wir einige Prozesse anpassen.“ So habe man mit der Onlinebefragung lediglich die zweite Wahl der Beteiligung gewählt, statt sich zu treffen. Dennoch habe sich die Öffentlichkeit sehr gut eingebracht, was sich an der Vielzahl der Zusendungen widerspiegele. „Es wurde mit dem Finger darauf gezeigt, wo es besser sein könnte“, erläuterte die Diplom-Ingenieurin. Gleichzeitig seien über das Portal konkrete Zielvorstellungen formuliert und Maßnahmen genannt worden, lobte Pollesch. „Wir haben als Fachplaner viele Daten analysiert, daraus Zielvorstellungen und mögliche Handlungsfelder sowie Maßnahmen entwickelt.“

Radverkehr

Von „deutlichen Netzlücken“ sprach Pollesch hinsichtlich des Radverkehrs in Bassum. Das Ingenieurbüro habe zudem „unklare Radverkehrsführung in den Knotenpunktbereichen“ festgestellt. Da sich Radfahrer an einigen Stellen nicht zurechtfinden und sich ihren Weg zunächst suchen müssten, seien sie „immer leicht gefährdet, wenn sie nicht selbstbewusst genug sind“. Insbesondere die Verbindungen außerorts stufen die Verkehrsplaner als „nicht gut“ ein. Eine Verbesserung bezeichnete Michelle Ries als Daueraufgabe. Dazu gehöre die Einrichtung einer Fahrradzone im Innenstadtbereich sowie insgesamt geschlossene und sichere Verkehrsverbindungen für den Zweiradverkehr. Dass die Radwege ganz oben auf der Liste stehen, nahmen die Anwesenden zustimmend zur Kenntnis. Wilhelm Wortmann hätte es gern etwas konkretisiert: „Wo ist innerhalb der Radwege der Fokus?“, fragte der Ortsvorsteher von Eschenhausen. „Wir müssen eine Mixtur finden“, wog Bürgermeister Christian Porsch ab. So werde man zunächst weitere Beratungen abwarten und im Anschluss jeweils die Dinge in Angriff nehmen, „die sich finanziell umsetzen lassen“.

Fußverkehr

Durchgängige Fußwegenetze seien ein essenzieller Baustein der Mobilitätsentwicklung, „um eine Gleichberechtigung von schwächeren Verkehrsteilnehmern zu erreichen“, so Pollesch. Dabei sei Barrierefreiheit und die Anpassung der Gehwegbreiten entlang des Hauptstraßennetzes von Bedeutung. Hier liege eine „schwierige Situation“ vor. „Wege müssen einfach sicher sein“, unterstrich sie. Man brauche konfliktarme Querungsmöglichkeiten zur Stärkung der schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Schulen & Kitas

Im Zusammenhang mit den vorgenannten Punkten sprach man auch über sichere Wege für den Nachwuchs. „Ein Kind muss sicher in die Schule kommen können, ohne, dass die Eltern Angst haben müssen, dass etwas passiert“, nannte die Planerin ihren Maßstab. Dafür seien sichere Wegeführungen erforderlich. Ferner benannte sie „nicht ausreichende Aufenthaltsflächen an Bushaltestellen und vor Bildungseinrichtungen“ als Problem.

Innenstadt

„Wir hatten die Rückmeldung, dass das Zentrum zum Flanieren einladen soll“, stellte Pollesch vor. Hier könne man über die Reduktion von Geschwindigkeiten und Durchgangsverkehren nachdenken, um das Zentrum zu entlasten. Eine Fußgängerzone in der Sulinger Straße sei aufgrund der dörflichen Strukturen allerdings nicht durchsetzungsfähig, erklärte die Planerin. Vielmehr müsse man sensibel mit der Wirtschaftskraft umgehen. „Eine kleine Stadt hat keinen Bummelcharakter“, merkte dazu Hermuth Straßburg (Bürger Block) an und erinnerte an einen gescheiterten Versuch mit Pollern vor einigen Jahren. Dr. Christiane Weitzel (Grüne) gab darüber hinaus zu bedenken, dass es schwierig sei, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, „wenn der Einzelhandel schwächelt“. „Eine leere Fußgängerzone wünscht sich wohl keiner“, stimmte Straßburg zu.

Tempolimits

Es gibt derzeit sehr viele unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen in Bassum – von der Spielstraße bis zu 70 Stundenkilometer. Hinzu komme die subjektive Wahrnehmung der Bürger, dass auf den Hauptstraßen zu hohe Geschwindigkeiten gefahren werden. Daher schlägt der VEP eine einheitliche Regelung im Stadtgebiet sowie Temporeduzierungen in sensiblen Bereichen vor.

Bei den Ausschussmitgliedern fand der VEP großen Anklang. Der Vorschlag wurde nach der detaillierten Präsentation daher einstimmig beschlossen und dient nun als Grundlage für die weitere Verkehrs- und Mobilitätsplanung. Die zahlreichen Einzelmaßnahmen sollen nun ausgestaltet werden.

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