Rheuma-Liga Bassum hofft auf mehr Teilnehmer und Übungsleiter

Mitmacher verzweifelt gesucht

Und hoch das Bein: Bei der Gymnastik der Rheuma-Liga soll gelenkschonend die Beweglichkeit erhalten werden.  
Foto: Kreykenbohm
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Und hoch das Bein: Bei der Gymnastik der Rheuma-Liga soll gelenkschonend die Beweglichkeit erhalten werden. Foto: Kreykenbohm

Bassum – Aus einem CD-Spieler dringt „Living next door to Alice“ über den Parkplatz am Bramstedter Kirchweg. Der ersetzt in Corona-Zeiten den Trainingsraum für die Gymnastik-Gruppe der Rheuma-Liga. Das Wetter ist schön, alle Teilnehmer sind voll dabei. Leiterin Katrin Werner motiviert sie immer wieder zu neuen Übungen. Seit vergangener Woche bewegen sie sich wieder fleißig, schließlich wollen alle fit bleiben.

Doch das fröhliche Bild trügt. Dunkle Wolken hängen zurzeit über der Rheuma-Liga Bassum, denn es fehlen die Leute, die deren Angebote mit Leben füllen. Nicht überall. Die Wassergymnastik kann sich beispielsweise vor Anfragen kaum retten. „Sie wird von vielen Ärzten verordnet, sodass es bereits bei einigen Anbietern lange Wartelisten gibt“, weiß Teamleiterin Dunja Carl.

Bei der Gymnastik ist die Resonanz schon verhaltener. Woran das liegt, darüber können Carl, ihre Stellvertreterin Edith Jessenberger und Beisitzerin Ursel Born nur spekulieren: „Vielleicht liegt es an dem Namen Rheuma-Liga?“ Vielleicht denken die Leute dabei an einen Kurs, wo nur schwerkranke Senioren zusammensitzen und sich gegenseitig Details von ihren Erkrankungen erzählen.

Dabei spiele die Krankheit bei den Kursen gar keine Rolle – zumal gar nicht alle Teilnehmer an Rheuma erkrankt sind. „Unser Angebot richtet sich an jeden, der körperlich und geistig fit bleiben möchte“, betont Born, und Jessenberger fügt hinzu: „Wir sind kein Jammerverein. Bei uns wird viel gelacht. Für manche ist es ein Abschalten vom Alltag und die Gelegenheit, etwas für sich zu tun und Kontakte zu pflegen. Man denkt nicht mehr an die Beschwerden und wird einfach mitgerissen. Jeder macht soweit mit, wie er kann und sich wohlfühlt.“ Die Teilnehmer sind zwischen 28 und 90 Jahren alt.

Es werde normale Gymnastik gemacht – mit dem Unterschied, dass es nicht um Ausdauer und Auspowern geht, sondern um Muskel-Stärkung. Die Beweglichkeit soll erhalten bleiben. Alle Übungen sind gelenkschonend. Der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund.

Der neu gegründete Kurs rhythmische Gymnastik im Sitzen, der es auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen bis ins hohe Alter ermöglicht, mitzumachen, sucht noch Interessierte. „Alle Muskeln werden dabei aktiviert, vom Kopf bis zum Fuß, denn die Übungen verlangen viel Konzentration. Es geht um Koordination und Gedächtnistraining“, schildert Carl. Wann der Kurs stattfindet, bestimmten die künftigen Teilnehmer.

Auch für die Sturzprophylaxe werden noch Interessenten gesucht. „Die Teilnehmer lernen, besser das Gleichgewicht zu halten, trainieren das Fallen und die Reaktionsfähigkeit“, erläutert Born. „In jeder Reha wird auf solche Übungen Wert gelegt, weil es so wichtig ist. Leider sehen die Leute die Gefahr nicht.“ Jeder glaube, dass ihm das sowieso nicht passiert – bis es passiert.

Born, Carl und Jessenberger sind ratlos und besorgt. Denn wenn sich nicht bald etwas tut, sieht es für die Zukunft der Rheuma-Liga schlecht aus, die schon seit mehr als 30 Jahren existiert. „Zurzeit müssen wir wegen Corona die Gruppen verkleinern – also aus einem Kurs zwei machen. Doch wir zahlen die Gehälter der Übungsleiter doppelt. Wenn wir nicht mehr Leute finden, wird es schwer, das weiterhin zu finanzieren. Wir könnten so viel mehr Angebote machen – wenn genug mitmachen.“

Doch nicht nur neue Teilnehmer werden händeringend gesucht, sondern auch Übungsleiter. „Wir brauchen jemanden, der unsere drei Reha-Gruppen leitet“, so Carl. Diese Person braucht die Qualifikation Reha-Sport für Orthopädie. Die alte Leiterin hat vergangenen Monat gekündigt und Carl weiß, dass es schwer wird, Ersatz zu finden. „Ich wollte mich selber ausbilden lassen, aber für dieses Jahr sind alle Ausbildungen abgesagt. Ich könnte also erst 2021 anfangen, doch das ist zu spät.“

Die Reha-Gruppen sind gut besucht. Ohne eine neue Leiterin müssten sich die 40 Teilnehmer auf die Suche nach einem neuen Kurs machen und „im Umfeld ist alles voll“, weiß Carl. „Was die Zeiten angeht, würden wir uns nach dem neuen Leiter richten. Er muss aber wissen, dass er hier eine ehrenamtliche Tätigkeit auf Honorarbasis übernimmt.“

Ebenso würde sich die Rheuma-Liga über einen Physiotherapeuten freuen, der eine weitere Gruppe für die gefragte Wassergymnastik und auch Trockengymnastik anbietet.

Die drei Frauen hoffen sehr, dass sich neue Teilnehmer und Übungsleiter finden lassen. Dunja Carl weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man auch von einem zum anderen werden kann. „Ich bin immer mit meinem Hund abends am evangelischen Gemeindehaus vorbeigegangen und habe die Gruppe dort tanzen sehen. Das sah toll aus. Irgendwann wurde ich angesprochen: ,Komm rein, mach mit!“ Dunja Carl lacht.

Sie leidet unter Rheuma und hat anfangs nur auf Krücken laufen können. Doch: „Während der Bewegung bin ich fast schmerzfrei.“ 2013 trat sie in die Liga ein und ist seit 2014 Übungsleiterin. „Ich gebe weiter, was ich gelernt habe. Ich mag den Kontakt zu den verschiedenen Menschen. Es macht mir Freude, sie zu motivieren. Viele haben gesundheitliche Probleme – aber in diesen Stunden werden sie belanglos.“

Von Julia Kreykenbohm

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