Bürger ärgern sich über ausbleibende Gegenmaßnahmen

Kampf gegen Riesenbärenklau: „Ich komme mir vor wie Don Quijote“

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Jürgen Schierholz bahnt sich mit einer Machete den Weg durch den Riesenbärenklau-Dschungel.

Kätingen - „Ich komme mir vor wie Don Quijote im Kampf gegen Windmühlen. So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.“ Jürgen Schierholz, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Nordwohlde-Fahrenhorst, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Mit Schutzbrille, Handschuhen und Machete in der Hand, bahnt er sich einen Weg durch das grüne Dickicht.

„Hier konnte man mal langlaufen. Mittlerweile ist alles zugewachsen“, schimpft er. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn es sich bei dem Bewuchs nicht um die giftige Herkulesstaude handeln würde – auch Riesenbärenklau genannt.

„Wer mit dem Pflanzensaft in Berührung kommt und dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, riskiert Verbrennungen.“ Deshalb trägt Schierholz eine lange Jacke.

Er schlägt die Blütenköpfe der Pflanze ab. „Damit sich die Samen nicht mehr vermehren können.“ Aber es ist ein verlorener Kampf. Denn fast der gesamte Hügel der ehemaligen Sandgrube Köster in Kätingen ist mit Bärenklau bewachsen.

„Keinen interessiert es. Das ist der eigentliche Skandal"

„Und keinen interessiert es. Das ist der eigentliche Skandal“ schimpft BI-Mitglied Kirsten Janssen-Frauen.

Seit Jahren führt die Bürgerinitiative Schriftverkehr mit den beteiligten Stellen – „da schiebt doch jeder dem anderen den schwarzen Peter zu“, kritisiert Schierholz. „Und währenddessen breitet sich die Giftpflanze immer mehr aus“, hat Janssen-Frauen beobachtet. „Ich walke hier regelmäßig. Ich kann das gut beurteilen. Das geht seit fünf Jahren so.“

Mittlerweile sei das Kraut nicht nur in der Köstergrube zu finden, sondern wächst auch auf dem Gelände der GAR und im benachbarten Forst des Forstamtes Ahlhorn. Die Waldarbeiter würden die Pflanze regelmäßig bekämpfen, ebenso die GAR. Aber die Wurzel des Übels bleibe unangetastet. „Wir prüfen derzeit die Zuständigkeiten“, heißt es seitens der Firma Köster. Mehr wolle man dazu nicht sagen.

„Sag ich doch. Schwarzer Peter“, kommentiert Schierholz. „Der Eigentümer fühlt sich nach der Renaturierung nicht mehr zuständig, sieht den Landkreis in der Pflicht.“

Zuständigkeit liegt bei den Eigentümern

Eckhard Markus vom Fachbereich Kreisentwicklung und Naturschutz beim Landkreis winkt ab: „Nein. Wir haben die Grube wieder in die Zuständigkeit der Eigentümer abgegeben.“ Derzeit prüfen die Behördenmitarbeiter, welche Möglichkeiten der Landkreis hat, um Maßnahmen zu veranlassen. Diese Frage sei noch nicht abschließend geklärt.

Markus bestätigt: „Es gab eine Meldung von der BI und auch vom Forstamt.“ Er weiß um die Tücke der Pflanze. „Wir versuchen seit Jahren auf einer Fläche im Huntetal, dem Riesenbärenklau Herr zu werden.“ Das Samenpotenzial sei hoch. Deshalb breitet sich die Art rasend schnell aus.

Bei Facebook warnen Nutzer vor der Pflanze:

„Die Samen sind zehn Jahre lang keimfähig“, weiß Dieter Tegtmeier von der Revierförsterei Syke vom Forstamt Ahlhorn. Noch fällt das Waldstück in Fahrenhorst in die Zuständigkeit der Revierförsterei Harpstedt. Nächstes Jahr ändert sich das. Dann ist Tegtmeier Ansprechpartner. „Eigentlich müsste man die Pflanze ausgraben und verbrennen.“ Das sei in Waldgebieten aber nicht möglich. Deshalb würden die Waldarbeiter die Köpfe abschlagen – möglichst vor der Blüte, um den Samenflug zu verhindern. 

Zerstörung der Wurzel sinnvoll

Auch eine Zerstörung der Wurzel sei sinnvoll. „Auf unseren Flächen haben wir die Maßnahmen bereits vor drei Wochen durchgeführt“, erzählt Tegtmeier. Nun sei Blütezeit. Er weiß: „Im Schatten des Waldes gedeiht der Riesenbärenklau zum Glück nur mäßig. Die Pflanze benötigt Sonne. Auf einer ehemaligen Sandgrube findet sie ideale Wachstumsbedingungen.“ – „Das Ergebnis sehen Sie ja“, sagt Schierholz und zeigt in die Landschaft.

In diesem Moment kommt eine Spaziergängerin mit Kind und zwei Hunden vorbei: „Das wird Zeit, dass hier mal was passiert.“ Sie sei früher regelmäßig auf dem Gelände spazieren gegangen. Mittlerweile traut sie sich nicht mehr.

Die Auswirkungen von Riesenbärenklau

Lesen Sie auch: Zwei Jungen sind in einer Kinderklinik in Vechta stationär behandelt werden, weil sie mit den Blättern der Pflanze gespielt hatten.

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