50 Jahre Sparkasse

Klaus-Dieter Sprenger geht in den Ruhestand: „Mir geht es gut.“

Klaus-Dieter Sprenger geht nach 50 Jahren bei der Kreissparkasse in Bassum in den Ruhestand.
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Klaus-Dieter Sprenger geht nach 50 Jahren bei der Kreissparkasse in Bassum in den Ruhestand.

Klaus-Dieter Sprenger, Filialleiter der Kreissparkasse Bassum, geht nach 50 Jahren in den Ruhestand. Sein erster offizieller Ruhestand beginnt zwar erst am 1. August. Da er aber noch sehr viel Urlaub vor sich herschiebt, hat er ab sofort schon Ferien. Rückblickend sagt er über die vergangenen 50 Jahre: „Eine tolle Zeit.“ Und die Zukunft wird nicht minder spannend.

Bassum – Als Klaus-Dieter Sprenger mit 15 Jahren bei der Kreissparkasse Bassum mit seiner Ausbildung anfing, feierte der langjährige Mitarbeiter Willi Focke sein 50. Arbeitsjubiläum. „Damals dachte ich noch, was machen die für einen Film“, erinnert sich Sprenger. Als es jedoch an die eigentliche Feier ging, wurde der Azubi nicht mitgenommen. Das hat ihn gewurmt, und er schwor sich, in seiner Laufbahn immer alle mitzunehmen.

Diesem Leitspruch ist er bis heute treu gebliegen.

Corona verhagelt ihm ein bisschen die Abschiedsparty. „Ich werde heute nicht mehr tun können, als Brötchen auszugeben.“ Doch für August (Ausweichtermin Oktober) plant er eine große Party mit 120 Gästen.

Sein letzter offizieller Arbeitstag vor dem Ruhestand ist der 30. Juli. Da der Bassumer aber noch sehr viel alten Urlaub vor sich herschiebt, beginnen die Dauerferien bereits heute. Er kommt am 29. und 30. Juli nur noch mal, um Tschüss zu sagen und seinem Nachfolger alles Gute zu wünschen.

„Mir geht es gut“, antwortet Sprenger auf die Frage nach seinem Befinden. „Ein bisschen Wehmut ist dabei, weil ich meine Kollegen verlassen muss.“ Aber er sei mit seinen Gedanken im Reinen.

Neue Funktion: Geschäftsführer der Wiseg

„Ich habe mir lange überlegt, was ich machen werde. Ich wollte nicht in Melancholie verfallen.“ Er ist zuversichtlich, dass ihm das gelingt, auch wenn die Pandemie den sonst so rührigen Bassumer schon sehr ausbremst. Klaus-Dieter Sprenger hat viele Freunde, eine große Familie und zahlreiche Ehrenämter, so ist er unter anderem Gästeführer. Im August fängt er als Geschäftsführer der Wirtschafts- und Stadtentwicklungsgesellschaft (Wiseg) an. „Das macht mir den Abschied leichter“, sagt er.

„Wenn Corona nicht wäre, würde ich jetzt drei Wochen nach Mallorca fahren, um Abstand zu gewinnen.“ Nun muss er diesen anders finden. „Ich habe gelernt, wieder mehr zu lesen“, erzählt er. Außerdem hat er sich Sky zugelegt – Sprenger ist Fußball-Fan. Unbedingt möchte er wieder mit dem Laufen anfangen. Früher schaffte er acht Kilometer locker. Jetzt seien es höchstens zwei.

Am meisten vermisst er die Treffen mit Freunden – „mal beim Italiener einen Rotwein trinken.“ Freundschaft ist wichtig für Sprenger – er pflegt sie. So finden sich unter seinen ältesten Kumpels auch ehemalige Arbeitskollegen, mit denen er vor 50 Jahren seine Ausbildung begonnen hatte.

„Es war eine tolle Zeit – 50 Jahre. Das schaffen nicht viele. Das, was ich heute bin, habe ich der Sparkasse zu verdanken“, zieht er sein persönliches Fazit. Die Zeit habe ihn geprägt, erzählt er.

Sprenger hat sich vom Azubi zum Filialleiter hochgearbeitet – das war eigentlich nicht sein Ziel, aber es habe sich so ergeben. „Meine Eltern kommen aus sehr einfachen Verhältnissen, sie haben in der Landwirtschaft gearbeitet, und da war eine Schreibtischtätigkeit erstrebenswert.“

Damals genossen Banker ein gewisses Ansehen. Sprenger grinst: „Erst kam der Pastor, dann der Lehrer und der Banker. Manchmal kam der Banker auch noch vor dem Lehrer.“

„Ich kann mit der rechten Hand blind tippen“

Er bewarb sich bei der Volksbank und bei der Sparkasse. „Die Voba wollte mich nicht.“ Sprenger hat den Job von der Pike auf gelernt. „Die erste Woche habe ich nichts anderes gemacht, als Zinsberechnung. Seitdem kann ich mit der rechten Hand blind tippen. Das war langweilig bis zum Gehtnichtmehr.“

Damals arbeiteten gut 40 Mitarbeiter in der Bassumer Filiale. „80 Prozent des Tages bestand darin, die Zinsen zu rechnen“, erinnert er sich. Jede einzelne Überweisung musste per Hand gebucht beziehungsweise gelocht werden. Jeder Kunde war auf Karteikarten vermerkt. Erst Mitte der 80er-Jahre kamen die ersten Bildschirme, die eine Zusammenfassung ermöglichten.

Das Größte für den jungen Azubi war, am Schalter Kunden zu bedienen. „Als ich das das erste Mal machen durfte, wusste ich: Was für ein toller Beruf.“

Dann hatte ihn der Ehrgeiz gepackt. „Die Abschlussprüfung wollte ich mit Eins bestehen.“ Er ist nur knapp vorbeigeschrammt. Von da an kletterte Sprenger die Karriereleiter hoch – unaufgeregt, auf seine ihm eigene Art.

Er bewies schon bald seine Führungsqualitäten. Dabei half ihm die Arbeit in der Gewerkschaft. „Ich war recht früh Jugendvertreter, ging mit 24 Jahren in den Personalrat, baute später die DAG mit auf. Wir hatten eine sehr starke Mitarbeiterschaft“, erinnert er sich. Mehr als die Hälfte der Angestellten war organisiert.

Später übte er zahlreiche Funktionen aus, war zehn Jahre Finanzrichter und saß lange Zeit im Prüfungsausschuss.

„Immer versucht, alle mitzunehmen“

Sein Traum nach der Ausbildung war, Leiter einer Kundengruppe zu werden. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt, erst in Harpstedt, später in Twistringen. Sein kooperativer Führungsstil kam an. Er führte Mitarbeiterbesprechungen ein, machte einiges anders als seine Chefs vor ihm. „Was man sich als junger Mensch eben so vorstellt“, erzählt er. „Ich habe immer versucht, alle mitzunehmen. Vor allem die, die am kritischsten sind.“

Ist er ein guter Chef? Sprenger lacht. „Ich glaube schon. Ich war jedenfalls immer ehrlich und offen und die Mitarbeiter wissen, dass ich mich vor sie stelle.“ Nicht nur bei Vorgesetzten, sondern vor allem auch bei renitenten Kunden – doch davon gebe es nur wenige. „Einige wenige versuchten, ihre schlechte Laune an unseren Mitarbeitern auszulassen.“

Es reichte meist, dass sich Klaus-Dieter Sprenger dann am Schalter in voller Größe aufbaute und laut fragte: „Gibt es irgendwas?“ Nur einmal musste er mit Hausverbot drohen.

Obwohl er in Bassum wohnt und arbeitet, konnte er das Private vom Beruflichen immer sehr gut trennen. „Natürlich werde ich oft angesprochen. Aber dann habe ich immer gesagt: ,Ruf mich morgen um 8 Uhr an. Ich bin hier privat."“ Das habe das Umfeld stets akzeptiert.

Wenn die Wiseg nicht angefragt hätte, wäre Sprenger zur Uni gegangen, um Geschichts- und Philosophiekurse zu belegen. Nun freut er sich, Bassums Stadtentwicklung mitprägen zu dürfen. Und natürlich ist es ihm ein Bedürfnis, dabei alle mitzunehmen.

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