Apelstedter Schützen werden 100 Jahre alt und können nicht feiern

„Mir fehlt dieses Jahr was“

Zu den ältesten Erinnerungsstücken gehört ein Gruppenbild aus dem Jahr 1930.
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Zu den ältesten Erinnerungsstücken gehört ein Gruppenbild aus dem Jahr 1930.

Apelstedt – In diesem Jahr wollten sie es so richtig krachen lassen. Zusammen mit befreundeten Vereinen des Schützenbundes und den Nachbarvereinen sollte zwei Tage lang gefeiert werden. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Schützenvereins war ein großes Schützenfest in Apelstedt geplant. Daraus wird in diesem Jahr zwar nichts, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: das Jubiläumsfest soll nun im nächsten Jahr starten. Gründe zum Feiern gibt es auch 2021 reichlich.

„Ach, du ahnst es nicht“, entfährt es Tanja Guddat. Beim Durchblättern der Vereinsunterlagen wird die erste Vorsitzende des Schützenvereins Apelstedt an das 50-jährige Damenjubiläum im kommenden Jahr erinnert. „Na, da haben wir ja noch einen Grund mehr, ordentlich zu feiern“, ermuntert sie Schriftführerin Bianca Köhler.

Die beiden wälzen einen dicken Ordner, in dem der frühere Vorsitzende Erwin Brinkmann von 1979 bis 2002 alles über den Verein gesammelt hat

Von der Gründung gibt es dagegen weder ein Protokoll noch eine vollständige Mitgliederliste. Auch Vereinssatzung und Schießwaffen sind in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Älteste Erinnerungsstücke aus der Vereinsgeschichte sind ein Preis aus Porzellan, den Gründungsmitglied Albert Meyer in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre in Hallstedt errungen hatte, die Vereinsfahne, welche im Jahr 1923 fast 400 Mark gekostet haben soll und ein erstes Gruppenfoto aus dem Jahr 1930.

Aus mündlichen Darstellungen damals noch lebender Mitbegründer hat Hermann Weghorst 2001 die Anfänge des Vereins in einer Dorfchronik zusammengetragen. Demnach wurde im Jahre 1920 von der damaligen Jugend in Apelstedt ein Schießverein gegründet.

Weiter heißt es in der Chronik: „Im Jahre 1921 wurde von den gestandenen Männern unseres Ortes der Schützenverein gegründet. … Im Gegensatz zum Schießverein, der mit Luftgewehren und ,Plum", einer Nadel mit Federbusch schoss, verwendeten die Schützen Schießbüchsen“. Beide Vereine schlossen sich dann zusammen.

Die Beschreibung des Wettbewerbs der damaligen Zeit klingt abenteuerlich. „Geschossen wurde in den Pannstedter Wiesen aus dem alten Reineckschen Gehölz heraus über den Bach in den Nordmannschen Anberg. Auf der Schießscheibe zeigten zwei Schützen die Ringzahl an. Bei einer Zwölf hielt man eine Kelle hoch.“

Ebenso spannend muss es auf den Schützenfesten zugegangen sein, denn diese schob man aus triftigen Gründen von den Mai in den Sommer: „Im Mai war es oftmals noch so kalt, dass die Biergläser auf dem Tresen am nächsten Morgen angefroren waren.“

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben und wurde 1951 von 27 Mitbegründern wiederbelebt. In den folgenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl stetig, es wurde auch ein eigener Spielmannszug gegründet.

Das Königsschießen fand zunächst im Freien mit Luftgewehren statt, bis 1957 ein Kleinkaliberstand gebaut wurde. Gefeiert wurde in zwei großen Zelten, die von Vereinsmitgliedern mit Treckern und Wagen aus Nachbarorten abgeholt und selbst aufgebaut wurden.

So wie früher beim Zeltaufbau haben die Apelstedter über die Jahre immer wieder sehr viel Gemeinschaftssinn bewiesen. So kam das ganze Dorf ordentlich ins Schwitzen als im März 1970 der Schießstand baupolizeilich gesperrt wurde. Ausgerechnet ein paar Monate vor dem geplanten großen Jubiläumsschützenfest zum 50-jährigen Bestehen.

In Windeseile wurde ein neuer Schießstand gebaut, vorher mussten noch die Grundstückseigentümer einwilligen, Pläne erstellt, Genehmigungen eingeholt und Gelder locker gemacht werden. „Schließlich war es der tatkräftigen Mitwirkung aller Mitglieder zu verdanken, dass der Schießstand pünktlich fertig wurde und zwei Wochen vor dem Jubiläumsschützenfest eingeweiht werden konnte“, heißt es in der Chronik.

Von diesem Fest gingen sicherlich viele Besucher mit einem Ohrwurm nach Hause, denn Albert Meyer hatte kurz zuvor das „Lied der Apelstedter“ gedichtet – nach der Melodie von „An der Nordseeküste“.

Kurz nach dem großen Fest wurde 1971 die Damengruppe gegründet. Weghorst beschreibt ein langes „Hin und Her“ und „Für und Wider“. Dennoch eine gute Entscheidung, finden Tanja Guddat und Bianca Köhler.

Heute haben die Damen einen gleichberechtigten Platz im Verein, bekleiden wichtige Ämter und nicht selten Königswürden. „Es gab sogar schon mal ein Jahr, in dem alle drei Majestäten weiblich waren“, erzählt Bianca Köhler und zeigt einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1972.

„Wir hatten es auch schon zweimal, dass alle drei Könige aus einer Familie kamen, da waren dann alle drei Ehrenpforten hintereinander aufgestellt“, erinnert sich Tanja Guddat. „Mir fehlt dieses Jahr was“, gesteht die erste Vorsitzende. Nun wird die Hoffnung auf das große Jubiläumsschützenfest im nächsten Jahr gelegt. „Und wenn es dann noch Beschränkungen gibt, feiern wir erstmal in kleinem Rahmen – nur für uns.“ Gefeiert werde aber in jedem Fall.

Von Ute Schiermeyer

Blättern in alten Vereinsunterlagen (v.l.): Schriftführerin Bianca Köhler und die erste Vorsitzende Tanja Guddat.

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