Mindestlohn betrifft auch Saisonarbeit

Nüstedt: „Es geht ums Überleben“

Verkäuferin Manuela Müller weiß, was ihre Kunden schätzen: Frische und das Wissen um die Herkunft der Waren.
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Verkäuferin Manuela Müller weiß, was ihre Kunden schätzen: Frische und das Wissen um die Herkunft der Waren.

Bassum - Von Marvin Köhnken. "Wenn der Mindestlohn kommt, geht es für uns in einer langen Übergangszeit ums nackte Überleben." Mit Blick auf den im neuen Jahr in Kraft tretenden Mindestlohn hat sich Erdbeer- und Spargelanbauer Walter Nüstedt bereits Gedanken zur Zukunft seines Betriebes gemacht.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Branchen, für die der Mindestlohn in der Regel sofort gilt, besteht für Saisonarbeiter eine Übergangsfrist bis Ende 2016. Dennoch fühlt sich Direktvermarkter Christian Wichmann aus Bramstedt bereits deutlich unter Druck. „Im Herbst beschäftigen wir uns mit dem Thema“, sagt er. Vorher ist keine Zeit dazu.

Die beiden sind im besonderen Maß von der Neuregelung betroffen, weil sie ihre Ware nur mit großem Personalkostenaufwand ernten und verkaufen können. „Beim Beerenobst entfallen 70 Prozent der Kosten auf das Personal“, erklärt Walter Nüstedt.

Nüstedt beschäftigt fast 200 Saisonkräfte, Wichmann rund 900

W. Nüstedt

Der Bassumer beschäftigt fast 200 von dem neuen Gesetz betroffene Saisonkräfte – auf dem Feld sowie als Fahrer und Verkäufer. Rund 900 sind es auf dem Hof von Christian Wichmann. Beide Unternehmer zahlen vielen ihren Mitarbeiter bereits jetzt einen Stundenlohn von 7,50 Euro.

Für die meisten gilt dabei „brutto gleich netto“. Denn sie sind überwiegend kurzfristig beschäftigte Saisonkräfte aus dem Ausland oder Studenten im Ferienjob. Damit unterliegen sie nicht der Sozialversicherungspflicht – womit auch beide Seiten kein Problem haben.

C. Wichmann

Kommt nun der Mindestlohn, geschieht folgendes: Auf dem Papier haben alle –also auch Saisonarbeiter aus dem Ausland und studentische Aushilfen – einen Euro mehr pro Stunde auf dem Lohnzettel. Arbeiten sie jedoch länger als 70Tage im Jahr, werden sie automatisch sozialversicherungspflichtig – und haben dann netto nur noch grob geschätzte 6,20Euro.

Nüstedt und Wichmann befürchten dadurch Probleme. Vermehrte Kontrollen und schärfere Leistungsnachweise, die er in Folge eines gesetzlichen Mindestlohns erwartet, könnten empfindliche Störwellen verursachen. „Der Druck wird für alle wachsen“, befürchtet Wichmann. Denn durch den Mindestlohn wird automatisch auch die Ware teurer in der Produktion. Diese Mehrkosten ließen sich jedoch nicht einfach so über einen höheren Verkaufspreis wieder auffangen. Das gebe der Markt nicht her.

Schlagworte führen nicht immer zum besten Ziel

Und wie kann es nun weiter gehen?

„Wir reduzieren unsere Anbauflächen im neuen Jahr um 20 Prozent“, sagt Walter Nüstedt. „Zusätzlich verringern wir die Anzahl unserer Verkaufsstände und müssen uns von Mitarbeitern trennen, die zu wenig Umsatz machen. Alle anderen dürfen dann nur noch eine bestimmte Anzahl an Stunden pro Tag arbeiten. Wenn alle ihre Kapazitäten verringern, dann kann es klappen“, blickt Walter Nüstedt optimistisch in die Zukunft.

Mit der Art, wie der Mindestlohn durchgesetzt wird, ist er dennoch nicht einverstanden: „Schlagworte führen nicht immer zu der besten Lösung“, ist er sicher.

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