Norbert und Wilma Theben begünstigen Vereine

1,5 Millionen durch sechs

Bassum - Von Frauke Albrecht. Ein Zahnarztehepaar hat sechs Bassumer Vereinen rund 1,5 Millionen Euro vermacht. „Als ich das erste Mal davon erfuhr, musste ich mich hinsetzen“, erinnert sich ein Vereinsvertreter an die frohe Kunde. Dr. Norbert und Wilma Theben hatten keine Kinder und wollten ihr Vermögen nach ihrem Tod einem guten Zweck zur Verfügung stellen. Noch zu Lebzeiten entschieden sie sich, das Geld in ihren Heimatort zu investieren.

Wilma Theben ernannte sechs Begünstigte aus verschiedenen Bereichen. Über jeweils rund 250 000 Euro freuen sich der Kultur- und Heimatverein Bassum, der Förderverein zur Erhaltung der Stiftskirche und der dazugehörigen denkmalgeschützten Gebäude, der Förderverein des Tierparks Petermoor, der Verein zur Förderung des Fußballsports im TSV Bassum, die Bassumer Tafel sowie das Mütter-Kinder-Zentrum.

Die Nachricht vom Vermächtnis sorgte bei allen Beteiligten erst einmal für einen Schock – denn damit verbunden ist eine riesengroße Verantwortung. Dürfen wir das Geld annehmen? Was müssen wir beachten? Laufen wir Gefahr, unsere Gemeinnützigkeit zu verlieren? Sind Steuern zu zahlen? Solche Fragen mussten in der Vergangenheit geklärt werden. Nachlassverwalter, Stadt, Finanzamt und Anwälte wurden zu Rate gezogen.

Das Geld ist mittlerweile auf den Konten eingegangen. Da es sich um ein Vermächtnis handelt, ist es steuerfrei.

Einige Vereine haben schon ganz konkrete Pläne, andere überlegen noch. Die große Sorge vieler ist, dass sich eine Neiddebatte entwickelt. Und dass die Spendenbereitschaft nachlässt. Diese Befürchtung hat der Vorsitzende der Bassumer Tafel, Hartmut Stolte. „Es darf nicht dazu kommen, dass alle sagen: ,Die brauchen nun nichts mehr.’ Wir sind auf Spenden angewiesen, sonst können wir den Laden irgendwann schließen.“

Von dem Geld hat der Verein unter anderem ein Auto gekauft. Bisher nutzten die Mitglieder für Transporte aller Art die privaten Wagen. „Außerdem haben wir unser Mobiliar erneuert, Tiefkühltruhen, Lagerregale und eine Waschanlage gekauft“, so Stolte.

Der Förderverein des Tierparks Petermoor möchte einen Teil des Vermächtnisses in die Erneuerung der Gehege stecken. „Wir planen eine neue Felsensittichanlage“, sagt der Vorsitzende Dr. Ralph Schuder. „Wir überlegen auch, einen Klärteich anzulegen. Nach wie vor haben wir das Problem mit der Schlammbildung im See.“ Im September feiert der Tierpark 50. Geburtstag. Die Planungen für die Feier laufen. Bis dahin wird der Vorstand auch die weitere Verwendung des Geldes nennen können.

Die Verantwortlichen des Kultur- und Heimatvereins wollen das Verlies modernisieren. Die Hochzeitsterrasse bekommt eine Überdachung. Auch eine überdachte Ton- und Lichtsteuerung im Park, Rohrverbindungen zur Konzertbühne sowie ein Pavillon für Außenveranstaltungen sind nach Aussage von Claus Ulbrich in Planung.

Porsch: „Hoffe, dass kein Neid entsteht“

„Wir haben verschiedene Ideen, es ist aber noch nichts spruchreif“, meint Hermann Dierks vom Förderverein des Fußballsports im TSV Bassum. „Mit der ganzen Summe hätten wir den Kunstrasenplatz realisiert.“ Das Geld werde auf jeden Fall in die Infrastruktur investiert. In Kürze könne er Details benennen. Dierks freut sich riesig über das Vermächtnis. „Wir werden das Paar auf jeden Fall in irgendeiner Art würdigen.“ Wie das konkret aussehen werde, sei noch offen.

Der Förderverein zum Erhalt der Stiftskirche und der dazugehörigen Gebäude steckt einen Großteil der 250 000 Euro in die Sanierung des Altbaus am neuen Gemeindehaus. Die restliche Summe fließt sehr wahrscheinlich in die Stiftskirche. „Orgelsanierung wäre schön, aber auch die Restaurierung des Kirchenschiffs steht an“, nennt Knut Laemmerhirt wichtige Aufgaben.

„Für uns kommt ein Zeitungsbericht zu einem sehr ungünstigen Augenblick“, sagten gestern Henrike Gerling-Jacobs und Simone Böwe vom Vorstand des Mütter-Kinder-Zentrums auf Anfrage. Der Verein hat seine Mitglieder noch nicht informiert. Die Versammlung ist erst am 1. März. Der Vorstand habe konkrete Ideen erarbeitet und werde diese der Versammlung vorstellen – es profitieren das Mütter-Kinder-Zentrum und das Familienzentrum.

Bürgermeister Christian Porsch freut sich sehr, dass das Vermächtnis in Bassum investiert wird. „Ich bin sicher, dass alle Vereine im Sinne der Geber handeln werden.“ Er betont: „Ich hoffe, dass kein Neid entsteht. Alle anderen Vereine sollten sich mit den Begünstigten freuen, ganz Bassum profitiert davon.“ Auch er appelliert: „Alle Vereine benötigen auch weiterhin Unterstützung.“

Dr. Norbert Theben wurde am 9. Oktober 1924 geboren und starb am 5. November 2015. Seine Frau Wilma wurde am 10. Juli 1924 geboren und starb am 19. März 2016. Die Beisetzung fand in der Friedhofskapelle in Neubruchhausen statt.

Rubriklistenbild: © dpa

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