EM-Hymne aus der Lindenstadt

„80 Millionen“ – und ein Bassumer Kind

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David Jürgens, Komponist und Produzent von „80 Millionen“, hat bis zu seinem 24. Lebensjahr in Bassum gelebt.

Bassum/Berlin - Von Frank Jaursch. Es ist DIE Hymne der Deutschen während der Fußball-EM: „80 Millionen“ erstürmt spätestens seit Beginn der Europameisterschaft die Herzen der Fans. Am Freitag schoss der Song von Max Giesinger bis auf Platz zwei der deutschen Charts, verfehlte die Spitzenposition nur hauchdünn. Ein „Bassumer Kind“ hat entscheidenden Anteil am Entstehen des Superhits: David Jürgens ist einer der Komponisten und Produzent von „80 Millionen“.

Der 37-Jährige hat seine Kindheit und Jugend in Bassum verbracht, lebte hier bis 2002. Und bekam hier auch seine musikalische Grundausbildung verpasst: „Ich hab im Kinderchor gesungen und hatte Klavierunterricht bei Herrn Rohlfing“, erinnert sich Jürgens im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Der Musik blieb Jürgens immer verbunden – auch als er mit 23 Jahren zum Studieren nach Bremen zog. Dort gründete er mit anderen Musikern die Band Paulsrekorder. Die spielte ein paar Jahre lang „so’n bisschen unerfolgreich“ (Jürgens) in der Republik herum, hat immerhin unter anderem einen Auftritt bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest 2008“ in der Vita stehen. In David Jürgens wuchs in dieser Zeit die selbstkritische Erkenntnis: „Andere können Emotionen einfach besser durch Texte transportieren als ich.“

Vom Mikro zum Mischpult

Also wechselte er die Position: Statt vorm Mikro zu stehen, saß er fortan am Mischpult, komponierte und produzierte für andere Sänger. Christina Stürmers „Wir leben den Moment“ wurde 2010 dann für ihn zum Türöffner in die Musikwelt: Der Titel hielt sich zwölf Wochen lang in den deutschen Charts. „Da wurde die Verlagswelt offenbar auf mich aufmerksam“, blickt Jürgens zurück.

In den folgenden Jahren gesellten sich weitere Erfolge hinzu. „I’m Here“ von X-Factor-Sieger David Pfeffer wurde 2011 zum Top-Ten-Hit, Glasperlenspiels „Freundschaft“ stieg 2012 bis auf Platz 17. Für mehrere Til-Schweiger-Filme, unter anderem „Honig im Kopf“, produzierte und komponierte er im Team mit anderen die Musik. Und für Mark Forster komponierte er „Flash mich“ – der Song gehörte 2015 zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Stücken.

Eine recht beeindruckende Liste also. Das überwältigende 80-Millionen-Gefühl allerdings ist auch für Jürgens neu. „Als wir mit der EM-Version des Songs in den iTunes-Charts innerhalb weniger Stunden von Null auf Fünf einstiegen, ist uns die Kinnlade heruntergefallen“, erzählt der 37-Jährige lachend.

Erfolg aus heiterem Himmel

Er berichtet von der gemeinsamen Demo-Session, die zu dem Titel führte: Max Giesinger selbst war es gewesen, der – frisch verliebt – die Idee zum Song hatte. Am Ende des Tages („Max hat das Lied im Studio nie wieder so gut gesungen“) stand ein fast fertiges Demo. Das trug die Emotionen des Liedes so gut, dass man ihm am Ende den Vorzug vor einer weitaus aufwändiger produzierten Version des Stückes gab.

Der Rest kam wie aus heiterem Himmel. „80 Millionen“ übertraf alle Erwartungen. Und als ein paar Zeilen fußballkompatibel umgetextet wurden, war die EM-Hymne entdgültig nicht mehr zu stoppen. „Es ist krass, wenn du irgendwo stehst, und um dich herum singen tausende Menschen diesen Song“, so Jürgens.

Das Hochgefühl versucht Jürgens „so gut wie möglich abzuspeichern“ – in dem Wissen, dass sich so ein Erfolg nicht planen lässt. Der Titel und seine anderen bisherigen Erfolge dienen David Jürgens aber auch als Fingerzeig, „dass ich wohl irgendwas richtig machen muss“.

Längst wohnt das Bassumer Kind in Berlin – ein Zugeständnis an seinen Beruf. Eigentlich, so gibt er zu, „bin ich ein Landei. Ich mag es, wenn ich abends das Licht ausmache, und es ist so dunkel, dass man die Sterne sieht. Das gibt’s in Berlin ja eher selten.“

Regelmäßig kommt Jürgens in die Heimat seiner Jugend zurück, besucht seine Familie. „Und ich fühle mich jedesmal wieder zu Hause.“

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