Ein Tag beim Milchbauern: Tiere bestimmen den Lebensrhythmus von Henning Böse aus Bassum

Volontärs-Tour: Wenn der Wecker klingelt, warten die Kühe

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Milchbauer Henning Böse und sein Sohn Jannes kümmern sind um 100 Milchkühe.

Bassum - Von Ove Bornholt. Das Landvolk Mittelweser hat die Volontäre (also die Auszubildenden zum Redakteur) der Mediengruppe Kreiszeitung eingeladen, den Schweinehof von Ulrike und Gerd Wohlers in Bassum-Hallstedt und den Milchviehhof von Henning Böse in Bassum-Bramstedt zu besichtigen, um neutral zu informieren.

Die Nacht endet für Milchbauer Henning Böse jeden Morgen um 5.15 Uhr: Dann steht der Landwirt im Bassumer Ortsteil Bramstedt auf, um eine Viertelstunde später seine gut 100 Milchkühe zu melken. Wenn er sich gegen 8 Uhr an den Frühstückstisch setzt, hat er also schon knapp drei Stunden Arbeit in den Knochen. Sein Betrieb umfasst 170 Hektar, was in etwa 238 Fußballfeldern entspricht. Die Frau des 53-Jährigen arbeitet 25 Stunden die Woche als Erzieherin und hilft auf dem Hof aus, füttert zum Beispiel frühmorgens die Kälber. Henning Böse widmet seine ganze Zeit dem Betrieb, stellt also im Bürokratendeutsch eine ganze Arbeitskraft, sprich 1,0. Für seine Frau weist der Betriebsspiegel eine Arbeitskraft von 0,2 aus. Sohn Jannes (22) lernt das Bauern-Handwerk, geht zur Fachschule und kommt so auf einen Arbeitskraft-Wert von 0,6. Dazu helfen eine Melkerin und ein Mechaniker (beide 0,2) als Minijobber. Böse und sein Sohn gönnen sich aber auch Pausen. Eine feste Mittagspause von 12 bis 13 Uhr gehört genauso dazu wie das regelmäßige Kaffeetrinken, bevor um 16 Uhr das zweite Melken ansteht. Und sonntags versuchen Vater und Sohn, sich mit dem frühen Melken abzuwechseln, damit einer mal ausschlafen kann.

Wenn alles glatt läuft – also Füttern, Maschinen warten, Feldarbeiten wie Überschleppen, Düngen oder Pflügen, sowie die Büroarbeiten zwischendurch – sitzt Henning Böse um 18.45 Uhr „frisch geduscht am Abendbrottisch“. „Das ist der normale Wahnsinn“, sagt er zu seinem Arbeitstag. Unnormal wird‘s, wenn zum Beispiel das Silofahren ansteht. Dann wird auch bis spät in die Nacht gearbeitet. Den Kühen ist‘s egal, am nächsten Morgen müssen sie trotzdem um 5.30 Uhr gemolken werden. Trotz der vielen Arbeit habe er „normale Hobbys wie andere auch“, betont Henning Böse. Er geht gern ins Weser-Stadion, besucht Bekannte oder „ich mache einfach mal nichts, fahre ein bisschen mit dem Rad“. Sohn Jannes tanzt auch auf ein paar „Hochzeiten“: Er ist Mitglied im Schützenverein, bei der Jugendfeuerwehr, der Dorfjugend und fiebert auch bei den Spielen des TSV Bramstedt mit, den er wegen einer Knieverletzung nicht mehr aktiv unterstützen kann.

Und was bleibt bei der ganzen Arbeit über? Genaue Zahlen nennt Henning Böse nicht. „Wir müssen verdienen“, sagt er und räumt ein: Landwirte würden manchmal auf hohem Niveau stöhnen. „Aber wir wollen ja investieren und Rücklagen bilden.“ Er arbeite für die Alterssicherung, denn die Pflichtversicherung für Bauern zahle nur 450 Euro pro Monat aus. Die Statistiken weisen laut Landvolk für landwirtschaftliche Betriebe in der Mittelweser-Region Brutto-Einnahmen pro Familienarbeitskraft von 49 000 Euro im Landwirtschaftsjahr 2012 / 13 und 40 100 Euro 2013 / 14 aus. Davon gehen Steuern, Sozialversicherungsabgaben und betriebliche Investitionen ab. Ist der Landwirt glücklich mit seinem Leben? „Doch. Bin ich schon. Aber ich sehe die Zukunft mit mehr Sorge als noch vor zehn Jahren“, sagt der 53-Jährige.

Volontäre der Mediengruppe Kreiszeitung auf Bauernhof-Besuch

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