Michael Rayher auf der Kulturbühne

Spuckespuren am Piano

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Michael Rayher interpretierte Georg Kreisler.

Bassum - Von Dagmar Voss. An ein mutiges Unterfangen machte sich am Freitagabend der Pianist und Sänger Michael Rayher mit seiner kammermusikalischen Interpretation von Georg Kreislers „Everblacks“. Der Wahlbremer gastierte auf Einladung des Bassumer Kulturforums und unterhielt das – leider eher überschaubare – Publikum mit genialem Klavierspiel und gekonnter Sangeskunst weit mehr als zwei Stunden lang.

Zu den wohlvertrauten Stücken wie „Als der Zirkus in Flammen stand“ oder „Der Musikkritiker“, „Zwei alte Tanten tanzen Tango“ oder „Der gute alte Franz“ gesellten sich solch herrlich bittersüße Lieder wie „Bidla Buh“, dem wienerischen Äquivalent zu Hannovers Harmann mit dem Hackebeilchen.

Die Anmerkungen des gebürtigen Schwaben Rayher zu den Stücken, mal amüsant, mal satirisch-böse,fußen auf seinem lange währenden Gefallen am Österreicher Kreisler, auf persönlichem Kennen und jahrelanger Korrespondenz seit Anfang der 70er-Jahre mit dem Meister der Sprache, Mimik und Gestik.

Nicht ganz schwäbisch erzählte Rayher, dass ihn insbesondere die Verbindung von Klassik, Marschmusik, Parodie, Swingjazz undbeißendem Wortwitz faszinierte. Damals wären noch keine Noten verfügbar gewesen, also vertiefte er sich immer wieder in das Hören alter Platten, konzentrierte sich zuerst auf den Text, dann auf die Harmonien, um schließlich den dramatischen Zusammenhang zu erfassen. Als er sein großes Vorbild zum Vorspielen traf, lautete dessen Kommentar, das habe er zu kompliziert gestaltet.

Im lockeren Plauderton, dabei immer mal das Taschentuch auswringend, das er für die Stirn oder das Reinigen seiner Spuckespuren am Piano brauchte, erfuhren die Zuhörer vom Leben des kompromisslosen Kritikers an Gesellschaft und Politik. Davon, wie sich die Verfolgung der Juden in Wien gestaltete, Kreisler in die USA gelangte und Mitte der 50er-Jahre zurück-kehrte.

Kreislers Lieder zeichnen sich durch hintergründigen, oft schwarzen Humor und harte Kritik an den herrschenden Zuständen in Gesellschaft und Politik aus. Und das gab Rayher auf seine ganz eigene Weise wieder, für Kreisler-Fans manches Mal gewöhnungsbedürftig. „Er ist für mich eine Koryphäe mit seiner Karikatur der Menschen“, erklärte der Schwabe und war selbst auch schon eine mit seiner professionellen Tastenbeherrschung und der nicht gerade unkomplizierten Wiedergabe von Kreislers Werken.

Ab und an wandte sich Rayher an einen ehemaligen Schulfreund aus Schwaben, den Dieker Ulli, der im Publikum saß. Oder es gab zur Abwechslung auch mal einen Text von Robert Gernhard. Als Zugabe konnten sich die Konzertgäste dann auch noch am „Tauben vergiften im Park“ erfreuen.

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