Mit 66 ist lange nicht Schluss

Dr. Michael Garving feiert 30-jähriges Praxisbestehen 

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Dr. Michael Garving (2.v.r.) und Dr. Christoph Lanzendörfer (3.v.l.) mit ihrem Praxisteam.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran“, sang einst Udo Jürgens. Auf Dr. Michael Garving passt diese Beschreibung genau. Der 66-Jährige ist sehr zufrieden mit sich und seinem Leben und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Am Samstag feiert er sein 30-jähriges Praxisbestehen und sagt: „Ich freue mich jeden Tag, hierher kommen zu können, und so soll es auch bleiben.“

Die nächsten fünf oder sechs Jahre will er auf jeden Fall noch weitermachen. Solange will auch sein Praxiskollege Dr. Christoph Lanzendörfer arbeiten. „Wir gehen dann gemeinsam in den Ruhestand“, so der Plan der beiden. Sie hoffen, dass sich bis dahin ein kompetenter Nachfolger für die Praxis findet.

15 Jahre Partnerschaft mit Dr. Lanzendörfer

Seit 15 Jahren arbeiten sie zusammen. „Das hat damals keiner für möglich gehalten“, schmunzelt Lanzendörfer. Kollegen hätten ihnen prophezeit: „Ihr macht kein halbes Jahr zusammen.“ Zu unterschiedlich seien ihre Ansichten. Doch Gegensätze ziehen sich an. „Wir sind wie Yin und Yang“, scherzt Lanzendörfer. „Wir ergänzen uns sehr gut“, bestätigt Garving.

Er ist froh, damals die Entscheidung getroffen zu haben, einen Partner in die Praxis zu nehmen. Mit einer Flasche Grappa habe er bei dem Kollegen geklingelt und ihn überredet. Lanzendörfer arbeitete damals in Vechta im Krankenhaus. Auch er habe den Schritt nicht bereut.

Die Partnerschaft hat viele Vorteile. Neben der medizinischen Ergänzung – Garving ist Allgemeinmediziner, Lanzendörfer Internist – sei es vor allem die Arbeitsteilung gewesen, die Garving zur Zusammenarbeit veranlasst hat.

Kein Fehltag zwischen dem 36. und dem 50. Lebensjahr

„Ich habe zwischen dem 36. und 50. Lebensjahr keinen Tag gefehlt. Ich habe jeden Tag gearbeitet und nachts nur vier Stunden geschlafen. Da fragt man sich als Selbstständiger: ,Was ist, wenn du mal krank wirst?’“

Auch wenn für den 66-Jährigen die Praxis mehr ist als nur Beruf – „neben der Familie ist es sein Leben“, sagt Lanzendörfer über seinen Kollegen – war der Dauerdienst sehr belastend.

„Früher gab es keine Notdienst-Regelung“, erinnert sich Garving. „Wenn ich beispielsweise ins Theater wollte, musste ich vorher einen Kollegen fragen, ob er den Nachtdienst übernimmt.“ – „Aber wenn Sie jemandem das Leben retten, diese Momente vergessen Sie nie.“ Ein Asthma-Patient drohte zu ersticken. Im Halbdunkel der Küche zog Garving die Spitze auf, setzte sie und spürte die Entspannung. Die dankbaren Augen und das „Danke Doktor“ würden die fehlende Nachtruhe wett machen.

Spitzname in der Schule? - „Doc“

Garving entstammt einer Arztfamilie. „Mein Bruder, übrigens auch Arzt, und ich haben meinen Vater schon als Kinder zu Hausbesuchen begleitet. Mein Spitzname in der Schule lautete Doc.“ Obwohl sein Vater mit 51 Jahren an einem Herzinfarkt starb, trat Garving in dessen Fußstapfen und übernahm nach dem Studium und der Facharztausbildung die väterliche Praxis – damals noch am Mühlenweg.

„Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich mit 315 Scheinen nach dem ersten Quartal nach Verden zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gefahren bin, um diese abzugeben. Das mussten wir noch persönlich tun“, erzählt er. Auf dem Parkplatz traf er einen Augenarzt, der ebenfalls sein erstes Quartal hinter sich hatte. Während Garvings Scheine in einen Briefumschlag passten, hatte besagter Augenarzt einen ganzen Schuhkarton unterm Arm. „Was ich damit sagen will, ist, es hat sich langsam entwickelt.“

80 Prozent der Notfälle sind keine Notfälle

Der Durchgang der Patienten habe sich seitdem verdreifacht. Das liege unter anderem auch daran, dass heute die Familie nicht mehr greife, ist der Arzt überzeugt. „Früher hat Oma einen Halswickel gemacht und den Kranken ins Bett geschickt. Heute gibt es die Großfamilie nicht mehr. Der erste Gang führt zum Arzt.“

Zu seinem Bedauern würde häufig auch die Notdienstsprechstunde unnötig aufgesucht. „Das ist schon ärgerlich. Da geht man mit Handy aufs Klo, weil jederzeit ein wirklicher Notfall anrufen kann. Und dann meldet sich einer, weil der Fußpilz juckt.“ 80 Prozent der Fälle seien keine wirklichen Notfälle, bestätigt auch Lanzendörfer.

Auf eines ist Garving besonders stolz. Er war es, der 2002 das Ärztehaus an der Marie-Hackfeld-Straße begründete. „Die Idee war, möglichst viele Ärzte unter einem Dach zu vereinen, und zwar in der Nähe des Krankenhauses.“ Das habe geklappt. Damals hätten sie noch den Chefarzt anrufen können: „Du, wir haben hier einen Verdacht auf akute Blinddarmentzündung, komm’ doch mal rüber.“ Und der Kollege kam.

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