Menschen mit Handicap sollen Zukunft gestalten/Info-Abend

Das Leben planen – und zwar selbst

+
Schritt für Schritt die eigene Zukunft planen – trotz Handicap: Superintendent Klaus Priesmeier und Mechthild Strake (v.l., sitzend) sowie Katrin Kurtz, Ortwin Stieglitz, Heiko Bergmann und Christian Habl begutachten einen Entwurf.

Bassum/Twistringen - Von Anke Seidel. Für den einen ist es die Teilnahme am New-York-Marathon, für den anderen ein eigenes Zuhause oder der Führerschein: Menschen mit Handicap haben Träume. Aber viel zu oft dürfen sie ihr Leben nicht selbst planen und bestimmen.

Genau das wollen die Stiftung Waldheim Cluvenhagen und das Aktionsbündnis Inklusion im Landkreis Diepholz (ein Zusammenschluss aus fünf Institutionen) gemeinsam ändern: Sie laden für Donnerstag, 12. Februar, zu einem Informationsabend über die persönliche Zukunftsplanung ein.

Das Prinzip: Trotz ihrer Beeinträchtigungen sollen Betroffene ihre Lebensziele selbst bestimmen und festlegen. Gemeinsam mit Begleitern und Moderatoren legen sie Etappenziele fest, die immer wieder überprüft werden.

„Inklusion als Recht – Zukunftsplanung als Weg!“ lautet die Maxime für diese neue Möglichkeit der Selbstbestimmung, von der mindestens 1000 Menschen mit Handicap im Landkreis Diepholz profitieren können. „Eigentlich alle!“, meint Superintendent Klaus Priesmeier (Diepholz). Er fordert alle Menschen auf, anders über Inklusion zu denken: „Inklusion ist keine Integration, sie denkt vom Menschen her.“ Deshalb sei es wichtig, „erstmal den Menschen kennenzulernen – und das, was er will!“

Heiko Bergmann von der Stiftung Waldheim hat bereits mit Betroffenen nach dieser Methode gearbeitet – und überraschend gute Erfolge erlebt, erklärt er. Zum Beispiel mit einem jungen Mann, der für eine Urlaubsreise zuerst ein Sparbuch anlegen musste. Persönliche Zukunftsplanung – diese Methode eigne sich besonders gut an der Nahtstelle zwischen Schule und Beruf. Sie könne auch Basis für einen Hilfeplan im Rahmen der Eingliederungshilfe sein.

„Man kommt immer an Punkte, an denen man sich neu orientieren möchte“, so Katrin Kurtz als Vorsitzende des Kreiselternrates. Mechthild Strake, Vorsitzende des Kreisbehindertenrates, weiß: „In allen Bereichen müssen Ängste überwunden werden“. Gerade bei älteren Eltern, die ihre behinderten Kinder beschützen möchten und für die Selbstbestimmung eine Herausforderung ist. „Inklusion ist viel mehr als Schule“, sagt Ortwin Stieglitz (Kreisverband SoVD) und fordert „mehr zuzulassen bei Menschen mit Behinderungen“.

Wen wollen die Vertreter dieser Organisationen sowie Christian Habl (Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege) am 12. Februar in Twistringen begrüßen?

„Menschen mit Behinderungen würden wir sehr gern sehen“, antwortet Mechthild Strake – ebenso deren Eltern, aber auch Mitarbeiter in den Wohnheimen und Werkstätten, Lehrkräfte aus den Förderschulen. Spannend wäre dieser Abend ebenso, so Heiko Bergmann, für Mitarbeiter des Landkreises in der Eingliederungshilfe – letztlich aber für alle Interessierten.

Anmeldungen für den Abend nehmen Katrin Kurtz unter Tel. 04203/2338 und Mechthild Strake unter E-Mail (mechthild.starke@gmx.de) entgegen.

Die Idee der persönlichen Zukunftsplanung von Menschen mit Behinderungen kommt aus Nordamerika. In Deutschland gibt es bereits ein Netzwerk dafür. Dessen Vorsitzender, Dr. Stefan Doose, referiert am Donnerstag, 12. Februar, ab 19 Uhr im Twistringer Rathaus. Einleitend spricht Superintendent Klaus Priesmeier. Der Gebärdenchor Oldenburg umrahmt die Veranstaltung. Auch Gehörlose können teilnehmen: Zwei Dolmetscherinnen übersetzen den Vortrag in die Gehörlosen-Sprache.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Neuengland is(s)t mehr als Clam Chowder

Neuengland is(s)t mehr als Clam Chowder

Was mit dem Alkohol im Essen passiert

Was mit dem Alkohol im Essen passiert

Der Renault Captur zeigt Sinn fürs Praktische

Der Renault Captur zeigt Sinn fürs Praktische

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Meistgelesene Artikel

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Amateurfußball-Stickerspaß: Drei Vereine, ein Sammelalbum

Amateurfußball-Stickerspaß: Drei Vereine, ein Sammelalbum

Geyer: „Kein Klärschlammproblem“

Geyer: „Kein Klärschlammproblem“

Kommentare