Meister der schönen Worte

Heinz-Erhardt-Abend ohne viel Schnickschnack

+
Groß, dünn, aber das Publikum glaubt ihm jedes Wort: der neue Heinz Erhardt, allias Thomas C. Zinke.

Bassum - Von Angelika Kratz. Warum die Zitronen sauer wurden, fragt sich die Welt zumindest seit Heinz Erhardts Erklärungen mit einem hoffnungsvollen Kribbeln auf mehr geistreichen Humor in Reimen. Am Donnerstag kam die Fangemeinde des 1979 verstorbenen Ausnahmekomikers mit seinem wachen Blick auf die Kleinigkeiten des täglichen Lebens nicht nur wortreich auf volle Kosten. Schauspieler Thomas C. Zinke und Pianist Hauke Scholten erweckten Heinz Erhardt abseits aller körperlichen Ähnlichkeiten zum Leben und zeigten zudem noch dessen für manchen sicherlich verborgene Seiten der Musik.

„Oh ist der groß und ein wenig dünn“, konstatierte Gudrun Lösche beim Anblick des „neuen“ Heinz Erhardt zur Begrüßung. Der erste Eindruck von Thomas C. Zinke und den kleinen oder großen Unterschieden der körperlichen Ausstattung sollte schon nach kurzer Zeit zu den Akten gelegt werden, denn Zinke schlüpfte zunehmend perfekt in die Rolle seines kleinen und eher rundlichen Vorbildes.

Da half schon mal ein Theaterbauch, der, wie die dicke schwarze Brille, mit den anderen wenigen Requisiten an einem nostalgischen Garderobenständer hingen. Ein Meister der schönen Worte braucht nicht viel Schnick-Schnack als Bühnenbild, das sich das geneigte Publikum ohnehin mit vielen Lachfalten selber gestaltete.

Los ging das gut dreistündige Programm mit dem promovierten Wissenschaftler Professor Agamemnon Steinwurf-Haslingen. Ein Name, der nicht nur zarte Kinderseelen, sondern auch die von Erwachsenen zerstören kann, wie der Professor schließlich gesanglich zugab. Aber zum Glück des Publikums ging er nicht theatralisch ins Wasser, sondern setzte seine Ausführungen auf den Bühnenbretter fort.

Herrlich komische Liebesgedichte

Thomas C. Zinke begeisterte mit vielen Facetten zwischen dem Tanz mit einem Notenständer, nicht allzu ernsten, aber herrlich komischen Liebesgedichten und einem Ausflug in die klassische Literatur.

Da wurden die vielen „sch-Laute“ bereits zum köstlichen Hindernis und „Knippersmann oder Rapp“ galoppierten davon, denn keiner wollte bei Heinz Erhardts Version von Friedrich Schiller sich als Taucher in die tosenden Fluten stürzen. So liegt der Becher eben noch unten und die hässliche Tochter blieb ohne Freier.

Keine Angst vor großen Tieren hatte Heinz Erhardt nicht nur in der Literatur. Erst Ende 1990 wurden von seinem Sohn Gero viele unbekannte Kompositionen auf dem heimischen Dachboden entdeckt. Schließlich war Erhardt Sohn eines Kapellmeisters und Enkel eines Musikalienhändlers gewesen.

Der Streifzug auf den Tasten des Steinway & Son Flügels mit Hauke Scholten eröffnete zur Überraschung den sehr begabten Notenschreiber Heinz Erhardt. Natürlich wieder mit einem Augenzwinkern zum Walzer eines Wahnsinnigen oder dem Zusammenschluss aus Mozart und Beethoven.

Made ist natürlich auch dabei

Die allseits bekannte Made durfte natürlich nicht fehlen, aber ansonsten boten sich dem zunehmend aus dem Häuschen kommenden Publikum eher unbekannte Werke von Heinz Erhardt.

„Jedes Wort und jede Note sind von ihm“, mochte man eigentlich kaum glauben, denn Thomas C. Zinke und Hauke Scholten gelang es, eine tolle Mischung aus Musik, Gedichten und Gesang zusammenzustellen. Heinz Erhard hätte sich sicherlich darüber gefreut, das Bassumer Publikum tat dies auf jeden Fall und forderte zwei Zugaben ein. Auch danach wollte eigentlich keiner gehen, aber es war bereits 23 Uhr und die Lichter mussten auch für die beiden sehr überzeugenden Akteure auf der Bühne ausgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Einweihungsfeier der neuen Dorfstraße in Neddenaverbergen

Einweihungsfeier der neuen Dorfstraße in Neddenaverbergen

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

Viel Wein – und sehr viel Regen

Viel Wein – und sehr viel Regen

Kommentare