Eiche, Ahorn, Buche und Co. leiden unter der langen Trockenheit

Mein Freund, der Baum ist im Dauerstress

Frank Voss kontrolliert den Stamm genau.
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Frank Voss kontrolliert den Stamm genau.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Dass etwas mit dem Ahorn an der Straße Bünte nicht stimmt, fällt selbst einem Laien auf. Nur wenige grüne Blätter finden sich an den Ästen. Die Krone wirkt kahl. Ein Baum wie im Herbst – dabei ist Sommer. Frank Voss vom Bauhof mustert den Stamm.

An einer Stelle findet sich ein schwarzer Fleck, aus dem eine dunkle Flüssigkeit entweicht, die bereits getrocknet ist. „Das ist ein Ausfluss, der darauf hinweist, dass sich Bakterien in dem Baum eingenistet haben“, erläutert der Baum-Beauftragte. „Wenn man so etwas findet, heißt das zwar noch nicht, dass ein Baum gefällt werden muss, aber es zeigt, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist.“

Voss geht weiter auf Spurensuche. An einer anderen Stelle ist etwas Rinde abgerieben. „Da ist wohl kürzlich einer mit dem Auto gegengekommen“, vermutet er. Doch viel mehr Sorgen macht ihm der lange Riss, den er in der Rinde findet. Der Baum-Beauftragte zückt ein Messer, sticht hinein und kann ein großes Stück mühelos abhebeln. Damit hat sich der schlimmste Verdacht bestätigt: „Der ist nicht mehr zu retten“, urteilt Voss. „So tiefe Risse hat ein Stamm normalerweise nicht und bei einem gesunden Baum kann man die Rinde auch nicht so leicht abhebeln.“

Voss blickt in die kahle Krone. Die Ahorn-Bäume machen bei diesem trockenen Wetter eine harte Zeit durch, denn sie gehören zu den Flachwurzlern, können also nicht so tief in das Erdreich dringen, um sich mit Wasser zu versorgen. Und zu wenig Wasser bedeutet Stress für die Bäume. „Die sind wie Menschen: Wenn wir Stress haben, sind wir auch anfälliger für andere Krankheiten“, sagt Voss.

Aber auch die Birken und Buchen haben in diesen trockenen Sommern nichts zu lachen. „Die Buchen haben nur wenig Laub, so sind die Äste der prallen Sonne ausgeliefert. Wegen ihrer dünnen Rinde holen sie sich tatsächlich einen Sonnenbrand. So kann ein Pilz eindringen, der das Holz zersetzt. Der Baum stirbt“, erläutert Voss. Bei jungen Bäumen werden deswegen manchmal die Äste mit einer weißen Farbe bepinselt oder der Stamm mit einer Strohmatte umwickelt.

Der Ahorn ist nicht mehr zu retten. Foto: Kreykenbohm

„Es wird immer schwieriger, einen Baum großzuziehen“, bemerkt Bauhofleiter Klaus Ehlers. Denn in dem Maße, in dem die Witterung ihnen schadet, tut sie Lebewesen wie Borkenkäfern, Eichensplintkäfern oder auch Eichenprozessionsspinnern gut. Die mögen die trockenen, heißen Phasen und fallen über die geschwächten Bäume her.

Um mehr als 10 000 Bäume kümmert sich der Bauhof Bassum. Jeder Einzelne wird innerhalb eines Jahres einer gründlichen Kontrolle unterzogen. Dazu zählen auch Ulmen, Linden und überwiegend Eichen. „Darüber sind wir froh“, sagt Ehlers. Denn die Eiche erweist sich derzeit als noch recht klimaresistent, weil sie tief wurzelt.

Darum ist schon fast beschlossen, dass an der Stelle, wo jetzt der sterbende Ahorn steht, bald eine junge Eiche ihren Platz bekommt. Der Bauhof fällt die Entscheidung, ob ein Baum wegkommt oder nicht, nie leichtfertig. Ist die Lage nicht sicher, ziehen sie Experten hinzu. Doch in diesem Fall ist die Sache klar. Auch eine Fichte wird demnächst gefällt werden müssen, weil der Borkenkäfer sich in ihr eingenistet hat. „Normalerweise verschließt die Fichte die Löcher, die der Borkenkäfer bohrt mit Harz. Doch der Baum ist so trocken, dass er das nicht mehr schafft.“

Voss und Ehlers steigen in ihren Wagen und fahren weiter. Ehlers weist auf die Birken am Straßenrand. „Da kann man die Trockenschäden schon gut sehen.“ Um die jungen Bäumchen zu unterstützen, hängt der Bauhof sogenannte Treegator an den Stamm, also große, grüne Säcke, die mit Wasser gefüllt sind. Dort sind ein paar Löcher drin, die über mehrere Stunden Wasser abgeben. 60 Liter passen in seinen Sack.

Dass das aber noch kein Garant ist, dass aus den kleinen große starke Bäume werden, zeigt ein Besuch auf einem Feldweg, an dem mehrere drei Jahre alte Eichen stehen. Ehlers zeigt in die Krone, wo weißes Gespinst, das an Spinnenweben erinnert, zu sehen ist. „Da hat sich der Eichenprozessionsspinner verpuppt“, erklärt er und Voss zeigt ein Foto aus Neubruchhausen, wo die Raupen dicht beieinander über einen Stamm wuseln.

„Der Eichenprozessionsspinner mag die Wärme“, sagt Voss. „Abends krabbelt er in die Kronen, frisst und verpuppt sich dort.“ Und der Besuch dieser Raupe ist nicht nur für die Bäume gefährlich, sondern auch für Mensch und Tier. Seine Brennhaare lösen allergische Reaktionen aus. Deswegen kommt noch in dieser Woche eine Firma vorbei, schaut sich die Sache an und saugt die Raupe von den Bäumen.

Voss ist seit sechs Jahren Baum-Beauftragter des Bauhofs. Sein Fazit zur Gesundheit der Bassumer Bäume: „Es geht noch. Wir können uns noch nicht beklagen, aber müssen uns Gedanken machen, wie wir den Bäumen helfen können. Wenn das noch ein paar Jahre so weiter geht, wird es düster. Vor Kurzem habe ich einen Grünabbruch beobachtet – allerdings in Syke – der normalerweise nur im Hochsommer vorkommt, wenn es knochentrocken ist.“

Wer mag, kann den Bäumchen auch helfen. „Wenn die Bassumer einen jungen Baum vor ihrer Tür haben, dürfen sie ihm gern Wasser geben“, sagt Ehlers.

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