Einstimmiges Votum im Ausschuss

Bedarfsplan: „Mehrwert für die Feuerwehr“

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Innerhalb von zehn Minuten muss die Feuerwehr im bebauten Stadtgebiet am Einsatzort sein.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Mehr Personal, mehr Fahrzeuge und ein Umbau der Feuerwehrhäuser – das sind unterm Strich die wichtigsten Aussagen des Feuerwehrbedarfsplans, der am Donnerstagabend vom Ausschuss für Öffentliche Sicherheit und Ordnung auf den Weg gebracht wurde. Das Gremium demonstrierte Geschlossenheit – nahm den Plan einstimmig zur Kenntnis und stimmte den vorgeschlagenen Schutzzielen (siehe Kasten) zu.

Zuvor hatten Bürgermeister Christian Porsch und der Erste Stadtrat Norbert Lyko den Hintergrund des Planes erläutert. Es sei in erster Linie um Rechtssicherheit gegangen. Der Feuerwehrbedarfsplan listet detailliert auf, was Feuerwehren an Ausrüstung und Ausstattung benötigen, um ihre Arbeit entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen auszuüben. So könne der Kommune im Klagefall kein Organisationsverschulden vorgeworfen werden.

Lyko betonte, dass der Plan nicht statisch sei, sondern fortgeschrieben werde. Das Konzept beinhalte Pflichtaufgaben und freiwillige Aufgaben, die je nach Haushaltslage umgesetzt werden.

Das Interesse an der Sitzung war groß, das zeigten die vielen Zuhörer im Rathaussaal. Fast alle Ortsbrandmeister der Stadt Bassum waren anwesend, ebenso weitere Angehörige der Feuerwehr sowie der Kreisbrandmeister Michael Wessels und sein Stellvertreter Hartmut Specht. Bassum ist die erste Kommune im Landkreis, die einen solchen Bedarfsplan verabschiedet.

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Gutachter Manfred Fennen stellte für die Zuhörer das Ergebnis seiner Arbeit im Schnelldurchgang vor: Der Brandschutzingenieur habe eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen und anhand der vorhandenen Risiken den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand der Feuerwehr verglichen. Herausgekommen ist: Die Feuerwehr Bassum ist insgesamt gut aufgestellt. Aber es gibt Defizite. Diese müssen abgebaut werden. Einige kleine Ortsfeuerwehren würden langfristig schwächeln.

Investition in die Infrastruktur

Vorrangig müsse die Stadt in die Infrastruktur investieren. Bis auf Apelstedt entspricht keines der Feuerwehrhäuser den gesetzlichen Anforderungen. Der Gutachter empfiehlt die Aufstellung einer Prioritätenliste. Außerdem listet er nötige Fahrzeuganschaffungen für die nächsten fünf Jahre auf. Bassum benötige seiner Meinung nach ein Sonderfahrzeug für Industriebrände – zum Beispiel ein TLF 4000.

Das Bramstedter Fahrzeug halte er für nicht ausreichend. Fennen schlägt vor, das Bassumer Löschfahrzeug LF10 nach Kauf des TLF 4000 nach Bramstedt zu verlegen; und das Bramstedter nach Wedehorn. Damit die Fahrzeuge dort Platz finden, müssen die Feuerwehrhäuser entsprechend umgebaut werden. Fennen rät dringend zu einem Löschwasserbedarfsplan. In einigen Ortsteilen sei die Löschwasserversorgung unzureichend.

Lyko gab bekannt: Zum TLF 4000 sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Feuerwehr überlegt noch Alternativen.

Die Herausforderung der Zukunft sei die Nachwuchswerbung. Auch dafür macht der Gutachter einen Vorschlag: Er rät, jährlich 20 000 Euro in den Haushalt einzustellen, um die Jugendarbeit zu fördern – benötigt würden ein Konzept, Betreuer, Fahrzeuge et cetera.

Sollte die Werbung misslingen, droht irgendwann das Aus der kleinen Ortsfeuerwehren. Was das für Folgen haben kann, dokumentierte Norbert Lyko eindrucksvoll: Er hatte einen Filmbeitrag mitgebracht, der am 6. Juni bei Report München lief. Bei der Feuerwehr Eckartshausen gehen die Lichter aus. Es gibt nicht genügend Aktive. Der Brandschutz ist Aufgabe der Kommune – eine Berufsfeuerwehr kommt aber wesentlich teurer. „Deshalb müssen wir dringend für Nachwuchs sorgen“, so der Appell Lykos.

Neben der Werbung hält Fennen auch freiwillige Kooperationen von Feuerwehren für sinnvoll.

Zuspruch von allen Seiten

Am Ende erhielt der Bedarfsplan von allen Seiten Zustimmung. „Ein Mehrwert für die Feuerwehr“, nennt ihn Andre Bartels (CDU). Allerdings komme die Umsetzung teuer.

Für Eike Sellmer (Grüne) ist der Plan „nachvollziehbar und überzeugend“. Sie schlug außerdem vor, Schulen ein festes Angebot zu unterbreiten, wie das Thema Feuerwehr im Unterricht aufgearbeitet werden könne. Als Lehrerin sei sie dabei gerne behilflich.

Alexander Loerke (CDU) meinte, dass die Politik nun einen Großteil der Entscheidungskompetenz aus der Hand gegeben habe. Seiner Meinung nach hätte das Konzept für die mittelfristige Entwicklung der Feuerwehr (vom Stadtkommando erarbeitet) völlig ausgereicht. „Das Stadtkommando hatte die finanzielle Umsetzbarkeit im Kopf. Nun müssen wir die Häuser auch normgerecht herrichten“, so Loerke.

„Das hätten wir sowieso machen müssen“, entgegnete Eike Sellmer. Norbert Lyko bestätigte: „Auch in der mittelfristigen Planung waren Baumaßnahmen an den Feuerwehrhäusern vorgesehen.“

Stadtbrandmeister Theo Garrelts sieht seine Arbeit und die des Stadtkommandos durch den Bedarfsplan bestätigt: „Das zeigt, dass wir uns mit unserem Konzept auf dem richtigen Weg befunden haben.“ Der Plan verlange noch mehr.

Eine Spitze konnte sich Garrelts nicht verkneifen: Er erinnerte an die langwierige Diskussion um den Bau des Feuerwehrhauses Apelstedt. „Nun stellt sich heraus, dass dieses das einzige Haus ist, das den Anforderungen genügt.“

Leopold lobt gute Vorarbeit

Die gute Vorarbeit des Stadtkommandos lobte auch Carsten Leopold (CDU). „Die technische Ist-Ausstattung kommt der zukünftigen Soll-Ausstattung doch sehr nahe.“ Die CDU werde zustimmen und wolle die Rahmenbedingungen schaffen. Die Investition in die Infrastruktur sei künftig die bestimmende Größe des Haushalts.

Leopold schlug zudem vor, beim Umbau oder Bau neuer Feuerwehrhäuser zugleich Wohnungen mitzuplanen.

Bei der Nachwuchswerbung soll der Fokus nicht nur auf Kinder und Jugendliche gelegt werden, sondern auch auf die Gewinnung lebenserfahrener Menschen.

Schutzziel:

Die Feuerwehr muss im bebauten Gebiet spätestens zehn Minuten nach Alarmierung mit mindestens sechs Einsatzkräften vor Ort sein; nach 15 Minuten müssen 18 Personen vor Ort sein. Ist die Gefahrenlage schwieriger, sind innerhalb von zehn Minuten neun Personen erforderlich. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist der zeitkritische Einsatz: ein Wohnungsbrand. Eine Person hält es höchstens 13 Minuten in dieser Situation aus, nach 18 Minuten sei die Reanimationsgrenze erreicht. Die Hilfsfrist muss in 80 Prozent der Fälle erreicht werden. Das setzt eine Einsatzdokumentation voraus.

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